Thomas Widhalm lebt die Mountainbike Challenge

Thomas Widhalm: Weltmeister aus Wien
Thomas Widhalm: Weltmeister aus Wien © vienna.at
Eigentlich war es ein Motorradunfall, der Thomas Widhalm aufs Radl brachte. Inzwischen hat er verschiedene Titel und Profiniveau erreicht.

Wir sprechen mit ihm über das Radfahren in Wien und lassen die Burschen kurz die neue Mountainbikechallenge 09 anspielen.

Kannst du dich unseren Lesern vielleicht kurz vorstellen?
Mein Name ist Thomas Widhalm. Ich bin inzwischen 44. Mit dem Mountainbike-Sport habe ich vor mittlerweile 25 Jahren begonnen. Da wurde mir nach einem schweren Motorrad-Unfall das Bein amputiert und das Radfahren hat anfangs eigentlich mehr zu Rehabilitationszwecken gedient. Ich bin dann aber eigentlich nicht mehr davon weggekommen und habe das dann bis zur Professionalität durchgezogen. Inzwischen bin ich 2facher 24-Stunden Weltmeister und Marathon Europameister und habe von Downhill- bis zum Querfeldeinsport schon so ziemlich alles gemacht am Rad.

Wann hast du für dich beschlossen, dass du den Mountainbike-Sport professionell betreiben willst?
Ich hab vor ca. 18 Jahren begonnen mit einem Leistungsdiagnostiker zu trainieren und das hat bei mir relativ schnell riesige Fortschritte gebracht. Da haben wir uns dann dazu entschlossen, dass ich mich mehr auf ausdauerintensive Sachen – wie 24-Stunden-Rennen – konzentriere und relativ bald festgestellt, dass ich auf diesen extremen Distanzen sehr gut unterwegs bin. Es haben sich dann glücklicherweise auch Sponsoren gefunden, die mich großzügig unterstützt haben und noch immer unterstützen. Und so lange es mir noch Spaß macht versuche ich das jetzt noch professionell durchzuziehen.

Wie läuft eigentlich so eine Weltcupsaison bei dir ab? Wie viele Rennen gibt es da und wo werden die gefahren?
Also Mountainbike-Rennen gibt es ja alleine in Österreich jedes Wochenende 10 bis 20 – natürlich nicht alle für den Weltcup. Von den 24-Stunden Rennen fahre ich maximal 4 im Jahr, wobei eines davon der Höhepunkt des Rennjahres ist. Meistens ist das auch das schwierigste und herausforderndste Rennen der Saison, wie nächste Woche das Finale im italienischen Ligure. Das ist das schwierigste Rennen vom Fahrtechnik-Aspekt aus gesehen und sicher auch eines der schönsten der Welt. Vielleicht werde ich dann im August auch noch die Weltmeisterschaft in Deutschland anhängen, das ist aber noch nicht fix.

Welche Weltcupdisziplinen gibt es eigentlich im Mountainbike-Sport?
Die 24-Stunden-Rennen gehen nicht von der UCI (Union Cycliste Internationale = Weltradsportverband, Anm.) aus. Das gilt nur für die olympischen Disziplinen – nur für die gibt es auch einen Weltcup von der UCI. Das wären die Disziplinen „Cross Country”, “Downhill” und “Four Cross”. Die Disziplinen wie Marathon und 24 Stunden kommen eigentlich aus dem Hobbybereich heraus. Obwohl sie natürlich auch schon sehr professionell betrieben werden, kann dort eigentlich jeder mitmachen und muss nicht wie bei den offiziellen Weltmeisterschaften oder wie bei Olympia eine eigene Qualifikation durchlaufen.

Wir sind hier am Bisamberg, also quasi deinem Hausberg, den du auch gerne zum Trainieren aufsuchst. Wie oft und wie ausgiebig trainierst du eigentlich für die Wettkämpfe?
Radsport ist wie Langlaufen oder andere Ausdauersportarten sehr Trainingsintensiv. Also ich spreche da von 20 bis 40 Stunden die Woche. Da beginnt dann das Weltcup-Niveau. Mehr ist immer drin, weniger kaum wenn man vorne mitmischen will.

Wie schätzt du als Profi die Situation der Radfahrer in Wien ein? Würdest du sagen, Wien ist eine radfreundliche Stadt?
Grundsätzlich ist Wien super ausgebaut vom Radwegenetz. Es braucht niemand ein Auto. Wenn man in der Stadt oder in Wien-Umgebung aufwächst, dann braucht man nicht unbedingt ein Auto, man kommt mit dem Bike eigentlich überall hin und ist auch noch um einiges schneller als mit dem Auto.

Du hast auch deine beiden kleinen Söhne mitgebracht – wie man sieht in voller Mountainbike-Montur. Haben sie denn schon Ambitionen dem Papa einmal nachzufolgen?
Sie versuchen es natürlich und es macht ihnen auch Spaß. Am wichtigsten ist für mich die Bewegung in der freien Natur und das Biken gefällt ihnen auch. Aber ich zwinge sie zu nichts. Sie machen auch viele andere Sportarten. Zum Beispiel spielen sie auch Eishockey in einem Verein oder gehen schwimmen als Ausgleich.

Gibt es außer dem Bisamberg in Wien oder in der Nähe von Wien noch andere Mountainbike-Spots wo du gerne unterwegs bist, oder die du empfehlen kannst?
Auf die Schnelle fällt mir da der Zauberberg am Semmering ein. Die haben in letzter Zeit ziemlich viel gemacht, vor allem für die Bergab-Fraktion. Da kann man mit der Gondel hoch und es gibt dort so ziemlich alles: Von der leichten Family-Strecke bis hin zum wirklich schweren Downhill mit Felsen und Wurzeln und allem Drum und Dran. Dann die Gegend um Baden ist auch sehr schön. Jedoch ist da der Mountainbiker noch nicht immer so gerne gesehen und es gibt ab und zu Probleme mit den Förstern (lacht).

Wie schätzt du das Verletzungsrisiko beim Mountainbiken ein. Ist die Verletzungsgefahr bei einem Downhill-Rennen beispielsweise höher als bei einem Bike-Marathon?
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: am gefährlichsten ist sicher das Biken in der Stadt. Das ist teilweise Wahnsinn und echter Hardcore. Bei einem Rennen bist du auf einer abgesperrten Strecke, fährst mit Protektoren und Vollvisierhelm. Bäume und Hindernisse sind ausgepolstert… Da passiert weit weniger als in der Stadt, wo du teilweise einfach über den Haufen gefahren wirst.

So ein professionelles Bike hat ja auch seinen Preis. Wieviel muss man denn für ein Wettkampftaugliches Profibike denn so investieren?
Für den Hobbybereich bist du teilweise schon ab 700 bis 800 Euro dabei. Im Rennsport wird es dann natürlich um einiges teurer – da kann das schon raufgehen bis zu 7.000 oder 8.000 Euro für ein Rad.

Was ist die wichtigste Sicherheitsaustattung beim Radfahren?
Auf alle Fälle der Helm. Ohne Helm würde ich nicht auf die Straße. Der hat schon so einigen Radlern das Leben gerettet. Auch meine Kinder fahren keinen Meter ohne Helm. Und wichtig ist natürlich auch Rücksicht auf die anderen nehmen. Auf Autofahrer auf Fußgänger. Als Radfahrer bist du eben einer der schwächeren Verkehrsteilnehmer.

Was steht für dich jetzt noch so an in der heurigen Saison?
Also nächste Woche ist das 24-Stunden-Finale in Ligurien, das ist das schwerste in der ganzen Saison. Dann dazwischen noch ein paar Marathons. Im Olympiapark in München dann ein weiteres 24-Stunden-Rennen im Juni. Im August ist dann die Weltmeisterschaft in Deutschland.

Danke für das Gespräch und noch viel Erfolg in der diesjährigen Saison.
Das neue Spiel “Mountainbike Challenge” ist bei austria.com als Gratisdownload verfügbar: http://www.austria.com/mtb09

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