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Südflorida: Entwarnung vor Ivan

Die Hurrikan-geschädigten Einwohner von Südflorida haben am Montag aufgeatmet: „Ivan“, der in der Karibik bereits mehr als 55 Menschen in den Tod riss, wird den südlichen US-Bundesstaat nach der jüngsten Vorhersage doch nicht heimsuchen.

Der Bezirk Monroe, für die vor der Küste liegende Inselkette der Keys zuständig, hob die angeordnete Evakuierung Montag früh auf. „Die Einwohner, die die Keys verlassen haben, können sofort zurückkehren“, teilte die Behörde für Notfallplanung mit.

Die Behörde hatte die rund 80.000 Einwohner der 200 Kilometer langen Inselkette am Donnerstag zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert. Etwa die Hälfte war der Anordnung gefolgt. In den vergangenen vier Wochen hatten bereits zwei Hurrikans Florida heimgesucht: „Charley“ und „Frances“ hatten auf dem Festland mehr als zehn Milliarden Dollar Schäden verursacht. Die Keys blieben beide Male weitgehend verschont.

Trotz eines möglichen Richtungswechsels des wieder erstarkten Hurrikans „Ivan“ ist Kuba nach eigenen Angaben gut vorbereitet. Die Behörden haben am Montag bereits mehr als 1,6 Millionen Menschen in Sicherheit gebracht. Am Morgen befand sich der Wirbelsturm noch rund 195 Kilometer südöstlich vor der Karibikinsel. Der Wetterdienst in Havanna verbreitete allerdings vorsichtigen Optimismus: „Ivan“ werde möglicherweise an Kuba vorbeiziehen und stattdessen Mexiko treffen. Die dortigen Behörden gaben eine Unwetterwarnung heraus.

“Ivan” erreichte zuletzt immer wieder die gefährlichste Kategorie 5. Laut Warnung der Meteorologen werden Brecher von bis zu 7,50 Metern Höhe an Kubas Küste schlagen. Im Westen des Landes packten Familien ihren Hausstand zusammen und brachten sich in Sicherheit.

Unterdessen stieg die Zahl der Toten auf Jamaika auf 19. In seinem Verwüstungszug über die karibischen Inseln hat der Wirbelsturm nach jüngsten Angaben 46 Menschen getötet.

Nach einer zwischenzeitlichen Abschwächung erreichte „Ivan“ am Montag wieder Geschwindigkeiten von 260 Kilometern pro Stunde, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA mitteilte. Damit erreichte er erneut die höchste von insgesamt fünf Gefahrenstufen – „verheerend“. Der kubanische Wetterdienst warnte vor dem heftigsten Sturm seit 40 Jahren und Flutgefahren auf der Karibikinsel in Folge der heftigen Niederschläge. Den Angaben zufolge bewegte sich der Sturm mit nur noch zehn bis zwölf Stundenkilometern vorwärts. Er erreichte aber auch weit außerhalb des Zentrums Windstöße mit Orkanstärke.

Unter den 1,6 Millionen Evakuierten auf Kuba seien auch knapp 7.200 Touristen aus den Provinzen Pinar del Rio, Havanna und Matanzas, teilte der Generalstab des kubanischen Zivilschutzes mit. Von den Evakuierungen sei besonders der dicht bevölkerte Westen der Insel betroffen, wo das Auge des Hurrikans Montagmittag (Ortszeit) erwartet wurde. Die kubanische Behörden zeigten sich aber auch besorgt über mögliche Zerstörungen im historischen Zentrum der Hauptstadt Havanna, in der 60 Prozent der Gebäude in mangelhaftem Zustand sind. Der nationale und internationale Flugverkehr sollte erst am Dienstag wieder aufgenommen werden.

Die Unwetterwarnung der mexikanischen Behörden richtete sich an das Touristengebiet um Cancun. Die Behörden ordneten zudem die Evakuierung von 2.500 Menschen auf den Inseln und den Küstengebieten der Halbinsel Yucatan an.

In Florida ordnete Gouverneur Jeb Bush die Ausdehnung des Ausnahmezustands auf den gesamten US-Bundesstaat an. „Ivan“ könnte nach Berechnungen von Meteorologen den Großteil Floridas möglicherweise verschonen. In dem US-Bundesstaat waren in der vergangenen Woche im Sturm „Frances“ zwei Menschen ums Leben gekommen. Im vergangenen Monat hatte dort der Wirbelsturm „Charley“ gewütet.

Zu den bisher 14 Todesopfern in Jamaika kamen ein Mann und seine drei Kinder, die unter einer Schlammlawine begraben wurden, wie die Polizei am Sonntagabend (Ortszeit) mitteilte. Außerdem sei eine 76-jährige Frau bei einem Hausbrand getötet worden. In Teilen von Kingston und Montego Bay setzte nach Behördenangaben am späten Sonntag die Stromversorgung wieder ein.

„Ivan“ war bis zum Wochenende bereits über mehrere Karibikstaaten hinweggefegt. Dabei kamen neben den 19 Menschen in Jamaika 17 weitere in Grenada und fünf in Venezuela ums Leben. Vier wurden in der Dominikanischen Republik getötet. Ein Mensch starb in Tobago.

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