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Studie: Globalisierung ungebremst

Trotz Terror und schwacher Konjunktur nimmt die Globalisierung zu. Zum zweiten Mal in Folge wurden die Iren „Globalisierungsweltmeister“. Österreich belegte Rang acht.

Laut Globalisierungsindex 2003 ist Irland das Land, in dem die Globalisierung am stärksten ausgeprägt ist. Diesen Spitzenplatz verdankt der kleine Inselstaat seiner guten Bewertung bei der globalen sozialen Integration sowie seinen starken Handels- und Investment-Verbindungen mit dem Rest der Welt. Österreich konnte sich auf den achten Platz verbessern und liegt damit noch vor Großbritannien (9), den USA (11), Frankreich (12) oder Deutschland, das vom 14. auf den 17. Platz zurück fiel.

Der Globalisierungsindex, der von A.T.Kearney und dem Foreign Policy Magazin erstellt wird, gibt Aufschluss über den Grad der Globalisierung in 62 verschiedenen Staaten, die insgesamt 85 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren. Der Index misst nicht allein das Volumen internationaler Handelsbeziehungen, sondern will vielmehr eine Aussage darüber treffen, wie global unterschiedliche Länder und schließlich auch die Staatengemeinschaft tatsächlich sind. Daher werden neben ökonomischen Indikatoren auch soziale, politische und technologische Integration berücksichtigt.

Der Globalisierungsindex 2003 bezieht sich auf Daten des Jahres 2001. Auf globaler Ebene zeigt sich die Globalisierung dabei als bemerkenswert robuster Prozess. Weder die Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001 noch das weltweit schwache Wirtschaftswachstum konnten den Prozess der fortschreitenden Globalisierung aufhalten. Ökonomische Rückschläge wurden durch zunehmende politische Integration und signifikant steigende soziale und technologische Verbindungen aufgefangen, heiß es.

„Der Trend zu zunehmender Globalisierung hat sich trotz aller ökonomischer Unsicherheiten als überraschend widerstandsfähig erwiesen,“ bemerkt Robert Kremlicka, Österreichchef von A.T. Kearney. Er führt dies darauf zurück, dass Globalisierung mehr als nur wirtschaftliche Zusammenarbeit ist. „Globalisierung entsteht auch aus den sozialen und politischen Verbindungen, die wir international unterhalten“, so Kremlicka.

Österreichs Position im Globalisierungsindex hat sich gegenüber dem Vorjahr von Platz 9 auf Platz 8 leicht verbessert. Verantwortlich dafür ist ein kontinuierliches Wachstum im Handel, bei Reisen und Rückflüssen aus Investments sowie die verstärkte Internetnutzung. Starke Rückgänge beim direkten Auslandsinvestment und Wertpapier-Kapitalfluss zwischen Österreich und anderen Ländern bremsten diese positive Entwicklung.

Die Zahl der Internetuser in Österreich stieg 2001 um eine halbe Million auf 2,6 Millionen, das entspricht 32 Prozent der Bevölkerung und damit dem europäischen Durchschnitt. Der internationale Telefonverkehr nach und von Österreich stieg gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent. Mit durchschnittlich 316 Minuten internationaler Telefonverbindungen pro Bewohner liegt Österreich im weltweiten Spitzenfeld.

Im Gegensatz zur internationalen Entwicklung verzeichnete auch der österreichische Tourismus Zuwächse: 18,2 Mio. Urlauber kamen im Jahr 2001 nach Österreich (Vorjahr 18,0 Mio.) und 4,8 Mio. Österreicher (2000: 4,7 Mio.) reisten ins Ausland.

Der Zufluss ausländischen Kapitals nach Österreich ging 2001 hingegen von 9,6 Mrd. Euro auf 6,6 Mrd. Euro zurück. Portfolio-Investitionen in österreichische Aktien und Anleihen reduzierten sich von ursprünglich 30,6 Mrd. Euro auf 21,2 Mrd. Euro. Noch zurückhaltender waren die Österreicher bei der Anlage in ausländischen Aktien und Anleihen, die sich von 28,4 Mrd. Euro auf 13,7 Mrd. Euro halbierten. „Dies sind weniger österreichische Phänomene, sondern Symptome der stagnierenden Weltwirtschaft aber auch des generell geschwundenen Anlegervertrauens,“ so Robert Kremlicka.

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