Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Türkei: 36 Tote bei Zugunglück

Nach dem schweren Zugunglück mit 36 Toten in der Türkei haben Spezialisten am Freitag die Ermittlungen zur Unfallursache aufgenommen. 

Am Donnerstagabend war der Schnellzug Istanbul-Ankara mit 243 Menschen an Bord rund 125 Kilometer östlich von Istanbul entgleist. 79 Menschen wurden verletzt. Nach Behördenangaben werden ein Terrorakt oder überhöhte Geschwindigkeit als Ursachen ausgeschlossen. „Es gab keine Sabotageaktion, wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte ein Sprecher. *****

Der Hochgeschwindigkeitszug war gegen 19.45 Uhr Ortszeit rund 125 Kilometer östlich von Istanbul nahe der anatolischen Stadt Sakarya entgleist. An Bord seien rund 240 Menschen gewesen, hieß es. Das Unglück geschah bereits kurz nach der Abfahrt auf freier Strecke. Vier Wagen hätten sich überschlagen und Dutzende Reisende unter sich begraben, hieß es. Über die Unglücksursache konnten bisher keine Angaben gemacht werden. „Es ist bisher nicht möglich zu sagen, warum das Unglück geschah“, sagte Muammer Turker vom Krisenstab des Transportministeriums.

Der Hochgeschwindigkeitszug ist erst im Juni in Betrieb genommen worden. Er soll die Reisezeit auf der knapp 600 Kilometer langen Strecke auf fünf Stunden verkürzen. Fachleute warnten seitdem, dass die Strecke dafür nicht ausgebaut sei. Der Generaldirektor der türkischen Bahn, Suleyman Karaman, wies Berichte zurück, wonach die Strecke unsicher sei. Erdogan sagte, es sei alles für die Sicherheit getan worden, bevor die Strecke eröffnet wurde. Danach flog er mit einem Hubschrauber zum Unglücksort.


Verein “Fahrgast”: Entgleister Zug war kein Hochgeschwindigkeitszug

Laut Michael Palfinger, Sprecher der österreichischen Fahrgastvertretung „Fahrgast“ und Zug-Experte, handelte es sich bei dem am Donnerstag auf der Strecke zwischen Istanbul und Ankara entgleisten Zug um keinen so genannten Hochgeschwindigkeitszug: „Das war eine Garnitur, wie sie auch bei uns verkehren würde. Es war ein ganz normaler schneller Zug – vergleichbar mit unserem Intercity. Mit einem TGV oder ICE hat diese Garnitur nichts zu tun.“

Hochgeschwindigkeitszüge würden ab 200 km/h definiert und seien eigens aufeinander abgestimmte „betriebliche Kompositionen“, seinen Informationen zufolge sei gesichert, dass der verunfallte Zug weit unter 200 km/h gefahren sei. Das Missverständnis sei seiner Meinung nach entstanden, weil der US-Nachrichtensender CNN in seinen ersten Meldungen dauernd von „High Speed Train“ gesprochen habe.

Der Schnellzug war mit über 200 Passagieren auf halber Strecke zwischen Istanbul und Ankara entgleist, dabei kippten mindestens vier Waggons um. Den türkischen Behörden zufolge starben dabei 36 Menschen, 79 Personen wurden verletzt. Die meisten Toten gab es im dritten und vierten Waggon, die sich ineinander verkeilten. Die Unglücksursache war zunächst unklar, ein Terrorakt wurde ausgeschlossen.

Auch Palfinger konnte auf APA-Anfrage nur vermuten, was zu dem Unglück geführt haben könnte. Er führte mehrere Möglichkeiten an: Es könnte ein Gleisfehler oder -bruch durch Steinschlag o.Ä. vorgelegen haben, weiters gebe es immer wieder auch „Gleisverwerfungen“ durch Hitze. Weiters sei es denkbar, dass der Zug in einen Bereich viel zu schnell eingefahren sei oder ein Fremdkörper auf den Geleisen gelegen sei. „Möglich ist auch, dass man mit der neuen Garnitur alle Register gezogen hat: zu kurzer Aufenthalt, maximale Beschleunigung und viel zu hohe Seitenbeschleunigung. Oder man hat die Grenzwerte für den Zug falsch bemessen“, sagte Palfinger, betonte aber, dass das aus seiner Sicht „natürlich nur Spekulationen“ sein können.

Der „Fahrgast“-Sprecher bekräftigte am Freitag auch wieder seine bekannte Forderung nach „verbindlicher Einführung der Magnetschienenbremse“ in allen in Österreich verkehrenden Zügen. Dieses System werde in nicht einmal 50 Prozent der Garnituren eingesetzt, dabei würde sich die Anschaffung – jeder Wagen muss einzeln ausgerüstet werden – im „Bereich von wenigen Zehntausend Schillingen“ (10.000 Schilling sind rund 730 Euro, Anm.) bewegen. „Aber leider sind die ÖBB da sehr sparsam.“

Die Wiener Straßenbahnen seien seit den vierziger Jahren mit Magnetschienenbremsen ausgerüstet, das widerlege auch das Argument, dass dieses System nur im absoluten Hochgeschwindigkeitsbereich nötig sei, so Palfinger. Diese magnetische Bremse wird ausgelöst, wenn der Lokführer das Notbremsventil betätigt. „Sie krallt sich praktisch in die Schienen und reduziert einen möglichen Aufprall ganz gehörig.“

Wenn man zusätzlich auch noch das European Train Control System Level II (ETCS II) einführe, ein System, das im Zehntelsekundentakt alle Daten und Informationen – auch anhand von GPS – sendet, dann habe man auch in Österreich im Zug-Sicherheitsbereich „endlich das 21. Jahrhundert erreicht“, sagte Palfinger. Mit dem ETCS II erspare man sich die so genannte Linienzugbeeinflussung (LZB), die momentan im heimischen Netz zum Einsatz komme. Der Nachteil des LZB sei aber, dass es über Kabel laufe und hohe Wartungskosten nach sich ziehe.

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • Türkei: 36 Tote bei Zugunglück
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.