TU-Professor zu Blackouts: "Stehen heute viel besser da"

Wann kommt ein Blackout in Österreich? Vielleicht nie.
Wann kommt ein Blackout in Österreich? Vielleicht nie. ©APA/HANS PUNZ
TU-Graz-Professor Herwig Renner sieht keinen Strom-Blackout drohen. Aus den großen Ausfällen in den 60er-Jahren habe man Lehren gezogen.

In Österreich und auch in Europa habe es bisher in der Stromversorgung noch keinen echten Blackout gegeben - abgesehen von größeren, aber begrenzten Stromausfällen, die rasch wieder beherrscht worden seien. Das sagte der Grazer TU-Professor Herwig Renner in einem Online-Talk des Regulators Energie-Control. Aus größeren Ausfällen seit den 1960er Jahren habe man Lehren gezogen.

Blackouts sehr selten

Für ein echtes Blackout müsste es zu einem Zusammenspiel mehrerer großer Ereignisse kommen, sagte E-Control-Vorstand Haber. Renner nannte etwa das Zusammentreffen einer Kältewelle mit starken Winterstürmen, "das wäre einmal die Voraussetzung". Trennungen im Netzsystem habe es gegeben, die seien aber immer beherrscht worden, so der TU-Professor. So habe der Ausfall 1965 in New York gezeigt, dass die Regelbarkeit des Netzes verbessert werden müsse: "Heute stehen wir viel besser da."

Großer Stromausfall im Jahr 2003 in Italien

Das im Jahr 2003 finstere Italien habe gezeigt, dass Netzbetreiber grenzüberschreitend kooperieren müssen. Auch beim Systemsplit 2006, als Europa zeitweise in zwei bzw. drei Teile zerfallen war, sei "das Netz als solches in Betrieb" geblieben: "Das war im eigentlichen Sinne kein Blackout", sagte Renner. Ein wesentlicher Beitrag dafür, dass es in Österreich nicht zu einem Blackout kommt, sei der 380-kV-Ring.

Österreicher im letzten Jahr knapp halbe Stunde ohne Strom

Im Schnitt war bei den österreichischen Haushalten in den letzten Jahren die Stromversorgung laut Haber für 25 bis 27 Minuten im Jahr unterbrochen, das sei im europäischen und im weltweiten Vergleich "ein sehr guter Wert". Für Industriekunden seien die Werte noch besser, so Renner.

Flexible Gaskraftwerke für Kohleausstieg nötig

Angesichts des geplanten starken Ausbaus der Erneuerbaren Energien plädierte Univ.Prof. Renner vom Institut für Elektrische Anlagen und Netze der Technischen Universität Graz dafür, Reservekapazitäten zu bauen, denn: "Die Dunkelflaute schwebt wie ein Damoklesschwert über uns" - also Zeiten ohne PV- und Windstrom. Nötig seien flexible Gaskraftwerke, die auch mit der Wasserstoff-Technologie kompatibel sein sollten. "Wenn die begleitenden Gaskraftwerke nicht kommen, wird auch ein Abschalten der Kohlekraftwerke nicht möglich sein", so Renner. Anders als E-Control-Vorstand Haber ist der TU-Professor "vielleicht nicht ganz so optimistisch", dass es in Österreich gelingen wird, bis zum Jahr 2030 die Stromversorgung - bilanziell übers Jahr gesehen - ganz auf Erneuerbare umzustellen.

(APA/red)

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