Sturm sorgte für 350 zusätzliche Feuerwehr-Einsätze in Wien

Wiens Parks bleiben wegen des Sturms geschlossen.
Wiens Parks bleiben wegen des Sturms geschlossen. ©APA/HANS PUNZ
Österreichs Feuerwehren sind im Dauereinsatz: In Wien hat der Sturm für 350 zusätzliche Einsätze der Wiener Berufsfeuerwehr gesorgt. Die Feuerwehr rät allen, zu Hause zu bleiben.

Der Sturm hat der Wiener Berufsfeuerwehr 350 zusätzliche Einsätze seit Samstagabend gebracht. Das sagte der Sprecher der Berufsfeuerwehr, Gerald Schimpf, am Sonntag zur APA. “Am Abend ist es losgegangen. In der Nacht hatten wir 100 zusätzliche Einsätze, in der Früh und am Vormittag sind noch 250 dazu gekommen”, erläuterte Schimpf. “Wir sind derzeit hauptsächlich mit den Sturmfolgen beschäftigt.” Bisher ist allerdings glücklicherweise kein Großeinsatz dabei gewesen. “Wir haben bisher keine Informationen zu Verletzten erhalten”, sagte der Feuerwehrsprecher. Die Einsätze waren typisch für Stürme: umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste, Dachteile, abgetragene Rauchfänge, ungesicherte Teile auf Baustellen oder umgestürzte Plakatwände.

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Sturm Ÿber Ostšsterreich

Katastrophenhilfsdient im Einsatz

Die Wiener Berufsfeuerwehr hat am Sonntag zusätzliche Mannschaften zusammengezogen. Auch die beiden Freiwilligen Feuerwehren Breitenlee und Süßenbrunn waren im Einsatz, ebenso der Katastrophenhilfsdienst. “Wir haben auch noch Reserven für Brände und andere Ereignisse”, erläuterte Schimpf.

Er ging davon aus, dass das Einsatzaufkommen den ganzen Tag hoch bleiben wird. “Bis 11.00 Uhr erwarten wir eine weitere Steigerung der Einsätze, dann sollte es sich etwas beruhigen. Gegen 16.00 Uhr ist dann noch einmal eine Verstärkung des Sturms prognostiziert”, sagte der Feuerwehrsprecher. “Ich kann nur raten: zuhause bleiben, wenn man nicht hinaus muss.”

Umleitungen bei Wiener Linien

Die Wiener Linien waren am Rande ebenfalls von den Sturmeinsätzen der Feuerwehr betroffen. “Immer wieder werden wir umgeleitet, wenn es einen Feuerwehreinsatz gibt. Dazu kommen Äste auf den Gleisen und Ähnliches. Große Behinderungen hatten wir bisher aber glücklicherweise nicht”, sagte Wiener Linien-Sprecher Daniel Amann zur APA.

Verspätungen am Flughafen Wien Schwechat

Am Wiener Flughafen Schwechat kam es aufgrund des Sturms zu vereinzelten Verzögerungen, sagte Sprecher Peter Kleemann. Auch bei der Bodenabfertigung gab es gewisse Einschränkungen. AUA-Sprecher Peter Thier sprach von schwierigen Wetterbedingungen, die “zahlreiche Verspätungen” zur Folge hatten. Da wahrscheinlich einige Verzögerungen schlussendlich zu Flugausfällen führen werden, rät Thier den Passagieren, sich auf der Flughafen-Homepage über den Stand der Dinge zu informieren. Bis zum Vormittag mussten zwei Flüge gecancelt werden.

Friedhöfe wegen Sturms geschlossen

Auch alle größeren Friedhöfe in Wien blieben wegen des Sturms am Sonntag geschlossen. So wurden etwa der Zentralfriedhof, der Neustifter Friedhof, der Meidlinger Friedhof sowie der Süd-West-Friedhof gesperrt, teilte der Pressesprecher der Bestattung und Friedhöfe Wien, Florian Keusch, in der Früh der APA mit.

“Bei allen anderen Friedhöfen bitten wir die Besucher wegen des Sturms besondere Vorsicht walten zu lassen”, betonte Keusch. In Wien gibt es insgesamt 46 Friedhöfe.

253 Feuerwehreinsätze in Niederösterreich

In Niederösterreich hat der über Österreich ziehende Sturm in den vergangenen zwölf Stunden 253 Feuerwehreinsätze erfordert, teilte NÖ Feuerwehrsprecher Franz Resperger am Sonntag mit. Rund 2.500 Mitglieder waren mit der Beseitigung von Schäden beschäftigt. Aktuell am Vormittag waren Teams von 95 Feuerwehren zu 107 Einsätzen ausgerückt. Hotspots waren der Westen, Norden und auch Süden des Bundeslandes, vor allem die Bezirke Amstetten, Melk, Krems, Zwettl sowie Baden und Mödling. Im Waldviertel gab es laut Resperger in rund 6.000 Haushalten vorübergehende keinen Strom, weil Bäume auf Leitungen gestürzt waren. In der Gemeinde Dunkelsteinerwald (Bezirk Melk) entstand bei einem derartigen Ereignis ein Brand, der aber rasch gelöscht werden konnte. Die FF Wiener Neudorf (Bezirk Mödling) verzeichnete seit den Morgenstunden Einsätze u.a. wegen loser Fassadenteile, abgetragener Dächer und umgekippter Verkehrszeichen.

Bis jetzt keine Verletzten durch Sturm in NÖ

Bis dato wurde nach Informationen des NÖ Feuerwehrsprechers niemand verletzt. Die heftigen Böen – und damit verbunden wohl auch Schäden wie abgerissene Äste oder umgestürzte Plakatwände – dürften noch drei bis vier Stunden anhalten.

Der ÖAMTC meldete sturmbedingte Straßensperren auf der A1 (Westautobahn) zwischen Amstetten und Oed sowie auf der S33 zwischen Krems und Hollabrunn. Grund waren umgestürzte Bäume. Mancherorts sei es derzeit auch für die Einsatzkräfte zu gefährlich, die Hindernisse zu beseitigen, hielt der Autofahrerklub fest.

276 Einsätze in Oberösterreich

Aufgrund des über Österreich ziehenden Sturms haben 208 Feuerwehren mit rund 2.500 Mann in Oberösterreich bis Sonntagvormittag um 10.00 Uhr 276 Einsätze absolviert. Sonntag ab 6.00 Uhr ist es laut Landesfeuerwehrkommando richtig losgegangen und gegen 9.00 Uhr haben die Einsätze noch einmal massiv zugenommen. Der Sturm hat bereits vor 8.00 Uhr Windspitzen von über 100 km/h erreicht. In Teilen Oberösterreichs, darunter großflächiger im Hausruckviertel, aber auch im Innviertel und im Salzkammergut, ist es zu Stromausfällen gekommen. Der ÖAMTC meldete am Sonntagvormittag die ersten Straßensperren durch Sturmschäden. Die Pyhrnautobahn (A9) musste zwischen Inzersdorf und St. Pankraz wegen eines vom Sturm verursachten Stromausfalls gesperrt werden.

Verkehrsunfälle durch Sturm in OÖ

Die Feuerwehren müssten sich um die klassischen Sturmschäden wie umgestürzte Bäume auf Straßen und in Stromleitungen, umgestürzte Bauzähne sowie Plakatwände, beschädigte Dächer und Gebäudeteile kümmern. Es wurden bereits ganze Dächer abgedeckt, umgefallene Bäume sorgten für erste Verkehrsunfälle in Oberösterreich.

Ein 31-jähriger Autofahrer ist Sonntag in den frühen Morgenstunden in Rinzendorf (Bezirk Urfahr-Umgebung) mit seinem Wagen frontal gegen einen auf der Straße liegenden Baumstamm gefahren. Die Front des Autos wurde erheblich beschädigt, die Airbags lösten aus. Der Autofahrer wurde bei dem Unfall nicht verletzt.

Mann prallte mit Mofa gegen am Boden liegenden Baum

In Micheldorf (Bezirk Kirchdorf an der Krems) übersah ein 70-jähriger Mofalenker Sonntag in den frühen Morgenstunden einen auf der B138 liegenden Baum. Der Mann prallte mit seinem Mofa gegen den Baum, wodurch das Windschild des Mofas zerstört und der Mann im Gesicht getroffen wurde. Er erlitt schwere Verletzungen und wurde mit der Rettung in das LKH nach Kirchdorf an der Krems gebracht.

Sturmböen erreich Sonntagmittag Höhepunkt

Die Windböen erreichen nach den Erwartungen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gegen Sonntagmittag ihren Höhepunkt. Gegen Abend hin ist dann leichte Entspannung prognostiziert. Dennoch ist auch am Montag noch mit Windspitzen bis zu 70 Stundenkilometer zu rechnen. Der Sturm begann bereits Samstagabend bzw. in der Nacht auf Sonntag. Die Böen erreichten in der vergangenen Nacht und am Vormittag in Linz-Hörsching 117 Stundenkilometer, in Wien auf der Hohen Warte 118 Stundenkilometer, in Irdning in der Steiermark 138 Stundenkilometer, in Enns in Oberösterreich 140 Stundenkilometer und am Buchberg in Niederösterreich bis zu 145 Stundenkilometer. Auf den Bergen registrierte die ZAMG am Sonntag in der Früh bereits bis zu 179 Stundenkilometer am Feuerkogel (Oberösterreich, Seehöhe 1.618 Meter), am Jauerling in Niederösterreich auf 955 Meter Seehöhe und am ebenfalls in Niederösterreich befindlichen Sonnwendstein auf 1.500 Meter Seehöhe jeweils bis zu 148 Stundenkilometer.

Ausfälle in Stromversorgung möglich

Bei Sturmböen dieser Stärke können selbst große Äste abbrechen oder ganze Bäume umstürzen, daher sind Problemen auf Straßen und Bahnlinien möglich, warnte die ZAMG. Fallen Bäume auf Stromleitungen, sind auch Ausfälle in der Stromversorgung möglich. “Auf keinen Fall sollte man sich bei so einem Sturm im Freien unter Bäumen aufhalten, das ist lebensgefährlich”, betonte Kiesenhofer.

Der Süden und Westen Österreichs dürfte etwas wetterbegünstigt sein: Laut ZAMG ist der Sturm in der südlichen Steiermark, in Kärnten, in Tirol und in Vorarlberg weniger stark. Hier liegen die Windspitzen in den Niederungen am Sonntag meist zwischen 80 und 100 Stundenkilometer. Auf den Bergen sind aber Böen deutlich über 100 Stundenkilometer möglich.

Wetterlage bis zum Abend entspannter

Im Laufe des Nachmittags sollten die Winde dann langsam nachlassen, erwartete die ZAMG. Die Lage dürfte sich zum Abend hin allmählich entspannen. Am Montag liegen die höchsten Windspitzen um 70 Stundenkilometer und sind vor allem noch im Gebiet von Oberösterreich bis zum Nordburgenland zu erwarten.

APA/Red.

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