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Taximord vor der Wiener Hofburg

www.foto-julius.at
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Ein 58-jähriger Taxler wartete vor der Hofburg, als sich ein Mann mit einem Rucksack an seinem Fahrzeug vorbeizwängte. Weil er anstreifte, ließ der Taxilenker eine knappe Bemerkung fallen. Das kostete ihn das Leben.

Der Unbekannte, ein 38-jähriger Unterstandsloser, zog ein Messer und versetzte dem gebürtigen Ägypter einen Stich ins Herz. Der Täter wurde heute im Wiener Straflandesgericht zur Verantwortung gezogen.

Die Anklage lautete nicht auf versuchten Mord, „da der Mann an irgendwelchen psychischen Krankheiten leidet, die ich wahrscheinlich gar nicht richtig aussprechen kann“, wie Staatsanwalt Christian Temsch den Geschworenen erklärte. Der Ankläger beantragte daher, den laut psychiatrischem Gutachten zum Tatzeitpunkt Zurechnungsunfähigen in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher einzuweisen: „Er ist eine Gefahr für jeden von uns und muss deswegen von der Gesellschaft fern gehalten werden!“

Mit angezogenen Knien, die Hände in Musterschüler-Manier brav auf den Oberschenkeln abgelegt, lauschte der 38-Jährige den Ausführungen des Anklagevertreters. Bevor er dazu irgendetwas sagte, bat er um ein Glas Wasser. Danach schilderte er, der Taxler habe ihn „gereizt“. Er sei beschimpft worden: „Irgendwann hat’s mir gereicht. Irgendwo dürft’ er einen Punkt erwischt haben. Dann ist ein Herzstich passiert. Da hab ich ein besonderes Pech gehabt, dass ich ihn mit einem Stich ins Herz triff.“

Er bedaure „den Reflex“, sagte der Mann, ein ehemaliger Gymnasiast, der in Folge langjährigen Drogenmissbrauchs „abgestürzt“ war. Als er nach seinem Job auch noch seiner Wohnung verlustig ging, verlor er jeglichen Halt. Regelrechte Alkoholexzesse begünstigten die weitere Ausprägung seiner psychiatrischen Erkrankungen. Die Psychiaterin Sigrun Rossmanith erwähnte unter anderem eine paranoide Schizophrenie und eine dissoziale Persönlichkeitsstörung.

Nach seiner Festnahme musste der Betroffene von der Justizanstalt Josefstadt sicherheitshalber in eine Sonderstrafanstalt verlegt werden, da er ständig Tötungsfantasien verbalisierte. Er soll außerdem am so genannten Capgras-Syndrom leiden: Er glaubt über weite Strecken, er sei durch einen Doppelgänger „ausgetauscht“ worden.

Die Bluttat vor der Hofburg war nicht das erste Verbrechen, das der 38-Jährige ausgeführt hatte. Am 21. September 2005 stach er in einem Park in Wien-Favoriten grundlos einen Mann nieder, nachdem er diesen um eine Zigarette gebeten hatte. Am 29. September öffnete er ohne äußeren Anlass die Fahrerertür eines Taxis und stach auf den Lenker ein. Die beiden Männer wurden lebensgefährlich verletzt, konnten im Unterschied zum letzten Opfer jedoch gerettet werden.

Der Täter war nach den Stichen stets ungerührt davon spaziert. Man wurde seiner nur deswegen habhaft, weil am 5. Oktober ein zufällig in der Nähe befindlicher Polizist auf die Schreie des tödlich verletzten Taxlers aufmerksam wurde und sich an die Fersen des Mannes heftete.

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