Tote Hosen und Stadthalle unter Strom

Noch lange bevor das neue Album "In aller Stille" im Handel stand, hatten die Toten Hosen ihre "mach­malauter-Tour" ausverkauft. Mit Video vom Gig

Ein Umstand, den Gitarrist Breiti als “totalen Vertrauensvorschuss” bezeichnet.Am Freitag erfüllte die Punkrockband jedenfalls in der zum Platzen gefüllten Wiener Stadthalle alle Wünsche der 16.000 Fans: Ab dem ersten Song “Strom” waren die Toten Hosen und ihr Publikum zweieinhalb Stunden elektrifiziert.

“Wir wollen jeden Abend alles geben”, hatte Breiti alias Michael Breitkopf vor der Show verkündet. Das taten die Düsseldorfer dann auch: Mit viel Energie und ohne Leistungsabfall wurde ein Best-of-Programm, angereichert mit vielen neuen Stücken, geboten. “Du lebst nur einmal”, “All die ganzen Jahre” und “Innen alles neu” legten die Marschrichtung vor, mit “Auswärtsspiel” folgte der erste Höhepunkt. Für die Hosen war es eher ein Heimspiel vor einer Kulisse wie in einem Fußballstadion (mit geschwenkten Fahnen und den von der EURO bestens bekannten “Seven Nation Army”-Chören).

In einem Alter, in dem Kicker längst ihre aktive Karriere beendet haben, befinden sich Campino und sein Team in der Form ihres Lebens. Souverän ließen die Hosen Klassiker wie “Alles aus Liebe”, “Steh auf, wenn Du am Boden bist”, “Wünsch Dir was”, “Hier kommt Alex” oder “Das Wort zum Sonntag” so dynamisch erklingen, als wären die Stücke erst gestern geschrieben worden. Neue Songs wie “Alles was war” wirkten mitunter noch nicht ganz perfekt “eingespielt”, fügten sich jedoch sehr gut in den Hosen-Katalog ein. Trotz aller Reife und Routine fehlte dabei nie der Spaß am “Lärm” – wie Breiti bestätigte: “Wir versuchen, bei aller Arbeit die Zeit auch zu genießen.”

Es wäre ungerecht und falsch, die Toten Hosen auf Punk-Akkorde zu beschränken. In einem Art Unplugged-Teil – mit Tasten- und Streichinstrumenten – zeigte die Gruppe Feingefühl. War das geniale “Nur zu Besuch” schon Emotion pur, legte Campino im Duett mit Burgschauspielerin Birgit Minichmayr noch nach (“Auflösen” in der Live-Premiere). Und was wäre ein Konzert der Toten Hosen ohne Verneigung vor den Einflüssen (z. B. “Guns Of Brixton” – The Clash) bzw. ohne “Bayern”, der von 16.000 Stimmen leidenschaftlich mitgegrölten Anti-Hymne auf den unbeliebten Fußballclub. Apropos: Campino, Ehrenmitglied des Sportclubs, kam zwischendurch im Dress des Wiener Traditionsvereins auf die Bühne und hatte dann auch für die Austria freundliche Worte. Rapid ging leer aus…

“Wir sind uns bewusst, dass das kein Normalzustand ist”, sagte Bassist Andreas Meurer im APA-Gespräch über den derzeitigen Zulauf zu den Shows. “Wir wissen das zu würdigen.” Schwer fällt das den wohl ewig jungen Rockern allerdings nicht: “Jeder muss sich heute mehr vorbereiten, um fit zu bleiben. Aber das Lebensgefühl und unsere Einstellung sind gleichgeblieben”, betonte Breiti. Von Wolfgang Hauptmann

Video vom Konzert

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