Syrien: Austro-slowenisches Entminungsprojekt vor dem Aus

Landminen sind in Syrien eine tödliche Gefahr.
Landminen sind in Syrien eine tödliche Gefahr. ©APA/AFP/OMAR HAJ KADOUR
Wegen fehlender Finanzierung hängt ein Minenräumprojekt in Syrien in der Luft. Das Projekt, das von Österreich und Slowenien gestartet wurde, hat bisher 3,6 Millionen Quadratmeter landwirtschaftlicher Flächen von Landminen geräumt.

Tausende Bauern im Nordosten Syriens haben durch ein maßgeblich von Österreich finanziertes Minenräumprojekt eine neue Lebensperspektive nach den Kriegsjahren erhalten. Mehr als 3,6 Millionen Quadratmeter überwiegend landwirtschaftlicher Flächen wurden in Zusammenarbeit mit der slowenischen Organisation ITF geräumt. Nun sollen die Landwirte die Mittel erhalten, um ihre Felder wieder bestellen zu können. Doch wegen fehlender Finanzmittel hängt das Projekt in der Luft.

Entminungsprojekt: Aufklärung vor Ort

Aufklärung ist ein weiterer wichtiger Punkt des im Jahr 2019 unter der türkis-blauen Bundesregierung mit Slowenien vereinbarten Projekts, das eine Rückkehr von Flüchtlingen begünstigen soll. So wurden in der früheren IS-Hochburg Raqqa von Jänner bis September 2020 in verschiedenen Workshops 6.934 Menschen über Gefahren und den Umgang mit Minen aufgeklärt. "Aufklärung rettet Leben. Menschen, die sich der Gefahren besser bewusst sind, entwickeln ein selbstschützendes Verhalten, womit Unfälle abgewendet werden können", heißt es von der auf Entminungsaktivitäten spezialisierten slowenischen NGO "ITF Enhancing Human Security" gegenüber der APA.

In der urbanen Umgebung setzte man primär auf Aufklärung, weil damit Unfälle effizient und rasch verhindert werden können, erläutert die Organisation. In Wohngebieten sei die Räumung von Minen nämlich viel komplexer und langwieriger.

In der ländlichen Provinz Al-Hasakah würden seit Oktober 2020 explosive Kriegsüberreste von den landwirtschaftlichen Flächen rund um den Fluss Khabur entfernt. Hier hat der IS weite Gebiete mit Minen und improvisierten Sprengkörpern versehen. In weniger als einem Jahr konnten dort mehr als 3,6 Millionen Quadratmeter Land für einen sicheren Gebrauch freigegeben werden.

Österreich steuerte zwei Millionen Euro bei

"Mehr als 5.000 Menschen, die in unmittelbarer Nähe der geräumten Gebiete leben, haben wir damit einen sicheren Zugang zu den Feldern ermöglicht, die sie nun bearbeiten können", betonte ITF. Heuer sollen die Bauern mit konkreter Unterstützung in die Lage versetzt werden, ihre Felder auch tatsächlich bestellen zu können. Nach zehn Jahren Bürgerkrieg hätten die Landwirte nämlich nicht einmal das Geld zur Anschaffung einfachster Werkzeuge oder sogar von Saatgut und Setzlingen.

Österreich und Slowenien hatten das 5,8 Millionen Euro schwere Projekt im Jahr 2019 für eine Laufzeit von ursprünglich zwölf Monaten vereinbart und auf zwei Phasen aufgeteilt. Die erste Phase mit einem Volumen von 2,2 Millionen Euro wurde Ende März abgeschlossen. Die österreichische Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (ADA) übernahm dabei mit zwei Millionen Euro den Löwenanteil.

Weiter knapp vier Millionen Euro gebraucht

Derzeit wird über die Dotierung des Projekts für weitere zwölf Monate verhandelt. "Die Gespräche befinden sich in der Endphase. Wir hoffen auf eine baldige Lösung", hieß es von ITF gegenüber der APA. In der zweiten Phase soll Österreich 3,27 Millionen Euro beisteuern. Slowenien zahlte bisher 300.000 Euro, heuer und kommendes Jahr sollen weitere 200.000 Euro fließen. An der ersten Phase beteiligten sich auch die US-amerikanischen Kolumbusritter mit 200.000 Euro. Für die zweite Phase soll die katholische Laiengemeinschaft rund 363.000 Euro beisteuern.

Mit dem Ende der ersten Phase geht das Projekt zunächst in kleinerem Ausmaß weiter. Mit dem slowenischen Beitrag komme man einige Monate lang durch, heißt es von der NGO. "Wenn aber bis Ende des Frühjahrs kein Spender für die Fortsetzung der Aktivitäten gesichert werden kann, wird ITF gezwungen sein, das Projekt und ihre Tätigkeit in Syrien zu beenden."

Minen als tödliche Gefahr

In der zweiten Phase sollen nach bisheriger Planung weitere sechs Millionen Quadratmeter entmint werden. Beteiligen sich weitere Spender an dem Projekt, könnte das Gebiet sogar noch ausgeweitet werden, heißt es von ITF. Die slowenische NGO betont, dass das Projekt von den Einheimischen - von Dorfgemeinschaften bis zu Regionalbehörden - mit offenen Armen aufgenommen worden sei. Minen seien nämlich eine "tägliche Gefahr" für die Menschen und würden ihr Leben beeinflussen. Noch größer sei bei den Menschen die Freude über die geplante Unterstützung bei der Wiederbelebung der Landwirtschaft. Das Projekt ermögliche den Menschen ein stabiles Einkommen.

Zudem werde die Bevölkerung bereits in der Planungsphase eingebunden, und auch die Durchführung erfolge über 50 lokale Mitarbeiter, davon mehr als ein Drittel Frauen. Auch unter dem 32-köpfigen Minenräumpersonal hätten sich neun Frauen befunden.

Das Projekt schafft laut ITF auch die wichtigsten Voraussetzungen für eine langfristige sichere und freiwillige Rückkehr von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen. Genauere Zahlen gebe es zwar nicht, doch habe die Minenräumung dazu beigetragen, dass mehrere Dutzend Familien und mindestens eine größere Landwirtschaftskooperative wieder Ackerland bearbeiten.

(APA/red)

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