The Tourist

Im Touristentempo über den Dächern von Venedig: Henckel von Donnersmarck hat nach "Das Leben der Anderen" seinen zweiten Film inszeniert - Ab 16. Dezember in den heimischen Kinos.
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Diesmal also Paris und Venedig statt DDR-Ostberlin: Vier Jahre nach seinem oscarprämierten Kinodebüt “Das Leben der Anderen” hat der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck zum Sprung nach Hollywood angesetzt und mit seinem zweiten Spielfilm “The Tourist” einen leichten Thriller alten Zuschnitts inszeniert. Ein bisschen Film noir, ein bisschen Hitchcock, ein bisschen europäische Postkartenmotive für die Zuseherschaft. So packt Henckel von Donnersmarck viel Althergebrachtes in viele schöne Bilder. Der Film kommt am Donnerstag (16.12.) in die österreichischen Kinos.

Das Remake des französischen Films “Anthony Zimmer” aus dem Jahr 2005 ist dabei zentral um Hauptdarstellerin Angelina Jolie herum konstruiert. Sie spielt Elise Ward, die Geliebte des untergetauchten Millionendiebs Alexander Pearce. Damit sie sich mit diesem unerkannt treffen kann, soll sie sich in einem Zug nach Venedig einem Fremden nähern, um so die Verfolger – Polizei und Gangster – auf eine falsche Fährte zu locken. Den unbedarften Fremden im Zug, US-Tourist und Mathematiklehrer, spielt Johnny Depp. In Folge entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel in der Lagunenstadt zwischen dem ungleichen Paar und der versammelten Polizei Europas, die versucht, Steuerschulden vom Millionendieb einzutreiben. Überdies ist ihnen der von Pearce betrogene Bösewicht auf den Fersen – eine Paraderolle für Steven Berkoff.

Henckel von Donnersmarck greift dabei tief in den Fundus der Filmgeschichte und gestaltet sein Werk über weite Strecken als Hommage an seine Vorbilder. So stöckelt Jolie auf solch waghalsigen Highheels und derart betont lasziv durch die Cafes von Paris und die Salons von Venedig, dass selbst die größten Femmes fatales des Film noir einen dramatischen Augenaufschlag riskieren würden. Depp wiederum tendiert eher zur charmanten Naivität eines Cary Grant, wie ihn Hitchcock inszenierte. Da wird das italienische “Buon giorno” im Reflex auch mal mit “Bon Jovi” beantwortet.

Für ähnlich unbedarft hält der Film leider bisweilen auch das Publikum. Dass etwa der fragliche Zug um 8.22 Uhr vom Gare de Lyon abfährt, ist auf einem Brief zu lesen, wird von Elisa zeitgleich im inneren Monolog vorgetragen, von den Verfolgern mehrfach wiederholt und von Elisa schließlich abermals am Bahnhof laut gedacht, um auch jene Zuschauer auf dem Laufenden zu halten, die bereits in den ersten zehn Minuten geistig ausgestiegen sind. Dafür wartet der Film im Verlauf immer wieder mit kleineren Wendungen und einem größeren Storytwist auf. Ob der gesamte Plot jedoch der letzten Windung der Erzählung auch bei einem zweiten Schauen standhielte, darf bezweifelt werden.

Allerdings fokussiert der romantische Thrillerkomödienkrimi weniger auf fulminante Actionszenen oder komplexe Plotkonstruktionen a la Christopher Nolan. Vielmehr schwelgt Henckel von Donnersmarck mit seinem Kameramann John Seale in ruhigem Schnitt, fein komponierten und ausgeleuchteten Bildern und gemächlichem Erzähltempo – auch hier seinen Vorbildern wesentlich näher denn der Majorität der zeitgenössischen Thriller. Eben doch eher “Über den Dächern von Nizza” denn “Inception”. Dazu flechtet die filmmusikalische Allzweckwaffe James Newton Howard (“I am Legend”) bei Szenen in Frankreich Ziehharmonika, bei jenen in Italien Mandolinenfolklore ein, und fertig ist der nostalgische Rückblick auf das Kino vergangener Tage, der durchaus charmant und bisweilen auch selbstironisch daherkommt.

www.thetourist.kinowelt.de

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