Tsunami: Hoffnung für Vermisste sinkt

Gute eine Woche nach den katastrophalen Flutwellen in Asien schwindet die Hoffnung, viele Vermisste noch lebend zu finden.     |                  

Die Suche nach Überlebenden ist in vielen Flutregionen eingestellt worden. Die Vereinten Nationen befürchten, dass rund um den Indischen Ozean insgesamt deutlich mehr als 165.000 Menschen getötet wurden. Unterdessen läuft die internationale Hilfe weiter auf Hochtouren.

Außenministerin Ursula Plassnik (V) bestätigte am Montag in Wien sieben österreichische Todesfälle nach der verheerenden Flutkatastrophe in Südasien am Sonntag vor einer Woche. Die Zahl der offiziell vermissten österreichischen Touristen in Thailand und Sri Lanka hat sich auf 468 und damit seit dem gestrigen Sonntag um 22 verringert. Laut Plassnik besteht zu insgesamt 679 Österreichern im Katastrophengebiet derzeit kein Kontakt.

In Indonesien kamen nach Angaben des Gesundheitsministeriums auf der besonders schwer getroffenen Insel Sumatra mehr als 94.000 Menschen ums Leben. Das sind 14.000 mehr als zunächst bekannt. Helfer befürchteten ein weiteres Ansteigen der Opferzahlen an der Westküste der Provinz Aceh. Dort habe möglicherweise weniger als die Hälfte der rund 50.000 Einwohner überlebt. In der verwüsteten Provinzhauptstadt Banda Aceh starben nach vorläufigen Zahlen rund ein Drittel der 90.000 Einwohner.

Internationale Helfer erreichten inzwischen auch abgelegenere Gebiete. Dennoch warteten noch immer Zehntausende auf Hilfe. Vom Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ aus werden seit Samstag Betroffene mit Hilfsgütern aus Militärhubschraubern versorgt. In der besonders schwer von der Katastrophe betroffenen Stadt Galle im Südwesten Sri Lankas wurden US-Soldaten zur Katastrophenhilfe erwartet. Die USA wollen eine Vorhut von 200 Marines nach Galle schicken, letztendlich sollen 1500 Soldaten und ein Hubschrauber- Träger mit 20 Helikoptern nach Sri Lanka kommen. In Sri Lanka sind nach jüngsten Regierungsangaben 29.473 Menschen getötet worden, mehr als 5.000 wurden noch vermisst.

Nach den Worten des indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono plant sein Land gemeinsam mit anderen Staaten in der Region die Einrichtung eines Frühwarnsystems für Naturkatastrophen, das schnell Hinweise auf Erdbeben oder Tsunamis liefern soll. „Dies ist sehr wichtig, weil dadurch vorsorglich gehandelt werden kann.“ Auch europäische Spezialisten sind alarmiert: Sie fordern ein Frühwarnsystem für das Mittelmeer. „Weil das Mittelmeer nur 1.000 Kilometer breit ist, läuft ein Tsunami in einer Stunde von einem Ufer zum anderen. Das macht eine Warnung schwierig“, erläuterte Patrick Simon vom Pariser Umweltministerium. An den Küsten des Mittelmeeres verbringen jährlich mehr als 30 Millionen Menschen ihren Urlaub.

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und der amtierende EU-Ratspräsident, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, nehmen an diesem Donnerstag in der indonesischen Hauptstadt Jakarta an der Geberkonferenz für die Opfer der Flutkatastrophe teil. Unterdessen wurde bekannt, dass es bei dem Tsunami-Desaster zum schlimmsten Zugunglück aller Zeiten mit mehr als 1.300 Toten gekommen ist. Der Zug war am 26. Dezember von den Flutwellen erfasst worden. Auf Initiative der EU-Ratspräsidentschaft soll in allen 25 EU-Staaten das Leben für drei Minuten „stillstehen“.

Die Behörden in Schweden und Dänemark reduzierten zum Wochenbeginn die offiziellen Vermisstenzahlen deutlich. Wie das Außenministerium in Stockholm bestätigte, werden nach Rundrufen bei Betroffenen noch 2.915 gegenüber bisher 3.559 Schweden vermisst. Schweden ist vermutlich das am stärksten von der Katastrophe betroffene europäische Land. In Dänemark konnte die Zahl der Vermissten nach der Veröffentlichung von Listen mit zunächst 268 Namen auf 82 vermindert werden. Dagegen könnte die Zahl der britischen Tsunami-Opfer nach Mitteilung von Außenminister Jack Straw auf 200 steigen. Straw gab am Montag in London erstmals bekannt, dass noch 159 Briten in den betroffenen Ländern vermisst werden.

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