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Studie: Biologisch abbaubare Plastiksackerl nach drei Jahren nicht verrottet

Biologisch abbaubare Plastiksackerl sollen "normale" Sackerl großteils ersetzen.
Biologisch abbaubare Plastiksackerl sollen "normale" Sackerl großteils ersetzen. ©APA/BARBARA GINDL
Wie eine Studie nun aufzeigt, belasten auch biologisch abbaubare Plastikackerl die Natur länger als viele Menschen annehmen. Der Kunststoff kann auch nach drei Jahren im Boden oder im Meerwasser noch stabil sein.

Am stärksten zerfiel biologisch abbaubarer Kunststoff – wie auch gewöhnlicher Kunststoff -, wenn er Luft und Sonne ausgesetzt war, berichteten Imogen Napper und Richard Thompson von der Universität Plymouth (Großbritannien) im Fachmagazin “Environmental Science & Technology”. “Biologisch abbaubare, oxo-abbaubare und kompostierbare Kunststoffe werden häufig als mögliche Lösung gegen die Ansammlung von Plastikmüll und Abfällen angesehen”, schreiben die Forscher. Napper und Thompson wollten herausfinden, was tatsächlich mit den Materialien in verschiedenen Umgebungen geschieht. Sie besorgten sich im lokalen Einzelhandel Sackerln verschiedener Kunststoffsorten, darunter Polyethylen (PE), aus dem die meisten Plastiksackerln bestehen.

Oxo-abbaubare Kunststoffe enthalten Zusätze, die das Material rascher zerfallen lassen. Weil dabei Mikroplastik entsteht, das kaum mehr weiter abgebaut wird, gibt es Bestrebungen in der EU, solche Kunststoffe zu verbieten.

Biologisch abbaubare Plastiksackerl untersucht

Den Großteil der Sackerln schnitten sie in 15 mal 25 Millimeter große Stücke und legten sie in Netze aus Polyethylen hoher Dichte mit einer Maschengröße von einem Millimeter. Dann hängten die Wissenschafter die Netze im Freien auf, vergruben sie im Boden oder versenkten sie, mit einem Gewicht beschwert, in Meerwasser. Nach neun, 18 und 27 Monaten nahmen sie jeweils Proben und untersuchten sie. Außerdem wurden ganze Plastiksackerln den entsprechenden Umgebungen ausgesetzt.

Alle Kunststoffstreifen einschließlich des Polyethylens waren nach spätestens 18 Monaten im Freien komplett zerfallen. “Die schnellere Fragmentierungsrate an der Luft dürfte auf höhere Anteile an ultravioletter Strahlung (UV) und Sauerstoff in Kombination mit höheren Temperaturen als in anderen Umgebungen zurückzuführen sein”, schreiben die Forscher.

Nach 18 Monaten hatte sich der kompostierbare Kunststoff zudem im Meer aufgelöst, während er im Boden auch nach 27 Monaten noch vorhanden war. Allerdings war seine Belastbarkeit durch Zugspannung zu mehr als 70 Prozent verringert. Die Sackerl aus kompostierbarem Kunststoff war die einzige, die nach drei Jahren keinen Inhalt mehr tragen konnte. Sackerln aus oxo-abbaubarem, biologisch abbaubarem und gewöhnlichem Plastik, die drei Jahre lang im Meer und in der Erde gewesen waren, hielten hingegen 2,25 Kilogramm Gewicht.

“Untersuchung wirft eine Reihe von Fragen auf”

“Diese Untersuchung wirft eine Reihe von Fragen auf, was die Öffentlichkeit erwarten kann, wenn etwas als biologisch abbaubar bezeichnet wird”, erklärte Thompson. Er betont die Notwendigkeit von Normen für abbaubare Materialien. Das Fazit der Forscher lautet: “Für viele Anwendungen, bei denen Kunststoff-Tragetaschen verwendet werden, stellt die Haltbarkeit in Form einer Tasche, die oft verwendet werden kann und wird, eine bessere Alternative zur Abbaubarkeit dar.”

Zu diesem Schluss kommt auch der deutsche Naturschutzbund (Nabu). Selbst der Stoffbeutel sei aus Umweltgesichtspunkten nur dann besser als ein Plastiksackerl, wenn er oft genutzt werde: “Es wird davon ausgegangen, dass eine Tasche aus konventioneller (d.h. nicht kontrolliert biologisch angebauter) Baumwolle über hundertmal so oft wie eine erdölbasierte Kunststofftüte genutzt werden muss, um die schlechtere Klimabilanz auszugleichen”, heißt es beim Nabu. Die Umweltschützer raten von Bioplastiksäcken jeglicher Zusammensetzung ab, da bisher kein ökologischer Vorteil gegenüber dem klassischen Plastiksackerl nachzuweisen sei.

(APA/red)

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