Studie: Medien-Praktikanten häufig unterbezahlt und wenig betreut

Zwei Drittel aller journalistischen Praktikanten in österreichischen Medienbetrieben erhalten für ihre Leistungen entweder keine oder nur eine geringfügige Bezahlung von unter vierhundert Euro im Monat.

Das geht aus einer Studie der Österreichischen Gesellschaft für Publizistik und Medienforschung (GESPU) und der Journalistengewerkschaft in der GPA-djp hervor, die Mittwochabend in Wien vorgestellt wurde. Die Studienautoren kritisieren darin unter anderem mangelnde Betreuungsstandards und legen nahe, dass in etlichen Betrieben mit billigen Praktika die Lohnkosten gesenkt würden.

Ein Praktikum sei mehr als nur ein Talentetest, heißt es in der Analyse, für die sowohl Medienhäuser als auch “Volontäre” befragt wurden. In den allermeisten Fällen leisten die angehenden Journalisten nämlich handfeste, verwertbare Arbeit für ihren Betrieb: Vier Fünftel erledigten im Jahr 2007 klassische journalistische Tätigkeiten wie Beiträge verfassen und Recherchieren. Rund die Hälfte der Praktikanten führte Interviews und ging auf Pressekonferenzen. 36 Prozent erstellten Fotos oder Videos und immerhin 30 Prozent gaben an, Texte redigiert zu haben.

Der Großteil der befragten Personalverantwortlichen in den Unternehmen lehnt zwar die Ansicht, dass billige “Lehrplätze” teure Redakteursstellen ersetzten ab, die Zahlen sprächen jedoch nach Meinung der Studienverfasser in manchen Betrieben dafür: In 59 untersuchten Medienhäusern waren im vergangenen Jahr 764 Praktikanten tätig. Etwas mehr als die Hälfte dieser Unternehmen beschäftigte während eines Jahres bis zu zehn Praktikanten. Vier Medienunternehmen nahmen sogar mehr als vierzig Personen auf. Darunter befand sich auch ein Privatradiosender mit zwanzig fest angestellten Mitarbeitern, der im Jahr 2007 nach eigener Angabe 70 Praktikanten ohne Bezahlung beschäftigte.

“Der Praktikantenarbeitsmarkt tangiert durchaus die Arbeitssituation des Journalismus”, meinte dazu Roman Hummel, Studienleiter und Chef der Abteilung Journalistik am Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg. Es sei davon auszugehen, dass in Zukunft Praktikanten zunehmend zur Konkurrenz für die sogenannten “Freie Mitarbeiter” werden. Insgesamt entspreche die jährliche Leistung heimischer Journalismuspraktikanten rund 114 Vollzeitäquivalenten. Zum Vergleich: Durch natürlichen Abgang sind pro Jahr zwischen 120 und 130 Redakteursstellen neu zu besetzen.

Im Durchschnitt arbeitet der typische österreichische Medienpraktikant zwei Monate in einer 37-Stunden-Woche. Mehr als ein Drittel aller Praktika sind laut Studie gänzlich unbezahlt, für weitere 28 Prozent gibt es unter 400 Euro im Monat. Am schlechtesten ist die Situation bei Privatrundfunkanstalten, bei denen 60 Prozent der Praktika unbezahlt sind. Am besten wird die Lage bei Online und Tageszeitungen beurteilt. Bei letzteren gibt es kollektivvertragliche Regelungen.

Mit der Gewerkschaft ausverhandelte Bestimmungen bestehen derzeit lediglich bei den im Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) integrierten Unternehmen, erklärte Franz C. Bauer, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft, bei der Studienpräsentation. Ziel sei es, mit weiteren Medien Vereinbarungen zu finden. Aber auch bei den vertraglich gebundenen Unternehmen müsse das Bewusstsein geschärft werden, “weil auch hier die Regelungen nicht immer zur Anwendung kommen”, wie Bauer kritisierte. Häufig würden Praktika etwa als “Seminar” ausgewiesen und daher nicht bezahlt.

Darüber hinaus müsse man sich überlegen, künftig inhaltliche Ausbildungskriterien in Kollektivverträgen festzuschreiben, da neben der Bezahlung auch die Qualität vieler Praktika zu wünschen übrig ließe. Der Studie zufolge gibt es in rund der Hälfte der Praktikumsbetriebe keinen Ausbildungsverantwortlichen. Nach wie vor herrsche das “überholte learning-by-doing-Prinzip der Fünfziger- und Sechziger-Jahre” vor, heißt es in den Unterlagen. Regeln wie Medienrecht und Medienethik würden dabei kaum angesprochen.

Zum einen müssten sich Bildungsinstitutionen und Medienbetriebe stärker miteinander verzahnen und Richtlinien für die Praktikumstätigkeit vereinbaren. Zum anderen könne sich auch die Kommunikationsbehörde KommAustria überlegen “wie man über Praktikumsstipendien, die aus Mitteln des Presseförderungsgesetzes subventioniert werden, eine adäquate Ausbildungssituation zusammenbringt”, so Bauer. “Klare und nachvollziehbare Spielregeln für die Ausbildungspraxis von Praktikanten in den österreichischen Medienunternehmen” forderte am Donnerstag auch GPA-Chef Wolfgang Katzian.

Trotz der zahlreichen verbesserungswürdigen Punkte stufen die Praktikanten selbst ihre Tätigkeit überwiegend als sinnvoll und lehrreich ein. Drei Viertel beurteilen den Nutzen für den weiteren beruflichen Werdegang als hoch oder sehr hoch.

Download der Studie unter: www.journalistengewerkschaft.at

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