Tschechien im Wechselglück

Die Schweizer Fußball-Nationalmannschaft ist im Eröffnungsspiel der Heim-EM 2008 für eine gute Leistung nicht belohnt worden. Bilder  Meinungen | Traurige Schweizer | Euro für Frei vorbei

Die EURO-Gastgeber mussten sich am Samstag in Gruppe A Tschechien vor 40.000 Zuschauern in Basel mit 0:1 (0:0) geschlagen geben. Den entscheidenden Treffer erzielte der eingewechselte Ex-Austrianer Vaclav Sverkos in der 71. Minute. Bis dahin hatten eigentlich die Schweizer die besseren Chancen vorgefunden.

Nach einem weiten Kopfball aus dem Mittelfeld ließ sich Sverkos aber nicht zweimal bitten. Der 24-Jährige, der mittlerweile wieder in der Heimat bei Banik Ostrau spielt, traf zur Freude der mehr als 5.000 tschechischen Fans im Stadion unhaltbar für Schweiz-Keeper Diego Benaglio ins lange Eck. Die größte Ausgleichschance fand der eingewechselte Salzburg-Legionär Johan Vonlanthen vor, der nach einem von Startorhüter Petr Cech nur kurz abgewehrten Barnetta-Schuss die Latte traf (80.).

Eine bittere Pille hatten die Schweizer außerdem mit dem Ausfall von Kapitän Alexander Frei zu schlucken. Der Stürmerstar von Borussia Dortmund zog sich bei einem Zweikampf mit Zdenek Grygera kurz vor Seitenwechsel eine Knieverletzung zu und musste unter Tränen von Routinier Hakan Yakan ersetzt werden. Die EURO 2008 dürfte für den Schweizer Rekordtorschützen (35 Tore in 60 Länderspielen) vorzeitig beendet sein.

Frei war es auch gewesen, der die erste Torchance der EM vorgefunden hatte. Der 28-Jährige verfehlte das Tor in der dritten Minute nach Fehler von Tomas Galasek nur knapp. Die Schweizer hatten daraufhin in der ersten Hälfte mehr vom Spiel, waren vor allem durch Frei immer wieder gefährlich. Der Kapitän setzte erst Gökhan Inler ein, der schoss freistehend aber mitten aufs Tor (19.). Zwei Minuten später vergab Frei nach weitem Ausschuss von Benaglio.

Als Cech danach einen Schuss von Frei nur kurz abgewehrt hatte, war dessen einschussbereiter Sturmpartner Marco Streller allerdings im Abseits gestanden (36.). Während bei den Schweizern auch Valon Behrami auf dem rechten Flügel immer wieder für Unruhe sorgte, waren die Tschechen nur selten gefährlich. Benaglio wurde erstmals geprüft, nachdem Schweiz-Verteidiger Ludovic Magnin eine Jarolim-Flanke per Kopf zur Gefahr gemacht hatte (14.).

Tschechiens 2,02-m-Riese Jan Koller war gegen die Schweizer Innenverteidiger Philippe Senderos und Patrick Müller, dem Teamchef Kübi Kuhn trotz fehlender Spielpraxis nach einer Kreuzband-Operation vertraut hatte, kaum zur Geltung gekommen. Der Stürmerstar wurde von Karel Brückner bereits in der 57. Minute vom späteren Matchwinner Sverkos ersetzt. Mit Libor Sionko war ein weiterer Ex-Austrianer im rechten offensiven Mittelfeld zwar bemüht, aber eher farblos. Eine gefährliche Freistoßflanke von Jankoluvski verpasste der Kopenhagen-Legionär knapp (60.).

Die Gastgeber hatten auch nach Seitenwechsel mehr vom Spiel. Ein Schuss von Ersatz-Kapitän Magnin bereitete Cech noch keine Probleme (49.), bei einem Kopfball von Yakin wäre er aber geschlagen gewesen. Barnetta verpasste den Ball allerdings knapp (66.). In der dramatischen Schlussphase warfen die Schweizer noch einmal alles nach vorne, mit Ausnahme der Szene von Vonlanthen, der nur Sekunden nach seiner Einwechslung die Gelbe Karte gesehen hatte, blieben Großchancen aber aus.

Damit warten die Schweizer nach sieben Versuchen weiterhin auf ihren ersten Sieg bei einer EM-Endrunde. Bisher hatte es nur für zwei Unentschieden (je eines 1996 und 2004) gereicht. Die abgebrühten Tschechen befinden sich vor dem Schlager der Gruppe A am Mittwoch in Genf gegen Portugal dagegen in einer ausgezeichneten Position.

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