Tirol muss laut Experten erneut mit starkem Erdbeben rechnen

Mehrere Regionen aus …sterreich und Italien erarbeiten derzeit ein gemeinsames grenzüberschreitendes Erdbebenprojekt.
Mehrere Regionen aus …sterreich und Italien erarbeiten derzeit ein gemeinsames grenzüberschreitendes Erdbebenprojekt. ©apa
Tirol muss offenbar wieder mit einem ähnlich starken Erdbeben wie im 16. und 17. Jahrhundert rechnen.

“Statistisch gesehen müsste ein solches Erdbeben wieder auftreten”, meinte Marcel Innerkofler, der Leiter der Landeswarnzentrale Tirol, im Gespräch mit der APA anlässlich des Abschlusses des grenzüberschreitendes Erdbebenprojektes “HAREIA”. Eine genauere Prognose sei aber naturgemäß nicht möglich, erklärte Innerkofler, der allerdings vor unnötiger Panikmache warnte.

Großes Beben historisch nicht belegbar

Man könne jedoch deshalb nicht von einer stärkeren Erdbebengefährdung in Tirol ausgehen, weil im Zuge der Erdbebenforschung anlässlich des Projektes ein großes Beben historisch nicht belegbar gewesen sei. Die drei stärksten fanden laut Innerkofler im 16. und 17. Jahrhundert in Hall und Innsbruck statt. Damals seien Gebäude zerstört worden, es habe auch Verletzte und Tote gegeben. Die Unglücke könne man auf die Jahre 1572, 1670 und 1689 datieren. Die seismische Intensität habe die Stärken sieben und acht auf der Europäischen Makroseismischen Skala (EMS) betragen. Stärkegrad zwölf wäre auf der Skala die höchstmögliche, erklärte der Landesbeamte.

Tirol “Hot Spot” für Erdbeben”

Die Regionen des Bundeslandes Tirol, sowie Südtirol, Veneto und Friaul liegen laut Innerkofler auf einer seismisch aktiven Zone. “Etwa 60 Prozent der Erdbeben in Österreich finden in Tirol statt”, erläuterte der Katastrophenmanager. Im Rahmen von “HAREIA” (Historical and Recent Earthquakes in Italy and Austria) habe man zum einen in den vier Partnerregionen insgesamt zwölf sogenannte “Strong-Motion-Stationen” errichtet. Diese würden dazu dienen, Erdbeben präziser zu lokalisieren und vor allem Starkbeben, also für Menschen spürbare Stöße, zu erfassen.

Abschlussbericht in ein paar Monaten fertig

Der zweite große Teil des Projekts habe wiederum die historische Bebenforschung in Bibliotheken und Archiven sowie die Erstellung eines grenzüberschreitenden Erdbebenkataloges umfasst. Diese Maßnahmen würden laut Innerkofler eine realistische Einschätzung der Gefährdung ermöglichen. Dies könne dann wiederum Auswirkungen auf die Vorgaben in den Baunormen sowie auf die Notfallpläne haben. “Die genauen Empfehlungen stehen aber noch nicht fest. Der Abschlussbericht wird in zwei bis drei Monaten fertig sein”, sagte der Landeswarnzentrale-Leiter. Die Gesamtkosten des Projekts HAREIA waren laut Innerkofler mit rund 1,08 Millionen veranschlagt. 987.400 Euro erhalte man an EU-Fördermitteln.

(APA)

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