Tote bei Demonstrationen

Im Westjordanland sind bei Demonstrationen gegen die Belagerung des Amtssitzes von Arafat nach palästinensischen Angaben mindestens vier Palästinenser getötet worden.

Mehr als 50 Palästinenser seien bei den Protesten in der Nacht zum Sonntag von israelischen Soldaten angeschossen worden.

Tausende Palästinenser demonstrierten in der Nacht zum Sonntag im Westjordanland und im Gazastreifen gegen die Belagerung Arafats in Ramallah durch die israelischen Streitkräfte. Israelische Panzer und Truppen seien in Städten und Flüchtlingslagern im Westjordanland in Stellung gegangen und hätten das Feuer auf palästinensische Steinewerfer eröffnet, hieß es nach palästinensischen Angaben weiter.

Das israelische Militär drohte laut Palästinensern am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) damit, das Bürogebäude zu stürmen. Zuvor hatten sich Arafat und 250 seiner Gefolgsleute geweigert, wie von der Armee befohlen den Komplex mit erhobenen Händen zu verlassen. Arafat werde sich nicht ergeben, teilte sein Informationsminister Yasser Abed Rabbo mit.

Auch die Anwohner neben dem Hauptquartier im Westjordanland wurden vor einer starken Explosion gewarnt. Dabei soll es sich um die Sprengung des letzten noch neben Arafats Büro stehenden Gebäudes handeln, in dem nach palästinensischen Angaben ein Behälter mit zwei Tonnen Gas lagern soll. Eine Bestätigung oder ein Dementi der israelischen Armee für die palästinensischen Angaben lag zunächst nicht vor.

Die israelische Armee hatte Samstag Früh mit der Zerstörung des bereits zuvor schwer beschädigten Amtssitzes von Arafat begonnen. Die Operation erfolgte als Vergeltung für den Terroranschlag auf einen Linienbus in Tel Aviv, bei dem am Donnerstag sechs Israelis und der Attentäter ums Leben gekommen waren. Israel verlangt die Auslieferung von 20 mutmaßlichen Terroristen, die in Arafats Hauptquartier Zuflucht gefunden haben sollen.

Nach palästinensischen Angaben zerstörte die Armee vier der fünf noch verbliebenen Hauptgebäude in Arafats Amtssitz, der „Mukata“. Arafat soll sich in seinem Bürogebäude nur noch auf einem Stockwerk aufhalten können. Bulldozer hätten bereits damit begonnen, den Westflügel des Komplexes einzureißen. Eine Panzergranate soll auch die Treppe zum Ausgang seines Bürogebäudes zerstört haben.

Arafat zeigte sich unbeugsam. „Wir werden nicht auf die Knie gehen“, das habe Arafat ihm gegenüber drei Mal am Telefon wiederholt, sagte Ahmed Tibi, arabischer Parlamentarier in der Knesset. „Ich hoffe, dass Gott mir die Gnade des Märtyrertums gewährt. Keiner wird an Israel ausgehändigt“, habe Arafat gesagt. In einer von der palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA verbreiteten Erklärung hatte Arafat zuvor deutlich gemacht, er sei bereit zum Frieden, aber nicht zur Kapitulation. Weder würden die Palästinenser ihren Anspruch auf Jerusalem aufgeben, noch ein Körnchen ihres Bodens.

Aber auch Israels Ministerpräsident Ariel Sharon scheint zur Härte entschlossen. Nach Angaben aus palästinensischen Regierungskreisen hat Sharon einen US-Vorschlag abgelehnt, palästinensische Unterhändler auf das Gelände vorzulassen, damit diese versuchen könnten, ein Ende der Belagerung auszuhandeln. „Sharon will keine Verhandlungen“, verlautete aus informierten israelischen Kreisen. „Er will, dass alle sich ergeben, und bis dahin wird sich die Lage noch verschlimmern.“

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