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The Guard - Ein Ire sieht schwarz

Brendan Gleeson glänzt als "The Guard": Die schwarzhumorige irische Polizeikomödie fiel schon bei der Berlinale angenehm auf. Hier geht's zum KinotrailerAlle Spielzeiten auf einen Blick

“The Guard” erinnert in vielerlei Hinsicht an die Brenner-Filme mit Josef Hader, schrieb die deutsche Wochenzeitung “Die Zeit” über die schwarzhumorige irische Polizeikomödie, die sich bei der Berlinale im Februar als eine der angenehmsten Überraschungen hervortat. Der Vergleich ist ziemlich treffsicher: Der alternde Kleinstadtpolizist Gerry Boyle, wunderbar gespielt von Brendan Gleeson, pflegt ebenso wie Brenner am liebsten unkonventionelle Tugenden, die anderswo als schlechte Eigenschaften verschrien sind, und ärgert sich mehr über Wichtigtuer und Obrigkeiten als über das Verbrechen selbst. Der Film von John Michael McDonagh startet am Freitag (23. September) im Kino.

Boyle ist im hübschen Connemara an der Westküste Irlands beheimatet, ein mürrischer Kerl aus der Provinz, der Drogen nimmt, im Dienst trinkt und sich an seinen freien Tagen mit Prostituierten vergnügt. Doch in dem Dorfpolizisten steckt nicht nur die Lust an der Provokation und am politisch Unkorrekten, sondern auch eine melancholische Seite, die etwa im Altersheim mit seiner sterbenden Mutter zum Vorschein kommt, und definitiv viel weniger Einfältigkeit, als ihm etwa der FBI-Mann Wendell Everett (Don Cheadle) zutraut. Everett hat es an die Atlantikküste verschlagen, weil ein millionenschwerer Drogenschmuggel angekündigt ist – doch der Plot bleibt während des Films eigentlich stets im Hintergrund.

Im Vordergrund stehen die pointierten Dialoge, die erdigen Charaktere, das herrliche Aufeinanderprallen des unflätigen und unterschätzten Kleinstadtcops mit dem glatten und professionellen FBI-Mann. Dabei wird bis zum Schluss nicht klar, ob die beiden sich lieber erschießen würden oder tatsächlich noch zu Freunden werden. Debüt-Regisseur McDonagh hat das schwarzhumorige Ensemblestück mit viel Liebe zum Detail inszeniert, zahlreiche Wendungen eingebaut, immer wieder Überraschungen für den Zuschauer parat. Die Genre-Gesetze kennt der britische Filmemacher ganz genau, und er zögert auch nicht, diese mit Wonne und Bravour sanft auszuhebeln. Vielfach kommt es anders, als man sich das denkt.

Und auch wenn die Ästhetik an Gangster-Filme der 60er und 70er Jahre erinnert, auch wenn der Culture-Clash schon im Drehbuch schön angelegt ist, am eindrucksvollsten ist dennoch die Vorstellung von Gleeson, der scheinbar seine Paraderolle gefunden hat. Wenn er als Boyle einem IRA-Mann Waffen verkauft, bei der Polizeiversammlung rassistische Einfältigkeit vortäuscht, seinen Job einfach nicht ernster nimmt als nötig, aber im Großen und Ganzen dennoch einen kühlen Durchblick bewahrt, wirkt er tatsächlich wie der irische Bruder vom Brenner: ein Unikat, dem man gerne bei der Arbeit zusieht, aber – wie “Die Zeit” sehr richtig anmerkt – sicher nicht jedermanns Sache. (APA)

www.sonyclassics.com/theguard

 

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