Studie zeigt: Wiener Öffis werden durch Angebot attraktiv

Nicht die 365-Euro-Jahreskarte, sondern das Angebot macht die Wiener Öffis so beliebt.
Nicht die 365-Euro-Jahreskarte, sondern das Angebot macht die Wiener Öffis so beliebt. ©Wiener Linien/Johannes Zinner
Nicht die Einführung der 365-Euro-Jahreskarte macht die Wiener Öffis so beliebt. Eine Studie zeigt, dass es das Öffi-Angebot selbst ist, dass die Wiener Öffis attraktiv macht.

Laut einer neuen Studie hat die Einführung der 365-Euro-Jahreskarte der Wiener Linien gar nicht so viele Menschen zum Umsteigen auf die Öffis bewegt hat, wie so mancher angenommen hat. Für mehr neue Fahrgäste sorgte vielmehr das attraktive Öffi-Angebot, hieß es in einer der APA vorliegenden Untersuchung des deutschen Beratungsunternehmens Civity Management Consultants.

Jahreskarte: "Das beste Angebot ist nicht der Preis"

Civity Management Consultants hat laut eigenen Angaben die Wiener Stadtwerke und die Wiener Linien 2012 bei der Einführung der 365-Euro-Jahreskarte "eng" begleitet. In dieser Zeit habe sich das Unternehmen ein Hintergrundwissen zum Thema angeeignet. Die nunmehr vorliegende Studie basiere größtenteils auf frei verfügbaren Datenquellen, hieß es.

Die Untersuchung trägt den Titel: "Das beste Angebot ist nicht der Preis. Der 'Wiener Weg': Weit mehr als die 365-Euro-Jahreskarte". Ziel war, die Wiener Maßnahmen im öffentlichen Personenverkehr und deren Auswirkungen auf den urbanen Mobilitätsmarkt unter die Lupe zu nehmen. Damit soll anderen europäischen Städten, die nach Öffi-Verkehrslösungen suchen, "eine Einordnung der ergriffenen Maßnahmen" geboten werden. So will beispielsweise aktuell der Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) eine 365-Euro-Jahreskarte einführen.

Studie zeigt: Viele Gelegenheitsfahrer wechselten zur Jahreskarte

Die Ergebnisse der 48-seitigen Studie im Detail: Durch die Vergünstigung der Jahreskarte und die deutliche Verteuerung anderer Tarife wechselten viele Gelegenheitsfahrer zur Jahreskarte. Tatsächliche Neukunden wurden mit der Maßnahme hingegen weniger gewonnen. Die Fahrgastzahlen der Wiener Linien würden parallel zum allgemeinen Marktwachstum und dem weiteren Angebotsausbau steigen, hieß es weiters. "Echte Neukundeneffekte bzw. eine substanzielle Mehrnachfrage durch die Tarifanpassung sind nicht ersichtlich." Es gebe keinen Anstieg der Fahrgastzahlen über den Bevölkerungszuwachs hinaus, hieß es.

Überdies hätte sich seit der Anteil des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen nicht mehr eklatant verändert. Seit 2012 stagniere der Marktanteil auf hohem Niveau, hieß es dazu in den Studienunterlagen. In den vergangenen zwei Jahren betrug der sogenannte Modal-Split-Anteil des Öffi-Verkehrs konstant 38 Prozent. Der Anteil des Autoverkehrs ist unterdessen von 27 auf 28 Prozent gestiegen. Beim Modal Split handelt es sich um eine Kenngröße zur Aufteilung der Verkehrs auf die verschiedenen Verkehrsmittel.

Angebot macht Wiens Öffis attraktiv

Vielmehr gibt es andere Gründe, die für die Fahrgast-Zuwächse im Wiener Öffi-Verkehr gesorgt haben und noch immer sorgen: "Wien ist aufgrund seines Angebots erfolgreich", hieß es dazu. Das Liniennetz und der Fahrplantakt seien dicht. Überdies investiere die Stadt seit langem in den weiteren Ausbau und in die weitere Verdichtung ebendieser. "Hierin liegt auch einer der wesentlichen Faktoren der Erfolgsgeschichte des öffentlichen Verkehrs in Wien", wurde es in der Studie auf den Punkt gebracht. Die sehr hohe Netz- und Taktdichte des öffentlichen Verkehrs führe zu kurzen und wettbewerbsfähigen Gesamtanreisezeiten für die Fahrgäste im Vergleich zum privaten Pkw, da Umsteigen vielfältig und ohne lange Wartezeiten möglich sei.

In der Studie wurde auch auf die Parkraumbewirtschaftung und deren Ausweitung eingegangen. Diese sei ein wesentlicher Stellhebel des "Wiener Wegs", da sie eine verkehrssteuernde Wirkung und eine klare verkehrspolitische Signalwirkung entfalte. Überdies trage sie maßgeblich zur Verkehrsinfrastruktur bei. Denn die Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung sowie aus den Strafen würden überwiegend zweckgebunden in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs fließen.

365-Euro-Jahreskarte: NÖ Landesrat sieht Vorgehensweise bestätigt

In Hinblick auf eine Studie des deutschen Beratungsunternehmens Civity Management Consultants, wonach das 365-Euro-Jahresticket den Wiener Linien keine überproportional steigenden Fahrgastzahlen brachte, hat Niederösterreichs Landesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) den eingeschlagenen Weg und damit das Nein zur Einführung einer solchen Karte bestätigt gesehen. Er kündigte weitere Öffi-Investitionen an.

Die Umsetzung eines 365-Euro-Jahrestickets für den öffentlichen Verkehr wurde in Niederösterreich mehrmals von SPÖ und Grünen gefordert. Im Bundesland hätte die Einführung jährlich 285 Millionen Euro an Mehrkosten zur Folge, hieß es am Mittwoch aus dem Büro des Landesrats.

2019: Ausgaben für Bus und Bahn sollen auf 131 Millionen Euro steigen

Schleritzko verwies in einer Aussendung auf in den vergangenen Jahren getätigte Angebotsverbesserungen in Sachen öffentlicher Verkehr. 2019 sollen die Ausgaben für Bus und Bahn um etwa 40 Prozent auf 131 Millionen Euro steigen. "Wir konnten in der Vergangenheit dadurch Fahrgastzuwächse von bis zu 20 Prozent auf den Regionalbahnen erzielen. Diesen Weg gehen wir konsequent weiter", sagte der ÖVP-Landesrat.

Künftig seine auch Investitionen in das Schienennetz notwendig, betonte Schleritzko. Mit dem 372 Millionen Euro schweren Bahnpaket, auf das sich Land, Verkehrsministerium und die ÖBB im Juni geeinigt haben, sein "ein erster Schritt" gesetzt worden. "Wichtig wird hier vor allem eine rasche Einigung auf eine weitere Stammstrecke durch Wien", hob Schleritzko hervor.

(APA/Red)

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