The Brussels Business

Die Einführung des gemeinsamen Binnenmarkts der EU und des Euros wurden ganz vehement von der europäischen Wirtschaft befördert. Auf diesen nicht gerade weltbewegenden Nenner sind die Enthüllungen der Verschwörungsdokumentation "The Brussels Business" zu bringen, die am Freitag (16. März) in den heimischen Kinos anläuft. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Als Co-Regisseur fungiert hier der gebürtige Gmundner Friedrich Moser, der nach erfolgreichen TV-Dokus nun seine erste Kinoproduktion vorlegt.

“The Brussels Business” setzt dabei auf effektheischendes Verschwörungsgeraune, das manchem Kämpfer gegen Illuminaten, Freimaurer und Co das Herz höherschlagen lassen muss. Die Rede ist meist von “dunklen Mächten”, welche die Politik beherrschen und die sich am Ende als der mit Wirtschaftskapitänen besetzte European Round Table of Industrialists (ERT) entpuppen. Dass diese Interessensvertretung die Entscheidungen und Gesetzesentwürfe der Kommission entscheidend mitbeeinflusst, kann aber wohl nur denjenigen überraschen, der von der Politik ein schon rührend naives Ausgangsbild hatte.

Präsentiert wird die Jagd nach dem Bösen mit assoziativen Zwischenschnitten, die unter anderem Detailaufnahmen von Dokumenten zeigen. Untermalt werden diese vom durchgängig pulsierenden Soundtrack, der auch ein Telefonbuch als sinistre Verschwörungsunterlage charakterisieren könnte. Alternativ werden die in Luftaufnahmen gezeigten EU-Gebäude als undurchdringliche Festungen gleich dem Todesstern aus “Star Wars” gezeigt.

Diese überzogene Dramatisierung schadet dem Anliegen des Films leider mehr als es ihm nützt. Schließlich ist Moser durchaus vom Fach und lehrte etwa 2007 und 2008 am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien. Auch ist es ihm und seinem Co-Regisseur Matthieu Lietaert gelungen, interessante Gesprächspartner vor die Kamera zu holen. Da steht der Hauptinformant und NGO-Aktivist Olivier Hoedeman dem Dienstleistungslobbyisten Pascal Kerneis als Antipode gegenüber.

Letztlich ist die Expedition in die Welt der 15.000 Lobbyisten in Brüssel, der Think Tanks und in die Netzwerke der verschiedenen Machtstrukturen zwar allzu platt geraten. In all seiner hechelnden Aufgeregtheit ist “The Brussels Business” jedoch ein Teil jener europäischen Öffentlichkeitsdebatte, deren Ausbleiben man selbst beklagt. Und das ist ja immerhin auch etwas.

(APA)
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