Tödliche Schusswaffeneinsätze der Polizei: Eine Chronologie

Wenn die Polizei zur Waffe greift
Wenn die Polizei zur Waffe greift ©APA (Sujet)
Aus aktuellem Anlass: Der Schusswaffengebrauch ist für Polizisten immer eine Gratwanderung. Er gilt als letztes Mittel, Randalierer oder Gewalttäter zu stoppen. Nachfolgend eine Auflistung derartiger Einsätze mit tödlichem Ausgang.
Tankstellenräuber erschossen
Waffen des 21-Jährigen
20 Schüsse durch WEGA
Polizist erschießt 14-Jährigen

Häufig wurden die Beamten selbst durch Waffen bedroht und befinden sich in Notwehrsituationen, wenn Schüsse auf Angreifer fallen.

Tödliche Schüsse auf Tankstellenräuber

3. Juli 2014: Ein 21-jähriger Mann, der eine Tankstelle in Wiener Neustadt überfallen hat, flüchtet und wird von Polizisten im Zuge einer Alarmfahnung in Neunkirchen gestellt. Der Räuber richtet aus seinem Pkw heraus eine Waffe auf die Polizisten. In Anbetracht dieser Situation geben die Beamten Schüsse ab. Der 21-Jährige stirbt, von mehreren Projektilen getroffen, noch am Einsatzort an der B17. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei den Waffen in seinem Wagen um eine Softgun und eine revolverähnliche CO-Waffe, die realen Faustfeuerwaffen frappant ähneln – Bilder dazu hier.

WEGA-Beamte erschießen Wiener

7. Juni 2013: Ein tobender Mann attackiert in einem engen Stiegenhaus in Liesing acht Angehörige der Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA) mit einem Messer. Vier der Polizisten geben insgesamt 20 Schüsse ab. Das Verfahren gegen die Beamten wird ein Jahr später eingestellt.

Weitere Vorfälle

28. April 2010: Ein 84-jähriger Mann in Laakirchen (Bezirk Gmunden) bedroht in den Nachtstunden einen Zeitungsausträger, der in seiner Hauseinfahrt stehen bleibt, mit einer Pistole. Der Autofahrer flüchtet zur Polizei, die den Senior aufsucht. Nachdem der Mann sich auch nach einem Warnschuss weigert, die Pistole fallen zu lassen, eröffnen die Streifenbeamten das Feuer. Ein Schuss trifft den 84-Jährigen in die Brust.

31. Dezember 2009: Nach einem Überfall auf ein Wettcafe bei Graz wird der Räuber während der Verfolgungsjagd von zwei Projektilen in den Bauch getroffen. Der 38-Jährige durchbricht mit seinem Pkw zuvor mehrere Polizeisperren, in Weitendorf stoppt ein Schuss in den Reifen seine Weiterfahrt. Der Mann steigt aus und eröffnet das Feuer – zwei Polizisten geben daraufhin vier Schüsse ab. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass der 38-Jährige nur mit einer Gaspistole bewaffnet war. Der Verletzte stirbt im Spital an inneren Blutungen.

22. November 2009: Ein Polizist tötet in einer Notwehrsituation einen Lebensmüden in Wien-Favoriten. Der 31-Jährige hat eine täuschend echt aussehende Gaspistole auf den Beamten gerichtet, dieser schießt und trifft den Mann zweimal.

14-Jähriger in Kremser Supermarkt erschossen

5. August 2009: Bei einem Einbruch in einen Merkur-Markt in Krems a.d. Donau wird ein 14-jähriger Jugendlicher von der Polizei erschossen, sein zum damaligen Zeitpunkt 16-jähriger Komplize schwer verletzt. In der Folge wird über die Rechtmäßigkeit des Schusswaffengebrauchs heftig diskutiert. Ein Beamter wird rechtskräftig zu acht Monaten bedingter Haft wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen verurteilt.

8. August 2008: Ein Polizist erschießt gegen 4.00 Uhr in Wetzelsdorf (Bezirk Korneuburg) einen Motorraddieb. Der 46-Jährige wollte bei einem Anhalteversuch davonrasen.

Tod auf der S1

19. April 2008: Auf einem Parkplatz der Wiener Außenring-Schnellstraße (S1) in Schwechat kommt bei einem Schusswechsel ein als Polizist getarnter Rumäne durch das Projektil einer Dienstwaffe eines Beamten in Zivil ums Leben. Laut Polizei war der Flüchtende, der gemeinsam mit zwei Komplizen mehrere Überfälle begangen haben soll, auf die Beamten losgefahren. Die Anklagebehörde kommt zu dem Schluss, dass die Schussabgabe durch die Polizisten gerechtfertigt war.

(apa/red)

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