Todesschüsse wegen Lärm

Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat am Donnerstag im Fall jenes pensionierten Fernfahrers, der am 18. Juni 2005 in einem Gemeindebau in Wien-Fünfhaus einen lauten Nachbarn mit seiner Pistole zu Tode brachte, die Entscheidung der ersten Instanz bestätigt.

Es bleibt bei sechs Jahren Haft wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung mit Todesfolge. Die dagegen eingebrachten Rechtsmittel des 64-jährigen Schützen wurden vom Berufungssenat (Vorsitz: Robert Schindler) verworfen. Die Staatsanwaltschaft hatte das Ersturteil nicht bekämpft.

Seit Jahrzehnten lebt der Fernfahrer mit seiner Ehefrau in einem neun Stiegen umfassenden Gemeindebau in der Tautenhayngasse. Mit dem Wechsel in den Ruhestand entwickelte sich der Mann zu einem Unruheherd, vor dem sich einige Mitbewohner regelrecht fürchteten. Er ließ etwa die Polizei kommen, wenn sich am Spielplatz lachende Kinder aufhielten. Er brüllte ausländerfeindliche Bemerkungen aus dem Fenster, wenn es draußen nicht ruhig war.

Es war Mitternacht, als ein nach Hause kommender Familienvater mit einer befreundeten Hausbewohnerin zusammen traf, die ihren Hund Gassi führte. Die beiden kamen ins Gespräch, was der im ersten Stock wohnende Pensionist hörte. Der hatte sich bei geöffnetem Fenster schlafen gelegt.

„Ihr Tschuschen, warum macht ihr so einen Lärm? Geht’s was hackeln! Zahlt’s für die Pension ein!“, geiferte er aus dem Fenster. Der 33-Jährige schimpfte zurück. „Ich komm’ runter!“, schrie der Ältere. „Ich warte!“, lautete die Antwort.

Ehe er tatsächlich im Schlafrock ins Freie eilte, griff sich der 64-Jährige aus einer versperrten Schublade noch eine tschechische Pistole vom Kaliber neun Millimeter. Damit schoss er dem Vater eines zwei und eines fünf Jahre alten Mädchens in den Bauch. Das Projektil durchschlug die Hauptschlagader. Der 33-Jährige war binnen weniger Minuten tot.

Der Schütze kehrte in seine Wohnung zurück, verständigte die Rettung, zog sich ordentlich an und trug seiner inzwischen aufgewachten Frau auf, die Polizei anzurufen. Dann begab er sich wieder in den Innenhof und ließ sich von den eintreffenden Beamten festnehmen.

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