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Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden

Das "Tabu" einer verbotenen Liebe vor dem Hintergrund des Wiener Fin de sciecles: Das theatrale Kinowerk von Regisseur Christoph Stark widmet sich der Geschwisterliebe zwischen dem expressionistischen Dichter Georg Trakl und seiner Schwester Grete, die über harmlose Doktorspiele zwischen Brüderlein und Schwesterlein deutlich hinausgeht. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Inszeniert ist das inzestuöse Treiben dabei jedoch als allgemeine Allegorie auf eine Liebe, die an den äußeren Umständen scheitert, nicht gelebt werden darf angesichts gesellschaftlicher Barrieren. Ab Freitag im Kino.

Der expressionistische Dichter Georg Trakl (Lars Eidinger), der sich 1914 das Leben nehmen wird, ist kein allzu freudvoller Charakter. “Tabu – Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden…” setzt in jenem biografischen Moment ein, als seine Schwester Grete (Peri Baumeister) dem Bruder nach Wien folgt, wo dieser Pharmazie studiert, während sie an der Musikakademie aufgenommen wird. Die beide verbindet schon seit langem eine leidenschaftliche Begierde und Liebe, die nun wieder aufblüht, angesichts des Inzesttabus der Gesellschaft aber nur im Geheimen gelebt werden darf. Trakl verzweifelt daran und ertränkt sein Leid in Alkohol, nimmt Drogen und drängt Grete schließlich in eine arrangierte Ehe. Über all diese Unbilden hinweg bleibt die pathologische Anziehung der Trakl-Geschwister jedoch bestehen und kulminiert schließlich in Gretes Schwangerschaft.

Tabu: Verbotene Geschwisterleidenschaft im Hause Trakl

Das 2010 in Wien und Luxemburg gedrehte “Tabu” geriert sich dabei nicht als historische Rekonstruktion, sondern interpretatorische Fantasie über die bekannten Neigungen Trakls, von denen allerdings unklar ist, ob sie in realita je ausgelebt wurden. Entsprechend ausführlich zitiert der Film Trakls Werke wie “Blutschuld” (“Es dräut die Nacht am Lager unsrer Küsse. Es flüstert wo: Wer nimmt von euch die Schuld? Noch bebend von verruchter Wollust Süße. Wir beten: Verzeih uns, Maria, in deiner Huld.”).

Letztlich strebt Regisseur Stark jedoch ein sündiges, erotisch dampfendes Porträt des ausgehenden Kaiserreichs an, das im Wesentlichen als Kammerstück inszeniert ist. Auch wenn Kokoschka oder Alma Mahler durchs Bild laufen, liegt der Fokus klar auf den beiden Hauptfiguren Georg und Grete. Eidinger und Baumeister werden dabei in ein theatrales Spiel in langen Einstellungen gezwängt, bei dem die wenigen Worte als gespreizte Kunstdialoge fallen.

Ihre fatale Begierde zwischen Exzess und Agonie wird dabei in viele schöne Bilder gekleidet, wenn etwa viele Regenszenen die wunderbare Gelegenheit zu leidenschaftlichen Küssen in nassen, eng anliegender Kleidung bieten. Zugleich ist die zerrüttete Figur des drogenabhängigen, zynischen Dichters von Eidinger derart unsympathisch angelegt, dass man als Zuschauer nur schwerlich mit dem Hauptcharakter mitfühlt und auf die Erfüllung seiner sündigen Begierde hofft. Ihm gegenüber überzeugt allerdings Leinwanddebütantin Baumeister als willensstarke, freiheitsliebende Musikerin. Diese überlebte ihren Bruder im wahren Leben allerdings nur kurz. Grete Trakl erschoss sich 1917 während einer heiteren Gesellschaft.

(APA)

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