"Stupid Fuckin` America"

Oscar-Preisträger Michael Moore lässt im ausverkauften Volkstheater kein gutes Haar an seinen Landsleuten und an Präsident George W. Bush.
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“85 Prozent der Amerikaner können den Irak auf der Landkarte nicht finden, 60 Prozent wissen nicht wo Großbritannien liegt und 11 Prozent finden nicht einmal die USA auf einem Globus“. „Stupid Fuckin’ American“, stellte Michael Moore, Oscar-Preisträger und Kultfigur der amerikanischen Linken, im Rahmen seiner Lesereise im deutschsprachigen Raum anlässlich der Präsentation seines neuen Buches („Volle Deckung Mr. Bush“) im ausverkauften Wiener Volkstheater am Donnerstagabend fest. Sollte es nicht zumindest „Regel Nummer eins sein, zunächst das Land auf einer Landkarte finden zu können, um es dann zu bombardieren?“, fragte Moore die überwiegend jungen Besuchern, und erntete heftigen Beifall.

“Desorientiert, konfus und leicht zu manipulieren”


In gewohnter Weise – rhetorisch gekonnt und mehr an ein politisches Kabarett erinnernd als eine zwingend sachliche Argumentation – und in üblicher Kleidung – braune Jacke, blaue Jeans, schwarzes T-Shirt, Baseballmütze und Turnschuhe – kritisierte Moore die US-Außenpolitik im Allgemeinen, und die Irak-Politik im Speziellen, des US-Präsidenten George W. Bush. „Tony Blair (britischer Premier) küsst die ganze Zeit den Arsch von Bush und wir wissen nicht einmal wo er lebt.“ Weil aber die Amerikaner so „desorientiert und konfus“ seien, hätte sie Bush auch leicht manipulieren können. Er habe das “ System of enforced Ignorance“ für seine Zwecke genützt und die Entscheidungen „auf Basis der Angst“ getroffen.


Mittlerweile sieht Moore aber die Stimmung zu Ungunsten von Bush kippen. Hätte der Präsident vor einigen Monaten noch Popularitätswerte von über 80 Prozent gehabt, würden ihn jetzt nach neuesten Umfragen nur mehr 48 Prozent unterstützen. „Und sollten jetzt doch Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden werden?“, wollte ein Zuhörer wissen. „Selbst Amerikaner würden ihm das jetzt nicht glauben“, war die kurze Antwort von Moore.


Wieder einmal machte sich der Bestsellerautor und Filmemacher nicht nur über Bush sondern auch seine „dummen und ungebildeten“ Landsleute lustig. „Wir wollen nicht viel wissen. Wir grinsen immer dumm, weil wir unsere Gehirne leer halten möchten.“ So könne auch er, Moore, seinen Vortrag immer nur in Englisch halten, weil Fremdsprachen sein Hirn anschwellen lassen und er sein Grinsen verlieren würde. In den USA gehe es immer nur um „Me, me, me“. So würde etwa die Mehrheit der US-Amerikaner glauben, dass es zwischen ein bis zwei Milliarden Amerikaner gebe.


„Geht nicht den amerikanischen Weg“ flehte Moore die Besucher beinahe an. In Europa gebe es noch Bildung und ein funktionierendes Gesundheitssystem, in den USA lebten 33 Millionen arbeitende Amerikaner ohne Krankenversicherung. „Wollt ihr das wirklich?“

Erstaunen über europäische Fairness


Exemplarisch könne der Unterschied zwischen den Systemen und Gesellschaften, etwa am Vergleich zwischen dem amerikanischen Football und dem europäischen Fußball festgemacht werden. Gestaunt habe er, als Besucher eines Fußballspiels in London, als ein Kicker so lange mit dem Weiterspielen wartete, bis der verletzte Spieler der gegnerischen Mannschaft wieder auf den Beinen war. „Wow! Fairness? Wir warten auf nichts. Wir denken immer später nach!“ Komisch sei auch, dass beim Fußball ein Treffer tatsächlich nur als ein Treffer zählt. Beim US-Football bekommt man für einen Touch-Down gleich sechs Punkte. „Das ist wie wir denken. Wir stellen fünf Prozent der Bevölkerung und nutzen 25 Prozent der weltweiten Resourcen.“


Einer Tatsache müsse man sich aber immer bewusst sein: „Die Mehrheit der Amerikaner hat Bush nicht gewählt“. Schockierend sei im nachhinein, dass „niemand etwas dagegen getan hat“. Selbst Bush habe wahrscheinlich darüber hinter den vorgezogenen Vorhängen im Weißen Haus gelacht. Für die nächsten Präsidentschaftswahlen hat Moore einen persönlichen Favoriten: Den demokratischen Kandidaten und Ex-NATO-General Wesley Clark. Der „sehr liberale“ Clark erkläre den Menschen jeden Tag, warum der Krieg im Irak eine reine Lüge sei. Und mittlerweile „wissen das jetzt die meisten Menschen“.


Redaktion: Elisabeth Skoda

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