Studentenproteste 2.0: Besetzer vernetzen sich im Internet

Protestierende Studenten vernetzen sich
Protestierende Studenten vernetzen sich ©APA/twitter.com
Protestierende und Besetzer mobilisieren und vernetzen sich im Internet. Plattformen wie Twitter und Facebook überschwemmen mit Informationen aus besetzten Hörsälen, per Youtube werden Videos verschickt.
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“Aufruf! Putzdienst im Audimax braucht mehr Leute!! Kommt dringend!!”, “aufm juridicum schaut alles ruhig aus, einige besetzer in der aula”, “15.00 Uhr Plenum im Hörsaal C1”, “die Volxküche braucht Kartoffeln und Nudeln”, und eine Sekunde später liest sich “13 more tweets since you started searching”. Auf der Website des Kurznachrichtendienstes Twitter dominieren die Hashtags #unsereuni, #unibrennt und #audimax seit Tagen die deutschsprachigen Twittercharts, die Vernetzung der österreichweit protestierenden Studenten funktioniert dank der Digitalisierung besser denn je.

Der Protest findet heute nicht nur in den besetzten Hörsälen und auf der Straße, sondern auch online statt – das Internet bietet maximale Erreichbarkeit bei minimalem Aufwand. Ein sogenannter Tweet, eine Nachricht auf Twitter, versehen mit einem Hashtag – ein mit einer Raute gekoppeltes Schlagwort, ähnlich einem Lesezeichen – erreicht tausende Menschen. Unzählige ReTweets – das Wiederholen der Ursprungsnachricht von anderen Usern – können die Folge sein, und so verbreitet sich der Aufruf, sofort in das Audimax zu kommen, in Echtzeit tausendfach.

Die Studierenden nutzen Twitter aktuell nicht nur für Aufrufe und Einladungen, sondern informieren sich untereinander – und damit auch Außenstehende – über die aktuelle Lage in den besetzten Hörsälen, Verläufe und Ergebnisse der Versammlungen oder den aktuellen Stand der Arbeitsgruppen. Solidaritätsbekundungen werden genauso ausgesprochen wie Kritik. Twitterer sind nicht abhängig von einem Computer, ein internetfähiges Handy tut es genauso. Der in das Suchfeld eingegebene Hashtag #unibrennt hat zu Spitzenzeiten durchschnittlich 50 neue Tweets pro Sekunde als Ergebnis zur Folge – ein enormer Informationsfluss, zeitgleich von allen Protest-Hotspots.

Facebook als weltweit eines der größten sozialen Netzwerke im Internet bietet ebenfalls ein fast unerschöpfliches Mobilisierungspotenzial. Binnen kürzester Zeit wurden auf der Plattform Seiten der jeweiligen besetzten Hörsäle eingerichtet. Die Seite “Audimax Besetzung in der Uni Wien – Die Uni brennt!” hatte am Mittwochnachmittag 15.631 Fans, Donnerstagvormittag waren es 17.942. Außerdem online: “Solidarisierung Linzer Uni mit Wiener Audimax-Besetzung”, “Uni Brennt – Salzburg”, “Uni Brennt – Klagenfurt” und “Plattform Unbeschränkt Studieren” der Innsbrucker Uni, sie haben jeweils mehrere hundert Fans – Tendenz steigend.

Eine eigene Website – http://unsereuni.at/ – wurde innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft und wächst täglich weiter. Auf ihr sind die betroffenen Universitäten einzeln gelistet, Zeitpläne, aktuelle Vorgänge, Protokolle der Plenarsäle sowie Solidaritätsbekundungen werden publiziert, und Links zu den Livestreams aus den besetzten Hörsälen wurden gesetzt. Die Web-Übertragungen aus dem Audimax, der Technischen Universität (TU), der Akademie der Bildendenden Künste in Wien sowie dem Hörsaal A und der TU in Graz werden täglich von rund 2.000 Personen verfolgt.

Die Video-Plattform Youtube darf in der Reihe der digitalen Mittel zur Revolution 2.0 natürlich nicht fehlen. Auf die Suche mit Schlagwörtern wie unibrennt oder audimax erhält man Dutzende Videos – aufgenommen in den Hörsälen, bei diversen Aktionen oder während der Demonstration am Mittwochabend. Zudem gibt es auf verschiedenen Foto-Portalen wie Flickr unzählige Alben, online gestellt von Anwesenden, Protestierenden oder Besetzern. Mittendrin statt nur dabei – in verschiedenen Bundesländern und das sogar vom Sofa aus – das Internet macht’s möglich.

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