Tag 14 im Ukraine Krieg: Erneut Zwischenfälle bei Evakuierungen - Angriff auf Krankenhaus

Tag 14 im Ukraine-Krieg: Angriff auf ein Krankenhaus in Mariupol.
Tag 14 im Ukraine-Krieg: Angriff auf ein Krankenhaus in Mariupol. ©AP Photo/Evgeniy Maloletka
Bei der Evakuierung von Zivilisten aus belagerten Städten in der Ukraine hat es am Mittwoch erneut Zwischenfälle gegeben. Am 14. Tag des Ukraine-Krieges wurde außerdem auch ein Angriff auf eine Geburtstsklinik in Mariupol gemeldet.

Auch die angekündigten Evakuierungen mit Waffenrufe funktionierten am Mittwoch ein weiteres Mal nicht. Im Dorf Demydiw rund 25 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kiew feuerten russische Truppen nach Darstellung der Sicherheitskräfte auf ukrainische Polizisten. Ein Polizist sei getötet und ein weiterer verletzt worden. Auch ein Zivilist soll schwer verletzt worden sein. In Mariupol funktioniert der humanitäre Korridor offenbar ebenfalls nicht.

Evakuierung aus Mariupol am Mittwoch erneut gescheitert

Ukraines Außenminister Dmytro Kuleba schrieb bei Twitter: "Russland hält weiterhin mehr als 400.000 Menschen in Mariupol als Geiseln, blockiert humanitäre Hilfe und Evakuierung." Der wahllose Beschuss gehe weiter.

"Die Menschen verlassen Mariupol so schnell wie möglich aus eigener Kraft", sagte der Sprecher der prorussischen Separatisten im Gebiet Donezk. Nach seinen Angaben konnten 42 Menschen die Stadt am Asowschen Meer verlassen. Aus Demydiw sollen 100 Zivilisten in Sicherheit gebracht worden sein, darunter 30 Kinder. Die Angaben ließen sich nicht überprüfen.

Angriff auf Geburtsklinik in Mariupol

Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland einen Angriff auf eine Geburtsklinik in der umkämpften Hafenstadt Mariupol vor. Er veröffentlichte am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter ein Video, das völlig verwüstete Räume der Klinik zeigen soll. Von russischer Seite lag zunächst keine Stellungnahme vor. Moskau betont stets, keine zivilen Ziele zu attackieren.

Nach Angaben der lokalen Behörden wurden mehrere Bomben abgeworfen. Das ließ sich nicht überprüfen. "Die Zerstörung ist enorm", teilte der Stadtrat mit. Angaben zu möglichen Opfern wurden zunächst nicht gemacht. In der Klinik seien kürzlich noch Kinder behandelt worden. Selenskyj forderte als Konsequenz aus dem Angriff einmal mehr eine Flugverbotszone über der Ukraine. Die NATO hat das aber abgelehnt.

Bei dem Angriff seien 17 Schwangere und Mitarbeiter verletzt worden, sagte der Chef der Militärverwaltung des Gebiets Donezk, Pawlo Kyrylenko. Die Druckwelle zerstörte Scheiben, Möbel und Türen, wie im Video zu sehen ist. Das Gelände rund um das Gebäude am Asowschen Meer im Südosten des Landes war mit Trümmern übersät. Nach Kyrylenkos Angaben wurden allein in Mariupol seit Beginn der Kämpfe 1207 Zivilisten getötet.

Von ukrainischer Seite hieß es zudem, allein in Mariupol seien bereits 1.170 Zivilisten getötet worden. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (OHCHR) hat in der Ukraine seit dem Einmarsch Russlands am 24. Februar und bis Mittwoch, 00.00 Uhr, den Tod von 516 Zivilisten dokumentiert. Darunter waren 37 Minderjährige, wie das Büro in Genf berichtete. Dem Büro lagen zudem verifizierte Informationen über 908 Verletzte vor, darunter 50 Minderjährige.

Laut Interfax: 180.000 Menschen aus der Ukraine nach Russland geflohen

Der russischen Nachrichtenagentur Interfax kamen 180.000 Menschen aus der Ukraine nach Russland. Interfax berief sich auf Angaben des russischen Verteidigungsministeriums. Demzufolge haben die vereinbarten Fluchtkorridore aus Schuld Kiews nicht die erhoffte Wirkung gezeigt.

Fluchtkorridor in Sumy funktionierte offenbar

Sumy etwa können die Menschen nach Angaben des Chefs der Gebietsverwaltung, Dmytro Schywyzkyj, mit eigenen Autos oder mit 22 Bussen verlassen. Dabei werde mit dem Roten Kreuz zusammengearbeitet. 6.700 Menschen sollen aus Sumy bereits gerettet worden sein. Es war bisher der einzige von fünf vereinbarten Fluchtkorridoren, der auch wirklich zu funktionieren schien.

Der Waffenstillstand soll demnach bis 20.00 Uhr MEZ gelten. Das Militär habe zugestimmt, dass in dieser Zeit nicht geschossen werde, sagte Wereschtschuk. Die Fluchtrouten seien mit Russland koordiniert und der entsprechende Brief ans Internationale Rote Kreuz geschickt worden.

Russische Angriffe auf mehrere ukrainische Städte

Die militärischen Fronten in der Ukraine scheinen derzeit weitgehend statisch. Nach ukrainischen Angaben gab es wieder Angriffe auf mehrere Städte und dabei Tote und viele Verletzte. Ukrainische Kräfte hätten die Angreifer zurückgeschlagen, hieß es im ukrainischen Lagebericht am Mittwoch. Laut US-Berichten wurden unter anderem aus Malyn, Mykolajiw und Isjum Kämpfe gemeldet. Die Angaben der Kriegsparteien sind nicht unabhängig zu überprüfen.

Das britische Verteidigungsministerium erklärte auf Twitter, nordwestlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew werde weiter gekämpft, doch hätten die russischen Truppen dort keinen entscheidenden Durchbruch erreicht. Die ukrainische Luftabwehr habe offenbar Erfolge. Die Städte Charkiw, Tschernihiw, Sumy und Mariupol seien weiter eingeschlossen.

Neue russische Militärkolonne rückt Richtung Kiew vor

Das US-Verteidigungsministerium berichtete zudem von einer neuen russischen Militärkolonne, die von Nordosten her auf Kiew vorrückte. Die Hauptkolonne aus dem Norden war vor mehreren Tagen zum Stillstand gekommen.

400 Demonstranten in Cherson festgenommen

Mitglieder der russischen Nationalgarde haben nach Angaben des ukrainischen Militärs unterdessen mehr als 400 Demonstranten in der ukrainischen Region Cherson festgenommen. Die Menschen hätten gegen die Besetzung ihrer Heimatorte protestiert. "Aufgrund des wütenden Widerstands der Bewohner von Cherson versuchen die Besatzer, eine von der Polizei geführte Verwaltung einzurichten", heißt es in einer Erklärung des ukrainischen Militäroberkommandos.

(APA/Red)

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