The Town

Ben Affleck in der Stadt der Bankräuber: Afflecks zweite Regiearbeit zwischen Charakterdrama und Action-Thriller -  mittelmäßige Story, gute Schauspieler.
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Die reiche US-Ostküstenstadt Boston ist auch eine Hochburg des Bankraubes. Im Stadtteil Charlestown wird der illegale Gelderwerb von Generation zu Generation weitergegeben. So erzählt es uns Ben Affleck in seiner zweiten Regiearbeit “TheTown – Stadt ohne Gnade”, einem Ensemble-Film im Thriller-Gewand rund um einen Bankräuber, der sich in eines seiner Opfer verliebt. Ab 24. September in den österreichischen Kinos.

Doug MacRay (Affleck) ist gleich zu Beginn des Films mit seinem treuen aber unberechenbaren Jugendfreund Jim Coughlin (Jeremy Renner) in Aktion. Jim nimmt bei dem Überfall eine Geisel, die Filialleiterin Claire Keesey (Rebecca Hall). Sie wird bald wieder freigelassen. Als sich aber herausstellt, dass sie nur wenige Häuserblocks von den Gangstern entfernt in Charlestown wohnt, wird es gefährlich. Um zu verhindern, dass Jim ihr etwas antut, übernimmt Doug Claires Beschattung und verliebt sich prompt in sie.

Die Story wirkt arg konstruiert. Das von Affleck miterarbeitete Drehbuch – basierend auf Chuck Hogans Roman “Prince of Thieves” (“Endspiel”) – versucht in der Biografie der Hauptfigur den Schlüssel zur Handlung zu finden. Von der Mutter schon als Kind verlassen, der Vater (Kurzauftritt für Chris Cooper) im Gefängnis, knabbert Doug daran, dass er sich leichtsinnig eine Karriere als Eishockey-Spieler vermasselt hat. Kurz: Doug will neu anfangen und Claire erscheint im richtigen Moment auf der Bildfläche. Die Kontraste sprechen eine deutliche Sprache: Hier malerisch-renovierte Altbauten, der schlaue aber zaudernde Doug und die zerbrechliche Claire, da schäbige Pubs, der gefährliche Jim und die hartgesottene Krista (Blake Lively), Jims Schwester und Dougs Teilzeit-Geliebte.

Doch so nahe die beiden Welten im Problemviertel Charlestown beieinander liegen, so schwer ist der Ausbruch aus dem irischen Unterwelt-Milieu mit seinen festen Loyalitäten, verkörpert durch Dougs enge Bindung an Jim. Jeremy Renner (“The Hurt Locker”), der Beste in einem tollen Ensemble, zeichnet ihn als netten Typ, der ansatzlos zu den skrupellosesten Taten fähig ist und Doug zur ewigen Freundschaft verpflichtet. Renner macht Jims ständig lauernde Gewalttätigkeit spürbar, der Showdown mit dem FBI – das nur auf einen Fehler der Gang wartet – scheint unausweichlich.

So wird in “TheTown” auch viel geballert und per Auto gejagt – auf die altmodische Art von 1970er-Gangsterfilmen, ohne nervöse Handy-Telefonate oder extremen Wackelkamera-Einsatz. Ben Affleck setzt in seiner zweiten Regiearbeit nach dem ebenfalls in Boston angesiedelten “Gone Baby Gone” (2007) auf Stil – Ausstattung und Schauplätze sind mit ebenso sicherem Auge ausgewählt wie die Darsteller. Das Ergebnis ist eine ansehnlicher Mix aus der Geschichte einer unmöglichen Liebe und einem Bankraub-Thriller, der trotz ausgedehnter Action-Szenen auch ein reiferes Kinopublikum ansprechen dürfte.

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