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Tender Son - Das Frankenstein-Projekt

Grusel und Verwirrung bei österreichischer Koproduktion: Der ungarische Regisseur Kornel Mundruczo ließ sich für "Tender Son" vom Frankenstein-Mythos inspirieren.

“Monster sind nie wirklich welche. Sie sind nur unsere Spiegelbilder, wir selbst erschaffen sie, wir entscheiden für sie – und dann nennen wir sie Monster”, sagte der ungarische Regisseur Kornel Mundruczo bei den Filmfestspielen 2010 in Cannes. Mary Shelleys Novelle “Frankenstein” hat ihn zu “Tender Son – The Frankenstein Project” inspiriert. In der ungarisch-deutsch-österreichischen Koproduktion, die 2009 als Bühnenversion bei den Wiener Festwochen zu erleben war, stecken knapp 100.000 Euro aus heimischen Fördertöpfen.

In Mary Shelleys 1818 erstmals gedrucktem Roman schuf Viktor Frankenstein ein namenloses Monster. In “Tender Son – The Frankenstein Projekt” mutiert dieser Urvater aller verwunschenen Biochemiker zum zynisch-zeitgeistigen Menschenerschaffer von heute, zu einem Mann namens Viktor Frank, Filmregisseur in Budapest. Bei einem Casting mitten im Winter in einem unwirtlichen Haus landet ein auffallend stiller 17-Jähriger mit finsterem Blick zufällig vor der Kamera. Zehn Minuten später wird seine Filmpartnerin, die Stieftochter der Hausbesitzerin, tot aufgefunden, der Jugendliche ist verschwunden. Eine düstere Familiensuche beginnt, denn was der Regisseur nicht weiß: der junge Mann ist sein Sohn, seine eigene monströse Schöpfung.

Der Film ist ganz in grau gehalten, die Atmosphäre zumeist geheimnisvoll. Kornel Mundruczo zieht im Verlauf der schauderhaften Handlung geschickt die Fäden und lässt diese in dem heruntergekommenen Haus zusammenlaufen. Denkt man am Beginn des Films noch an einen unglücklichen Unfall beim Casting, wundert man sich bald, dass der Jugendliche so aggressiv reagiert. Die falschen Fährten und das puristische Umfeld – wie schon in der Bühnenversion – verfehlen nicht ihre Wirkung, es gruselt einen, doch nach und nach lichtet sich der Nebel.

In Wien hatte der junge ungarische Theater- und Filmregisseur die Theaterzuschauer in einen im Resselpark am Karlsplatz aufgestellten Container gesetzt und damit durchaus für einigen Gesprächsstoff gesorgt. In Folge erhielt auch die Filmversion, die von der Wiener Firma KGP koproduziert wurde, Förderungen aus Österreich. In Cannes hat Mundruczo sein Publikum mit der kargen Ausstattung und der reduzierten düsteren Art in Verwirrung gestürzt – ein ungewöhnlicher Beitrag zum Wettbewerb der diesjährigen Filmfestspiele. (APA / VOL Redaktion)

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