Traditionskino vor Schließung

In Wien-Landstraße ist mit dem Eos-Kino ein Kulturjuwel der dreißiger bzw. fünfziger Jahre von der Schließung bedroht. Der Betreiber geht in Pension - Nachfolger nicht in Sicht.

Herbert Huber, Betreiber in zweiter Generation, geht demnächst in Pension. Ob der denkmalgeschützte Bau dann als Kino weitergeführt wird, ist fraglich. Dem Vernehmen nach könnte die „Kongregation der Dienerinnen des heiligsten Herzens Jesu“ als Eigentümerin die Räume für eigene Zwecke nutzen. Ein Kino-Konzept zweier Jungunternehmer wurde vom Kloster abgelehnt.


Während man sich in der Kongregation wegen des Urlaubs des Verwaltungsdirektors wenig auskunftsfreudig zeigt, steht für Huber auf APA-Anfrage schon fest, dass er im Herbst, „frühestens Ende Oktober“ seine Konzession zurücklegen wird. Ob es ihm um das von seinem Vater übernommene Kino nicht Leid tut? „Warum, soll ich tot umfallen? Ich bin 65, ich habe eine Familie.“ Prinzipiell wäre eine Weiterführung gemeinsam mit Ehefrau Elisabeth noch jahrelang möglich, die Kinder hätten daran aber kein Interesse.


Schon seit dem Zweiten Weltkrieg habe sein Vater das Kino in der Landstraßer Hauptstraße 137a geführt, so Huber. Es sei das Ausweichquartier für den Sascha-Palast Ecke Ungargasse/Rennweg gewesen, der durch eine Brandbombe zerstört wurde. In den fünfziger Jahren wurde der Saal für Cinemascope-Filme adaptiert. Er selbst führe das Haus seit 1965.

“Würde Privatem von Übernahme abraten


„Da ist nix mit Freizeit, da hängen S’ ordentlich drin“, so sein Resümee der Arbeit in dem Familienbetrieb. Auch Interessenten für eine Übernahme sollten sich keinen Illusionen hingeben: „Jedem privaten Kleinen, der da herkommt, würde ich abraten.“ Schließlich seien bei einer Neuübernahme hohe Kosten fällig, schon allein, um die neuen Gewerbevorschriften etwa bei der Lüftung einzuhalten.


Dass die Kino-Räume vom Kloster künftig für seinen Hort bzw. Kindergarten genutzt werden könnten, ist auch dem Bundesdenkmalamt bereits zu Ohren gekommen. Unternehmen könne man dagegen nichts, sagte Landeskonservatorin Barbara Neubauer: „Wir können keine Nutzung unter Denkmalschutz stellen. Wir können nur schauen, dass wesentliche architektonische Teile in ihrer Gestaltung erhalten bleiben.“ Die Architektur des Kinos samt Originalausstattung habe jedenfalls Denkmalcharakter und werde auch künftig geschützt bleiben.


Für eine Weiterführung als Lichtspieltheater gibt es zumindest eine Interessentengruppe: Alexander Kaiser und Feras Taha, beide nach eigenen Angaben mit Erfahrung im Kino-Geschäft, haben ein Kino- und Gastronomiekonzept vorgelegt, bei dem die Patina des Eos-Kinos erhalten geblieben wäre. Im Saal wollten sie eine Bar aufstellen und die Bestuhlung durch Sofas und Tische ersetzen. Auch heute wären sie noch zu einer Übernahme bereit, so Taha: „Wir suchen noch immer ein altes Kino. Von unserem Konzept sind wir überzeugt.“


Betreibers-Gattin Elisabeth Huber zeigte Verständnis für die Ablehnung des Klosters. Die beiden hätten wohl zu wenig eigenes Kapital vorweisen können, meinte sie. Auch die Idee einer Bar im Kino dürfte bei der Kongregation eher abschreckend gewirkt haben, berichtete Taha: Es sei die Befürchtung geäußert worden, dass damit das „Rotlichtmilieu“ ins Haus komme.

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