Tangerine

Regisseurin Irene von Alberti zeigt in ihrem ersten längeren Spielfilm, welche Herausforderungen und Chancen eine vielschichtige Dreiecksbeziehung mit sich bringen kann. Pia und Tom, ein hippes, junges Paar aus Berlin, lernen in Marokko die Prostituierte Amira kennen. Es entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden Frauen, aber Amira hat auch Augen für den Musiker Tom. Ab 11. Dezember ist der Film in den österreichischen Kinos zu sehen.
“Er schlägt dich. So ist das eben”, sagt ihr eine Freundin. Aber Amira (Sabrina Ouazani) will nicht hinnehmen, dass ihr Onkel sie wie ein Dienstmädchen behandelt, sie an einen fremden Mann verheiraten, ihr das Tanzen verbieten will. Ab  Als Amira das deutsche Pärchen Pia (Nora von Waldstätten) und Tom (Alexander Scheer – “Sonnenallee”) trifft, scheint ein Ausweg zum Greifen nahe. Doch die Besucher wandeln auf den Spuren arabischer Musik und haben für die Alltagsnöte der schönen Marokkanerin keinen Sinn.

So muss es in der deutsch-marokkanischen Produktion “Tangerine” (ab 7. Dezember im Kino) unweigerlich zum Eklat kommen, zu enttäuschten Hoffnungen und Missverständnissen. Während Großmaul Tom eine Urlaubsromanze und die leichtgläubige Pia eine Freundin sucht, geht es für Amira um ein Visum und die Flucht in ein besseres Leben.

In den staubigen Straßen der Hafenstadt Tanger, in dämmrigen Clubs und schäbigen Wohnvierteln inszeniert Regisseurin Irene von Alberti die bekannte Geschichte von “Tourist trifft Einheimische” – mit den dazugehörigen Klischees. Für ein Ticket nach Deutschland lügt sich Amira ihre Welt zurecht und verführt Tom mit einem Spitzenschleier und einem Korb voller Früchten. Die Urlauber durchschauen erstmal nichts davon und vergnügen sich in einer Disco nach der nächsten.

Amira lebt in einer Wohngemeinschaft von Frauen, die sich als Prostituierte ihr Geld verdienen – geächtet von einer Gesellschaft, in der Frauen nicht auf eigenen Füßen zu stehen haben. “Tangerine” beleuchtet dieses Milieu fast wie ein Dokumentarfilm. Die marokkanischen Nebenrollen sind mit Laien besetzt; die Lebensgeschichten vieler Frauen aus Tanger flossen ins Drehbuch ein.

Schwung erhält der Film dank der kraftvollen Ausstrahlung von Sabrina Ouazani. Dennoch wirkt er stellenweise träge und die Szenenfolge allzu vorhersehbar. Am Ende bleibt vor allem das bittere Gefühl zurück, dass Freundschaft käuflich und die Kluft zwischen den Kulturen unüberbrückbar ist.

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