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Thomas Cook ist pleite: Was können Reisende tun?

Thomas Cook ist pleite - doch wie geht es für Betroffene weiter?
Thomas Cook ist pleite - doch wie geht es für Betroffene weiter? ©APA/AFP/PHILIPPE HUGUEN
Thomas Cook ist pleitegegangen. Die Zweigniederlassung in Österreich ist jedoch gegen Insolvenz abgesichert. Hier erfahren Sie, was sie als Betroffener nun tun können.
Thomas Cook ist pleite

Die österreichische Zweigniederlassung von Thomas Cook (Thomas Cook Austria AG/ Marke: Neckermann) ist gegen Insolvenz abgesichert. Für heimische Urlauber stehe eine eigene Serviceline der Abwicklungsgesellschaft Allianz Worldwide Partners (AWP P&C S.A.) unter der Rufnummer +43-1-52503-681 zur Verfügung. Die E-Mail-Adresse lautet thomascook.at@allianz.com (Polizzennumer: 02-1034065014-0). Konsumentenschützer Peter Kolba rät Touristen, sich dort zu melden.

Reise gebucht: Was können Reisende tun?

Wer eine Pauschalreise gebucht hat (wie etwa Flug und Hotel gemeinsam gebucht) bzw. bei verbundenen Reiseleistungen hat folgende Ansprüche:

  • wenn die Reise nicht mehr angetreten werden kann, dass der Versicherer den Reisepreis erstattet,
  • wenn man vor Ort erwischt wird, ohne Kosten sicher wieder in die Heimat zurückbefördert zu werden. Man hat aber auch Anspruch darauf, dass man etwaige Zahlungen an örtliche Hoteliers, die einem nicht abreisen lassen ohne nochmals zu bezahlen, vom Versicherer refundiert bekommt.

Als Betroffener ist es wichtig, die Ansprüche binnen acht Wochen ab Eintritt der Insolvenz beim Abwickler zu melden. Außerdem bietet der Verbraucherschutzverein (VSV) kostenlos Informationen für Betroffene und einen Newsletter an.

Auch Hoteliers sind verunsichtert: Konsumenten dennoch geschützt

Für Aufregung sorgen derzeit Fälle, in denen Hoteliers von Gästen Zahlungen verlangen und sie andernfalls nicht abreisen lassen. Die Hoteliers befürchten ihrerseits, um ihr Geld umzufallen. Auch in solchen Fällen sei man geschützt, sagte Kolba zur APA. Er verwies auf ein EuGH-Urteil aus dem Jahr 1998. "Dieses sagt klar, dass alles, was man unter Zwang bezahlen muss, damit man nach Hause kommt, auch von der Versicherung zu bezahlen ist."

Koordinationssitzung von Außen- und Verkehrsministerium

Zu den Folgen der Insolvenz des Reiseunternehmens Thomas Cook auf österreichische Reisende findet heute, Montagvormittag, eine Koordinationssitzung von Außen- und Verkehrsministerium mit Reisebürounternehmen statt. Dabei werde die Betroffenheitslage in Österreich analysiert, hieß es aus dem Außenministerium in Wien zur APA.

Derzeit sei die Lage bzw. die Zahl der österreichischen Betroffenen unklar. Normalerweise werde bei Pauschalreisen auch eine Reiseversicherung abgeschlossen, diese sollte dann im Insolvenzfall für eine Rückholung sorgen.

Bürgerservice: Bisher keine Anrufe von betroffenen Österreichern

Beim Bürgerservice gebe es bisher keine Anrufe von betroffenen Österreichern. Zur Vorsorge wurde trotzdem das Bürgerservice verstärkt. "Sollten Anrufe von Betroffenen kommen, kümmern wir uns um die Anliegen", hieß es aus dem Außenministerium zur APA. Das Bürgerservice kann telefonisch unter 0043 (0) 50 1150 44 11 erreicht werden.

Wien-Schwechat: Schalter von Thomas Cook nicht besetzt

In Österreich ist Thomas Cook der drittgrößte Anbieter von Pauschalreisen nach TUI und Rewe Austria Touristik. Der Veranstalter betreut jährlich rund eine Viertelmillion Reisenden. Ende 2017 beteiligte sich der Konzern mit seiner Airline Condor auch im Verfahren um insolvente Fluglinie Niki, und kooperierte später mit dem erfolgreichen Bieter Laudamotion. Vom Flughafen Wien aus gibt es aber keine Direktverbindungen mit Condor bzw. Thomas Cook. Der Schalter von Thomas Cook am Flughafen Wien sei derzeit nicht besetzt, hieß es am Montag am Flughafen Wien-Schwechat. Reisende werden auf einem Hinweiszettel an den Abwickler verwiesen.

Die österreichische Thomas Cook gehört zu 100 Prozent zur deutschen Gesellschaft (Thomas Cook Touristik GmbH). Diese wiederum gehört den Briten. Im englischen Insolvenzverfahren stelle Österreich einen Vermögenswert dar, sagte Gerhard Weinhofer, Mitglied der Geschäftsleitung von Creditreform, zur APA. Für sich betrachtet stehe die Österreich-Tochter mit ihren 75 Beschäftigten wirtschaftlich gut da.

Im Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende September 2018) verbuchte die österreichische Thomas Cook laut WirtschaftsCompass einen Jahresgewinn von rund 586.000, nach 843.000 Euro davor. Der Bilanzgewinn stieg von rund 4,2 auf 4,7 Mio. Euro. Der Umsatz reduzierte sich von 177 auf 174 Mio. Euro.

Thomas Cook Österreich muss 4.600 Urlauber heimbringen

Nach den Milliardenverlusten und der Zahlungsunfähigkeit des in London börsennotierten Reiseveranstalters Thomas Cook Group plc hängen auch Tausende Urlauber aus Österreich in der Luft. Per heute, Montag, befinden sich 4.600 österreichische Gäste in den Zielgebieten, wie ein Sprecher von Thomas Cook Österreich der APA mitteilte. Für heute und morgen seien je 400 Anreisen geplant.

Verkehrsbüro/Ruefa um Lösungen für Urlauber bestrebt

Der heimische Reiseveranstalter Verkehrsbüro und der zu ihm gehörende Vermittler Ruefa bemühen sich um Lösungen für verunsicherte Urlauber der Reisegruppe Thomas Cook. Kunden, die heute oder morgen abfliegen, sollten sich unbedingt mit ihren Ruefa-Beratern in Verbindung setzen. Pauschale Aussagen, dass Reisende an den beiden Tagen nicht befördert werden könnten, seien nicht zulässig.

Ruefa ersuchte am Montagnachmittag in einer Aussendung die Urlauber, auf jeden Fall zum Flughafen zu fahren und vor Ort zu sehen, ob die Reise angetreten werden könne. Damit sei die sogenannte "Reisebereitschaft" seitens der Kunden sichergestellt. Gleiches gelte für Reisende, die schon am Urlaubsort sind und die Heimreise antreten wollen.

Weiters gelte dies für Abreisen zu einem späteren Zeitpunkt, wird betont. Hier evaluiere das Krisenteam von Ruefa laufend die Situation und melde sich bei den Kunden, sollten Reisen nicht durchgeführt werden können.

Hinweis an Betroffene: Bestätigungen gleich einfordern

Besonders wichtig sei es, Bestätigungen für eventuell vor Ort noch zu zahlende Leistungen (Hotel, Mietwagen etc.) unmittelbar einzufordern und nach der Rückkehr einzureichen, da dies jedenfalls Versicherungsfälle seien.

Mit Vertretern von Thomas Cook Austria bzw. Neckermann Austria suche man derzeit aktiv das Gespräch - denn es gebe verschiedene Veranstalterkonstellationen und Buchungskombinationen, die so rasch wie möglich im Sinne der Kunden zu klären seien. Aufgrund der derzeit unsicheren Situation setze Ruefa auf direkte Kundenkommunikation.

Hat jemand eine Reise beim größten österreichischen Tourismuskonzern Verkehrsbüro als Veranstalter gebucht, können im Package auch einzelne Bausteine aus dem Thomas-Cook-Portfolio mit dabei sein, erläuterte man bei der Verkehrsbüro Group auf Anfrage. An sich greift bei solchen Buchungen die Pauschalreise-Verordnung. Anders bei Buchungen über Ruefa: Der Vermittler verkauft diverseste Reisen aus dem Thomas-Cook- oder Neckermann-Angebot; "diese Kunden sollten sich bei uns melden", hieß es aus dem Verkehrsbüro.

Weltweit 600.000 Urlauber betroffen

Weltweit dürften etwa 600.000 Menschen von der Pleite betroffen sein. Außer Deutschland sind vor allem Reisende aus Großbritannien betroffen. Da der britische Konzern nun kein Geld mehr hat und der Betrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt wurde, sitzen allein aus Großbritannien etwa 150.000 Urlauber fest.

Für sie wirft die Regierung in London die "Aktion Matterhorn" an - die größte Rückholaktion in Friedenszeiten seit dem Zweiten Weltkrieg, wie es die Behörden formulieren. Die Luftfahrtbehörde CAA hat Dutzende Maschinen gechartert, um Urlauber von 55 verschiedenen Reisezielen heimzubringen, aus Kuba, Spanien, Griechenland oder den USA. "Jeder einzelne da draußen wird zu der Zeit zurück nach Hause kommen, zu der sein Urlaub endet", verspricht CAA-Chefin Deirdre Hutton im Sender BBC. Den Anfang machen unter anderem Urlauber auf den griechischen Ferieninseln Kos, Korfu und Zakynthos.

Aus Spanien startete ein erster Sonderflug mit 350 Passagieren an Bord Richtung Glasgow. Mindestens vier weitere Sonderflüge der spanischen Gesellschaft Iberia waren am Montag von Mallorca aus geplant - nach East Midlands, Manchester, Birmingham und Newcastle. Von dort aus soll es mit Bussen in die Heimatstädte gehen.

Historischer Moment in Manschester: Letzte Landung von Thomas Cook

Geradezu historisch wurde es am Montagvormittag in Manchester. Dort landete nach Flughafenangaben der letzte Flug in der 178-jährigen Unternehmensgeschichte von Thomas Cook. Die Maschine war in der US-Stadt Orlando gestartet, kurz bevor der Konzern den Betrieb eingestellt hat. Passagiere berichteten von emotionalen Szenen an Bord.

"Die Besatzung wusste bis zur Landung nicht, was passiert. Einige haben geweint", sagt ein Reisender namens Grant am Montag dem Sender Sky News. Die Crew habe sich aber bis zuletzt äußerst professionell verhalten. Passagier Gary Bell berichtete, dass an Bord für die Besatzung gesammelt worden sei. Immer wieder hätten die Reisenden der Crew applaudiert. Die Piloten und das Kabinenpersonal sehen schwierigen Zeiten entgegen - weltweit sind etwa 21.000 Mitarbeiter von der Pleite betroffen, davon rund 9.000 allein in Großbritannien.

(APA/Red)


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