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Trekkingräder - zusammengeschustert und klapprig

Test von 14 Trekkingrädern brachte katastrophales Ergebnis - von 14 Rädern nur eines als "gut" bewertet - der Rest "zerfiel" beinahe während der Testfahrten.

„Lenker-, Hals- und Sattelbruch!“ So könnte der neue Radler-Gruß gemäß den Ergebnissen eines Trekkingrad-Tests des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) lauten. Von 14 Produkten aus der Preisklasse um 500 Euro konnte nur eines als „gut“ qualifiziert werden. Brüche von Lenkern, Sattelstützen und Gabeln sowie andere schwerwiegende Mängel bedeuteten ein hohes Sicherheitsrisiko, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Rekord-Katastrophen-Ergebnis


„Es wird gesagt: ’Jeder gute Tag beginnt mit einer Trekkingrad-Tour. Das kann ich nicht empfehlen. (…) Das ist das katastrophalste Testergebnis in meiner langjährigen Laufbahn“, erklärte der Leiter der VKI-Technikabteilung, Mirko Bernhard.


Gemeinsam mit der deutschen Stiftung Warentest waren 14 Universalräder eingehend untersucht worden. Heimische Tester – sechs Männer und zwei Frauen – fuhren jedes der Räder binnen 14 Tagen 400 Kilometer weit. In einem deutschen Labor mussten die Bikes auf dem Prüfstand eine Strecke von je 24.000 Kilometern (180 Mal rund um den Neusiedler See) bewältigen. Immerhin: Wer täglich 14 Kilometer strampelt und auch noch an Wochenenden Touren unternimmt, kommt pro Jahr schon auf 4.000 bis 5.000 Kilometer. Und einige Jahre sollte der Drahtesel schon aushalten.

Fahrradteile zerbrachen unter den Bikern


Bernhard: „Bei mehr als der Hälfte der Räder sind einer oder mehrere sicherheitsrelevante Teile gebrochen.“ Fünf der Bikes gingen schon vor der Halbzeit der Tests in die Knie: Sattelstützen- und/oder Lenker bzw. Gabeln knickten. Sieben weitere Räder waren nicht besonders stabil. Nur zwei kamen im Endeffekt durch. Die Defekte hätten ein hohes Verletzungsrisiko bedeutet.


Der VKI-Techniker: „Bei einem Kandidaten ging im Laufe der Dauerprüfung – bis auf den Rahmen – alles zu Bruch: Sattelstütze, Lenker und Gabel.“


Am besten und mit „gut“ schnitt das Trekkingrad „Steven Jazz“ ab. Dann folgte eines mit Riemenantrieb (durchschnittlich, aber gleich 730 Euro teuer). Der Rest sollte eher Schweigen bzw. Selbstkritik bei den Produzenten und Händlern hervorrufen.

Auch Markenprodukte zeigten starkte Mängel


Letzteres gilt auch für durchaus bekannte Hersteller. Beispiele:
So verzeichnete ein KTM Life Fun beim VKI-Test eine gebrochene Sattelbefestigungsschraube, beim Kettler Country Cruiser knickte die Sattelstütze – ebenso wie beim Hercules Fuerte 21 und beim Kalkhoff Agattu 21. Das Prophete Alurex Silverstreet SL-Rad wies erhebliches Spiel der Federgabel (sogar bei der Pressekonferenz zu demonstrieren) auf. Hier brach im Test die Gabel. Andere Produkte wieder hatten schlechte Bremsen, worunter sich auch eine dem Konsumenten mehr Sicherheit suggerierende vordere Scheibenbremse (Drahtzug) befand. Bei diesem Produkt (Hattric) wurde gar auch noch die hintere V-Bremse durch den Gepäckträger behindert.


Für Bernhard liegt der offenbare Hauptgrund der Mängel in einer mangelnden Qualitätskontrolle der Hersteller und in der „Globalisierung“: „Es gibt sehr viele Komponentensysteme. Die werden von den Herstellern zum Teil gemixt. Die meisten kaufen irgendwo in der Welt ein. Was man gerade auf Lager hat, wird eingebaut. Daher ist es für den Hobbyradler nahezu unmöglich, festzustellen, ob es sich um ein qualitativ hochwertiges System oder um einen Mix handelt.“ Die Qualitätskontrolle sollte auch bei den Fahrradproduzenten schnellstens eingeführt oder effektiv gemacht werden.

Tipps des VKI:

  • Keine „Karton-Räder“ kaufen.
  • Keine „Baumarkt-Räder“ kaufen.
  • Der Fachhandel sollte von den Verbrauchern bevorzugt werden.

  • Redaktion: Elisabeth Skoda

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