The Birth of a Nation - Aufstand zur Freiheit - Trailer und Kritik zum Film

Nate Parkers "The Birth of a Nation", die wahre Geschichte eines versklavten Laienpredigers in Virginia, der 1831 eine zweitägige Revolte anzettelte, beginnt leise und endet in einer biblischen Feuersbrunst. Es ist ein unverblümter, unvollkommener Rachefilm über ein blutiges Stück US-Geschichte mit Bildern, die so stark sind, dass sie sich für immer ins Gedächtnis einbrennen.

Nate Parker selbst spielt Nat Turner, der auf der Plantage von Samuel Turner (Armie Hammer) lebt. Als Kinder waren die beiden Freunde. Nun ist Nat Samuels “Eigentum” und weil der schon als Kind gelernt hat, die Bibel zu lesen, vermietet ihn Samuel gegen Bargeld an andere Plantagenbesitzer, um den Sklaven zu versichern, dass Knechtschaft im nächsten Leben belohnt wird.

The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit – Die Handlung

Aber die Grausamkeiten, die Nat dort sieht, schüren nur ein Feuer für die Freiheit in seinem Bauch und seine Predigten nehmen einen rachsüchtigen Ton an. “Für jeden Vers, den sie benutzen, um unsere Knechtschaft zu unterstützen”, sagt er zu seinen Mitsklaven, “gibt es einen anderen, der unsere Freiheit fordert.” Die Lage spitzt sich zu, als seine eigene Frau Cherry (Aja Naomi King) von einem Sklavenjäger (Jackie Earle Haley) vergewaltigt wird. Wenn Nats biblischer Schlachtruf kommt, überlässt Parker, der auch Regie führte, nichts der Fantasie. Es ist ein Blutrausch, der unheimlich stark an Mel Gibsons Kriegsepos “Braveheart” (1995) erinnert, den Parker als Inspiration zitiert hat.

Der Titel selbst ist wunderbar rebellisch. Der Streifen ist benannt nach dem gleichnamigen Stummfilm aus dem Jahr 1915 von D.W. Griffith, ein technisch bedeutsamer, aber rassistischer Film, der Afroamerikaner als Submenschen darstellte. Parkers “The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit” argumentiert nun aber, dass Amerika ein Land ist, das auf dem Blut Schwarzer aufgebaut wurde. Der schwarze Mann, der im Stummfilm aus dem Wald auftauchte – ein weißer Schauspieler, der als “Blackface” eine Gefahr für weiße Frauen spielte – ist jetzt sozusagen ein echter amerikanischer Held und Heiliger. Wenn sich Nat gegen seine Unterdrücker erhebt, dann ist das hart erkämpfte Vergeltung, aber sehr wahrscheinlich war der echte Turner eine kompliziertere Person als dieser Mann von bodenloser Tugend im Film. Unter den Opfern seiner Revolte waren auch Frauen und Kinder, was Parker nicht zeigt.

The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit – Die Kritik

Der 37-Jährige weiß, wie man eine Menge aufhetzt. Er bringt uns unmissverständlich hinter Nat. Jeder weiße Mann ist hier ein Vergewaltiger, Sadist oder Idiot. In einer Szene sehen wir, wie die Zähne eines Sklaven aus seinem Mund gehämmert werden. In einer anderen baumeln Afroamerikaner von Weidenbäumen. Das sind Bilder, die verweilen. In wieder einer anderen wird Nat brutal ausgepeitscht und bäumt sich langsam auf, während ein dramatisches Symphonieorchester im Hintergrund anschwellt. An manchen Stellen ist “The Birth of a Nation” unsentimental und poetisch; an anderen wiederum trägt der Film zu dick auf mit Jesus-Metaphern, Klischees und bedeutungsschwangerer Symbolik. Es hilft auch nicht, dass Parker – der Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Hauptdarsteller – nicht weiß, wie man die Leinwand mit anderen, großartigen Schauspielern teilt, die oft nicht mehr als Requisiten sind.

Es bleibt ein wirkungsvolles Regiedebüt, das im Angesicht der Kontroverse um Nate Parker problematisch bleibt: Er und sein Co-Autor Jean Celestin wurden als College-Studenten beschuldigt, eine junge Frau vergewaltigt zu haben. Die Klägerin kann keine Stellung mehr beziehen, denn sie hat im Jahr 2012 Selbstmord begangen. Es ist schwierig, einen Film zu unterstützen, der zu moralischer Verantwortung aufruft, aber von einem Filmemacher stammt, der im echten Leben mit seiner moralischen Integrität kämpft. Einige haben sich dazu entschieden, den Film deshalb abzuqualifizieren – bei der diesjährigen Oscar-Verleihung spielte der Streifen nicht zuletzt deshalb keine Rolle. Diejenigen, die sich dennoch dafür interessieren, werden einem leidenschaftlichen Hollywoodfilm begegnen über ein düsteres Kapitel in der US-Geschichte, von dem es sich lohnt, dass man sich damit auseinandersetzt.

>> Alle Filmstartzeiten zu “The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit”

(APA)

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