TU Wien will im Wintersemester massiv Lehramtsstudien einsparen

Wer künftig an der TU Wien studieren will, kann dies nur mit Einschränkungen tun
Wer künftig an der TU Wien studieren will, kann dies nur mit Einschränkungen tun ©APA/HERBERT PFARRHOFER
Eine Hiobsbotschaft für alle, die planen, am Wintersemester 2012/13 an der TU Wien zu studieren: Die Hochschule hat vor, außer in der Studienrichtung  "Darstellende Geometrie" keine Neuzulassungen bei den Lehramtsstudien mehr vorzunehmen. Von der massiven Einsparung betroffen sind die Studienrichtungen Mathematik, Physik, Chemie und Informatik.

Aufreger für viele Studenten in spe: Die Technische Universität (TU) Wien will im kommenden Wintersemester 2012/13 mit Ausnahme der “Darstellenden Geometrie” keine neuen Lehramtsstudenten aufnehmen. Die TU bestätigte am 25. April einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung “Der Standard”, wonach es laut Rektoratsbeschluss keine Neuzulassungen in den Lehramtsstudien Mathematik, Physik, Chemie und Informatik geben wird.

Zukunft der Lehramtsstudien wird verhandelt

Die weitere Zukunft der Lehramtsstudien an der TU sei “Verhandlungssache” bei den bevorstehenden Gespräche zu den Leistungsvereinbarungen mit dem Wissenschaftsministerium, sagte eine Sprecherin der TU. Die nach Angaben der TU 483 eingeschriebenen, aktiven Lehramtsstudenten sollen ihr Studium jedenfalls fortsetzen können, wie eine Sprecherin betonte.

Allein Erstsemester müssten somit im Wintersemester an die Universität Wien ausweichen, wo eine Ausbildung in den Unterrichtsfächern Mathematik, Physik, Chemie und Informatik ebenfalls angeboten wird. Im Studienjahr 2011/12 gab es an der TU Wien 225 Neuzugelassene in den Lehramtsstudien; im Jahr 2010/11 haben 21 Personen ein Lehramtsstudium an der TU abgeschlossen.

Finanzielle Einsparungen sind nicht der Grund

Die Entscheidung, vier der fünf Lehramtsstudien auslaufen zu lassen, stehe “natürlich im Zusammenhang mit der finanziellen Situation” der mit rund 20 Mio. Euro verschuldeten TU, stelle aber nicht den Hauptgrund dar, so die TU-Sprecherin. Die Uni habe sich einen Sparkurs verordnet und arbeite an der Stabilisierung der Finanzlage. Konkrete Maßnahmen könnten noch nicht genannt werden. In welcher Größenordnung die möglichen Einsparungen durch das Wegfallen der Lehramtsstudien liegen, sei schwer abzuschätzen, weil sich ein Großteil der Lehrveranstaltungen mit jenen der regulären Bachelorstudien deckt.

Mit dem Schritt will sich die TU bei der Diskussion zur Strukturierung der neuen Lehrerausbildung indes “nicht völlig aus dem Spiel nehmen”. Man sei interessiert, sich im strategischen Prozess rund um etwaige Kooperationen mit Pädagogischen Hochschulen (PH) und Unis weiter einzubringen.

Töchterle nimmt Stellung zu Einsparungen an der TU Wien

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) bezweifelt, dass die Einstellung der Lehramtsstudien aus finanziellen Gründen passiere, sondern deutet sie als eine Entscheidung in Richtung einer Profilierung. Die TU könne legitimerweise sagen, dass sie primär eine Ausbildungsstätte von technischen und naturwissenschaftlichen Fachkräften ist, so Töchterle am Rande einer Pressekonferenz am 25. April. Für ihn entstünde erst dann Handlungsbedarf, wenn es aufgrund gestrichener Lehramtsstudien zu wenige Ausbildungsplätze für angehende Lehrer gäbe.

Laut der HochschülerInnenschaft (ÖH) an der TU Wien hat die Einsparung aber eben genau das zur Folge: Bereits jetzt würden viele der Lehramtsstudenten an der TU ohne abgeschlossenes Studium an verschiedenen Schulen unterrichten, eine Streichung der Studien verschärfte den akuten Lehrermangel enorm, so die HTU in einer Aussendung. “Gerade in den letzten Jahren ist das Interesse an den Lehramtsstudien an der TU Wien wieder stark gestiegen”, so Peter Dirnweber Studienvertreter der “Fachschaft Lehramt”. “Jetzt mit dem Streichen des Studiums zu reagieren, ist eine sehr bedenkliche Entscheidung,” meint Dirnweber zum umstrittenen Beschluss der TU Wien.

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