Studie: Flüchtlinge sind ähnlich religiös wie Österreicher

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Eine wissenschaftliche Studie von Wiener Demografen zeigt, dass Flüchtlinge kaum religiöser sind als Österreicher.  "Wiener Muslime" weisen jedoch den höchsten Grad an Religiosität auf.

Im Jahr 2015 suchten insgesamt rund 88.300 Personen in Österreich um Asyl an, über 70 Prozent davon kamen aus den mehrheitlich islamisch geprägten Ländern Syrien, Afghanistan und aus dem Irak. Relativ rasch wurden Stimmen laut, die befürchteten, dass viele der Flüchtlinge ein sehr traditionelles Verständnis des Islam mitbringen. Das Forschungsteam um die Erstautorin der Studie, Isabella Buber-Ennser, und Judith Kohlenberger vom Institut für Sozialpolitik der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien analysierte nun Daten aus Befragungen aus den Jahren 2015 bis 2017 zum Thema “Religiosität”.

Zwei Drittel im mittleren Bereich

Die etwas mehr als 500 Befragten gaben darin neben Fragen zur Bildung auch an, wie sie sich auf einer Skala von eins (“gar nicht religiös”) bis zehn (“sehr religiös”) einschätzten. Hier haben sich die Forscher an der Methode europäischer und weltweiter Werterhebungen orientiert, wie Kohlenberger im Gespräch mit der APA erklärte.

Studie: Religiosität von FlŸchtlingen und Österreichern
Studie: Religiosität von FlŸchtlingen und Österreichern ©APA

Im mittleren Bereich (zwischen drei und acht) verorteten sich 69 Prozent (Zahlen gerundet) der Flüchtlinge. Zum Vergleich: Im letzten “Generations und Gender Survey” (2008) sahen sich 66 Prozent der Österreicher in diesem Bereich. Als “sehr religiös” (neun oder zehn auf der Skala) bezeichneten sich elf Prozent der Geflüchteten und zehn Prozent der Österreicher. Wenig Religiosität (Levels eins oder zwei) attestierten sich 20 Prozent der Asylsuchenden und 23 Prozent der Einheimischen. “Es zeigt sich also, dass die Geflüchteten aus dem Herbst 2015 überraschend ähnliche religiöse Level wie die Österreicher mitbringen. Wenn auch in einer anderen Weltreligion”, sagte Kohlenberger.

Frauen sind religiöser als Männer

Diese Ergebnisse seien als “robust” anzusehen, auch da sich darin etwa der internationale Trend zu stärker ausgeprägter Religiosität bei Frauen findet: Sowohl unter den Geflüchteten (18 Prozent) wie den Österreichern (14 Prozent) gaben doppelt so viele Frauen als Männer an, sehr religiös zu sein. Am anderen Ende der Skala verorteten sich dagegen nur vier Prozent der weiblichen Flüchtlinge (Österreicherinnen: 20 Prozent) und 24 Prozent der männlichen Flüchtlinge (Österreicher: 27 Prozent). Außerdem finde man auch den bekannten Effekt, dass selbsteingeschätzte Religiosität mit steigender Bildung abnimmt, so die Wissenschafterin, die mit Kollegen bereits 2016 zeigte, dass vor allem Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak relativ gut gebildet sind.

“Wiener Muslime” haben höheres Religiositäts-Level

Ein interessanter Effekt zeige sich auch beim Vergleich mit Lebensqualitätsumfragen aus Wien: Während sich hier Katholiken im Schnitt ein Religiositäts-Level von 4,8 attestieren, war dies bei “Wiener Muslimen” mit 6,5 deutlich höher. Unter den kürzlich Geflüchteten lag der Wert in der Untersuchung der Demografen hingegen bei 4,8. “Man sieht eigentlich, dass neu Ankommende oft weniger religiös sind als andere muslimische Communities, die schon länger in Österreich sind”, so Kohlenberger. Dass sich erstere eher von der Religion abwenden, könnte auch an den religiösen Komponenten in den kriegerischen Konflikten in den Herkunftsländern liegen, unter denen vor allem Syrer und Iraker zu leiden hatten.

Um in Österreich sozusagen anzukommen, werden religiöse Netzwerke überdies offenbar weniger genutzt, als beispielsweise Sportvereine. Während in weiterführenden Befragungen zur Integration 34 Prozent der Flüchtlinge angaben, in Sportvereinen aller Art aktiv zu sein, engagierten sich lediglich 17 Prozent der 350 Befragten in religiösen Gruppierungen.

(APA/red)

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