Tiere aus dem Wiener Tierschutzhaus: Vergabe, Schwarze Listen und Risiken

Hunde und Katzen warten im Tierschutzhaus auf ein gutes Zuhause - worauf geachtet wird, hat uns dessen Leiterin erzählt
Hunde und Katzen warten im Tierschutzhaus auf ein gutes Zuhause - worauf geachtet wird, hat uns dessen Leiterin erzählt ©VIENNA.at/Lukas Krummholz
Die Leiterin des Wiener Tierschutzhauses, Birgit Widhalm-Pechböck, hat im Gespräch mit VIENNA.at spannende Fragen zu Tierheim-Finanzierung, Vergabe-Prozedere von Katzen und Hunden, Schwarzen Listen, tierärztlichen Warnungen und Gesundheitsproblemen beantwortet. Hier Teil 1 des großen Interviews.
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VIENNA.AT: Wie viele Tiere sind derzeit im Wiener Tierschutzhaus untergebracht? (Stand: Ende 2014)

Birgit Widhalm-Pechböck: Insgesamt sind es rund 1.250 Tiere: 420 Katzen, 260 Hunde, der Rest sind Klein- und Wildtiere.

Tierschutzhaus-Betrieb: Kosten und Mitarbeiter

Wie finanziert sich das Tierschutzhaus?

Wir haben einen Leistungsvertrag mit der Stadt Wien – das Veterinäramt ist als Behörde dafür zuständig bzw. per Gesetz dazu verpflichtet, unversorgte Tiere unterzubringen. Das können sie momentan noch nicht, weil das TierQuarTier erst in einiger Zeit aufsperrt und dadurch sind wir die Verwahrstelle. Wir bekommen gewisse Tagsätze pro Tier – für Katzen 8,80 Euro, für Hunde 12,60 Euro. Das ist nicht hundertprozentig kostendeckend. Der Rest finanziert sich rein aus Spenden und aus Erbschaften – wir haben ein paar sehr generöse Gönner.

Wieviele Mitarbeiter haben Sie im Haus?

Insgesamt ist unser Betrieb 100 Mann stark. Ehrenamtlich haben wir etwa 170 Betreuungspaten allein im Hundebereich, Gassigänger. Und sonst zu jeder Zeit zwischen 15 und 20 Ehrenamtliche.

Hund oder Katze adoptieren: Das Prozedere

Wenn ich eine Katze aus dem Tierschutzhaus adoptieren möchte – wie läuft das ab?

Man klärt im Vorfeld die Grundvoraussetzungen der Leute, was macht Sinn, was macht keinen Sinn. Wir vergeben zum Beispiel keine einzelne Babykatze in eine Wohnung, wo den ganzen Tag keiner daheim ist. Da wird die Katze nicht glücklich werden und der Mensch auch nicht. Wichtig sind uns Katzengitter, weil wir einen Haufen Katzen bekommen, die aus dem Fenster gefallen sind und das ist Tierleid, das man verhindern könnte. Wenn die Rahmenbedingungen passen und die Leute eine vernüftige Vorstellung haben, was es bedeutet, eine Katze zu haben, geben wir natürlich Katzen ab. Aber wir vergeben Tiere nicht um des Hergebens Willen – uns ist dran gelegen, dass sie gut untergebracht sind.

VIENNA.at/Lukas Krummholz
VIENNA.at/Lukas Krummholz ©VIENNA.at/Lukas Krummholz

Und bei Hunden?

Da unterscheiden wir zwischen schwierigeren und weniger schwierigen Hunden. Generell wird geschaut, wie viel Zeit hat der Mensch für den Hund, gibt es Katzen im Haushalt, eignet sich der Hund für den, was möchte der für die Bespaßung des Tieres tun. Ist das ein einfacher Hund, kann der vielleicht gleich mit nach Hause, ist das ein Listenhund oder schwierigerer Hund, machen wir das über eine Patenschaft mit Übernahme. Vier Wochen sind der Rahmen, die Leute bekommen mehrere Trainerstunden mit unseren Hundetrainern, die Hunde dürfen probeweise dort übernachten um zu sehen, wie funktioniert das daheim – eine Art Probelauf.

Erfolgreiche Vermittlung

Wieviele Tiere vermitteln Sie durchschnittlich?

Wir vergeben im Monat 50 bis 70 Hunde und 110 bis 120 Katzen. In der gleichen Größenordnung wie die Katzen vergeben wir auch Kleintiere. Wir haben einen ganz ordentlichen Umsatz – Gottseidank.

Gibt es Stoßzeiten, wo verstärkt Tiere hereinkommen?

Das ist ein bisschen ein Ammenmärchen, dass die Tiere etwa nach Weihnachten oder in den Ferien verstärkt kommen. Wir haben eher vor Weihnachten ein massives Problem mit Welpen, die für das Weihnachtgeschäft importiert und illegal verkauft werden. Es gibt immer wieder Spitzen, da kommen plötzlich Unmengen an Tieren, aber das ist nicht an Feiertage oder Anlässe gebunden.

Von K.O.-Kriterien und Schwarzen Listen

Welchen Menschen geben Sie auf keinen Fall ein Tier nach Hause mit – gibt es K.O.-Kritierien?

Ja. Offensichtliche Dinge wie ein Tierhalteverbot. Bei Listenhunden braucht man ein Leumundszeugnis – scheinen da Gewaltverbrechen auf, schließt einen das lebenslänglich von der Haltung aus. Da muss man damit rechnen, dass es wieder zu einer Abnahme kommt und die Tiere erst recht wieder bei uns landen.

Minderjährige unter 18. Oder wenn Menschen am Gelände schon negativ auffallen, weil sie grob zu den Hunden oder Katzen sind, nach einem Tier treten oder es beuteln – weil das kein Umgang mit einem Lebewesen ist. Es gibt eine kleine “Schwarze Liste”, auch mit Mails zwischen verschiedenen Tierheimen, auf der Menschen mit Namen und teils Auto-Kennzeichen verzeichnet sind, mit denen schon einen Vorfall gegeben hat. Und wenn jemand offensichtlich unter Drogen- oder Alkohol-Einfluss steht. Man mag es nicht glauben, aber es kommt immer wieder mal vor.

Inwiefern ist das Finanzielle da ein Thema?

Unsere Tiere sind geimpft, gechippt und kastriert bzw. bekommen dafür einen Gutschein mit, deshalb gibt es eine Schutzgebühr, die je nach Tier, Geschlecht und Alter variiert und sowieso nur rund ein Drittel der Kosten abdeckt. Wenn da die Leute schon zu diskutieren anfangen – daran darf keiner rütteln. Maximal, wenn das Sorgentiere, extrem alte oder kranke Tiere sind, dann reduzieren wir die Schutzgebühr in seltenen Fällen.

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Wenn Tierärzte vor dem Tierschutzhaus warnen

Tierärzte raten teilweise davon ab, Tiere aus dem Tierschutzhaus zu adoptieren – was sagen Sie dazu?

Ich bin selbst Tierärztin. Wir vergeben einfach wahnsinnig viele Tiere, und natürlich können da auch Tiere dabei sein, die krank sind. Wenn von 1.600 Katzen, die wir im Jahr vergeben, 300 etwas haben, dann kann das rein statistisch schon sein. Aber wir untersuchen und checken natürlich alle unsere Tiere, und sobald da irgend etwas ist, landen die sofort in der Ordination. Alle Tiere, die rausgehen, werden auch medizinisch enduntersucht und erhalten ein Formular mit allen Infos. Die neuen Tierhalter können noch 21 Tage nach der Übernahme zu uns kommen.

Wir arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen, was Hygienestandards und tierärztliche Standards betrifft, es ist eben die schiere Masse der Tiere, wodurch dann eher ein solcher Eindruck entsteht. Und was man nicht vergessen darf: Wir nehmen eben auch Tiere auf, die rausgehaut werden, weil sie alt und krank sind. Dass solche Tiere dann nicht hundertprozentig fit sind, ist klar. Wir halten diese Informationen aber nicht zurück.

(DHE)

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