Trotz Verkehrsrückgang: 2020 gleich viele Handy-Sünder am Steuer gezählt

Obwohl der Verkehr im Coronajahr 2020 zurückging, wurden gleich viele Handy-Sünder am Steuer gezählt.
Obwohl der Verkehr im Coronajahr 2020 zurückging, wurden gleich viele Handy-Sünder am Steuer gezählt. ©APA (Sujet)
Obwohl es im Coronajahr 2020 einen Verkehrsrückgang gab, wurden fast genau so viele Lenker beim Handy-Telefonieren am Steuer erwischt wie im Jahr zuvor und deutlich mehr als im Jahr 2018. Darauf macht der VCÖ aufmerksam. Durchschnittlich wurde alle viereinhalb Minuten ein Handy-Vergehen im Straßenverkehr von der Exekutive geahnet. In sechs Bundesländern nahm die Zahl der Handy-Vergehen sogar zu.

121.211 Lenker wurden im Coronajahr 2020 in Österreich beim verbotenen Handy-Telefonieren am Steuer erwischt, wie sich der VCÖ auf Daten des Innenministeriums berief. Die Zahl der Handy-Vergehen war um nur 2.677 niedriger als im Jahr 2019 und sogar um über 12.000 höher als fünf Jahre davor im Jahr 2015, berichtete der VCÖ. Und die tatsächliche Anzahl der Vergehen dürfte dem VCÖ zufolge um ein Vielfaches höher sein.

Zunahme der Handy-Verstöße in sechs Bundesländern

Wie viele Vergehen geahndet werden, hängt vor allem von der Kontrolldichte ab. In sechs Bundesländern hat die Zahl der Handy-Verstöße trotz Verkehrsrückgangs im Corona-Jahr 2020 sogar zugenommen. Die meisten Fälle hat die Exekutive in Wien geahndet mit 27.244, knapp dahinter folgt Niederösterreich mit 24.578 sowie mit deutlichem Abstand Oberösterreich (16.606) und die Steiermark (15.871), berichtete der VCÖ.

"Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so schlecht wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille. Handy-Telefonierende Autofahrer reagieren etwa um eine halbe Sekunde später. Im Straßenverkehr, wo oft ein Bruchteil einer Sekunde entscheidet, ob es zu einem Unfall kommt oder nicht, kann das fatale Folgen haben", so VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Wer während des Lenkens am Handy Nachrichten schreibt, ist sogar bis zu zwei Sekunden im Blindflug unterwegs.

Die derzeitige Strafhöhe von 50 Euro steht dem VCÖ zufolge in keinem Verhältnis zum Gefährdungspotenzial des Delikts. "In Europa zählt Österreich zu jenen Staaten, wo die Strafhöhe sehr niedrig ist. In Italien ist die Strafhöhe mit 165 Euro mehr als dreimal so hoch wie in Österreich, in Spanien und Dänemark mit jeweils 200 Euro rund viermal so hoch und in den Niederlanden mit 240 Euro fast fünfmal so hoch. In Deutschland gibt es nicht nur 100 Euro Strafe, sondern auch einen Punkt im Punkteführerschein. Damit kann gezielt Bewusstseinsarbeit bei jenen gemacht werden, die sich ans Handy-Verbot nicht halten", so Schwendinger. Der Experte sprach sich dafür aus, dass Handy am Steuer auch in Österreich ins Vormerkssystem aufgenommen wird.

(APA/Red.)

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