Tod in Floridsdorf: Polizei gesteht Fehler

Die Wiener Polizei gesteht ein: Dass Umar Israilov, der bereits im Sommer 2008 um Hilfe ersucht hatte, keinen Personenschutz erhielt, war eine "Fehleinschätzung", wie der Wiener Polizeipräsident Pürstl sagte.

Weil die Behörden kein konkretes Bedrohungsszenario erkennen konnten, wurde Umar Israilovs Ansuchen abgelehnt. Nun ist er tot: Und der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl gestand am Donnerstag die “Fehleinschätzung” ein.

“Wenn polizeiliche Prognosen im Endeffekt nicht stimmen, ist das selbstverständlich bedauernswert. Das heißt aber noch nicht, dass ein polizeiliches Fehlverhalten vorliegt”, meinte Pürstl im Rahmen einer Pressekonferenz. Es sei polizeilicher Alltag, “dass Ex-Ante-Prognosen mit Ex-Post-Betrachtungen nicht übereinstimmen. Daraus kann man noch nicht auf schuldhaftes Fehlverhalten schließen”.

Mit den Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch (HRW) und der International Helsinki Federation for Human Rights sowie dem Flüchtlingsbetreuer des Tschetschenen hatten mehrere Stellen um Schutzmaßnahmen für den 27-Jährigen ersucht. Kritik an der ablehnenden Haltung der Polizei wies Pürstl zurück: “In der Öffentlichkeit sind nur einzelne Fragmente dieses Falls bekannt. Wenn man Seite 200 eines Kriminalromans liest, kann daraus auch nicht auf den ganzen Roman geschlossen werden.”

Umar Israilov war am 13. Jänner in der Ostmarkgasse in Floridsdorf auf offener Straße erschossen worden, drei Projektile steckten in Oberkörper, Arm und Bein. Verdächtigt werden zwei Männer, die den Tschetschenen verfolgt hatten, einer davon war mit einer länglichen silbergrauen Pistole bewaffnet. Bei der Flucht stiegen die beiden in einen grünen Volvo, der einem bereits verhafteten 40-jährigen Tschetschenen gehört. Er hat den österreichischen Namen Otto Kaltenbrunner angenommen und wird beschuldigt, als Chauffeur gedient zu haben. Ermittelt wird in dem Fall vom Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) sowie vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BVT).

Die Verteidigung Kaltenbrunners hat der Wiener Anwalt Rudolf Mayer übernommen. Er habe den Tschetschenen, der einen österreichischen Namen angenommen hat, auch erstmals kurz im Gefängnis getroffen. “Er spricht kaum Deutsch”, so der Jurist. Mehr als ein paar Worte habe er gar nicht mit ihm geredet. Der nächste Termin werde gemeinsam mit einem Dolmetscher stattfinden.

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