Thailand-Kambodscha: Putschgerüchte und Tote

Der thailändische Armeechef hat am Freitag Gerüchte über einen bevorstehenden Militärputsch zurückgewiesen.

Tote nach Kämpfen an der Grenze Thailand-Kambodscha

Spekulationen hatten sich über Nacht wie ein Lauffeuer verbreitet, nachdem das Militär am Donnerstag zuerst eine ungewöhnliche Militärübung unweit von Bangkok abhielt und am Abend plötzlich die Fernsehsignale ausfielen. Wenig später fanden an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha neue Kämpfe statt. Bei denen sind nach Angaben beider Armeen drei kambodschanische und zwei thailändische Soldaten getötet worden.

Nach mehr als zwei Monaten relativer Ruhe hatten sich thailändische und kambodschanische Soldaten am Freitag erneut heftige Grenzgefechte geliefert. Elf thailändische Soldaten wurden nach Angaben der Armee in Bangkok dabei verletzt. Beide Seiten beschuldigten einander gegenseitig, mit den Schüssen begonnen zu haben. Kambodscha sprach von einer “unprovozierten Attacke” der thailändischen Seite. Ein Großteil der 798 Kilometer langen Grenze zwischen den beiden Ländern ist umstritten.

Gefechte in der Nähe der Tempelanlage Ta Krabei

Nach Angaben der kambodschanischen Regierung drangen thailändische Soldaten in der Früh in der Nähe des Tempels Ta Krabei – Ta Kwai auf thailändisch – über die Grenze in das Nachbarland ein. Thailands Armeesprecher sagte, nach einigen Gewehrsalven auf beiden Seiten habe Kambodscha plötzlich schwere Artillerie aufgefahren. Thailand bezichtigte dagegen die kambodschanische Seite der Aggression. “Nach unserer Grenzvereinbarung sollen sich beide Seiten aus umstrittenen Gebieten fernhalten”, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Bangkok. “Aber die kambodschanischen Soldaten betraten die Tempelanlage, und eine thailändische Patrouille hat das Feuer auf sie eröffnet.”

Die umstrittene Anlage liegt rund 360 Kilometer nordöstlich von Bangkok. Der Schauplatz der Gefechte befindet sich in der Provinz Oddar Meanchey, ca. 150 Kilometer südwestlich des 900 Jahre alten Tempels Preah Vihear, um den die Nachbarstaaten seit Jahren streiten. Der Internationale Gerichtshof hatte ihn 1962 Kambodscha zugesprochen. Die genaue Markierung des Areals steht aber noch aus. Seit die UNESCO das Gelände 2008 als Weltkulturerbe Kambodschas gelistet hat, steigen die Spannungen. Erst im Februar kam es dort zu Schießereien, bei denen zehn Menschen ums Leben kamen. Thailands Regierungschef Abhisit Vejjajiva sagte: “Überall, wo Truppen (zweier Länder) so nah beieinander stationiert sind, ist die Gefahr von Zusammenstößen groß.”

Thailands Militär: “Keine Putschabsichten”

Das thailändische Militär beteuerte unterdessen, nicht in die Innenpolitik eingreifen zu wollen. “Wir haben keine Putschabsichten”, sagte Armeechef Prayuth Chan-ocha am Freitag bei seiner Rückkehr von einem Besuch im benachbarten Laos. Das Militär hat seit den 1930er Jahren 18 mal geputscht, zuletzt 2006. Meist besetzt die Armee als erstes nationale Fernseh- und Radiosender – deshalb die Unruhe, als das Signal am Donnerstagabend ausfiel. Grund sei ein technischer Fehler gewesen, teilte der Satellitenbetreiber später mit.

Thailand steht unmittelbar vor Wahlen. Das Parlament soll in den nächsten zwei Wochen aufgelöst werden, sagte ein Regierungssprecher. Die Wahlen sollen planmäßig spätestens Anfang Juli stattfinden. Der Wahlausgang ist völlig offen. Vor einem Jahr beendete die Regierung einen wochenlangen Protest der oppositionellen Rothemden unter Einsatz von Panzern. Der Armeechef ist ein erklärter Gegner der Rothemden.

Tiefer politischer Graben durch Thailand

Durch Thailand zieht sich seit Jahren ein tiefer politischer Graben. Zunächst standen sich das alte Establishment der städtischen Eliten, die sogenannten Gelbhemden, und die armen Bauern aus dem Nordostens, die Rothemden gegenüber, doch sind die Fronten längst zerfasert. Premierminister Abhisit, ursprünglich von den Gelbhemden im Amt begrüßt, hat Rückhalt verloren.

Das Militär wolle einen Sieg der Rothemden an der Wahlurne verhindern, heißt eine der Theorien hinter den Putschgerüchten. Es hatte zuletzt 2006 die Macht übernommen. Damals stürzte es die Regierung der Galionsfigur der Rothemden, den damaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. (APA)

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