Streit um geplante Verbauung des Wiener Stephansplatzes

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In Wien bahnt sich ein Konflikt um die geplante Teilverbauung des bedeutendsten Platzes der Hauptstadt an: Die Konzepte für den unterirdischen Neubau der Dombauhütte samt Aufzugsschacht und Domshop riefen am Dienstag die Grünen auf den Plan: Hier werde ohne Diskussion öffentlicher Grund verschenkt, der ohnehin enge Raum verbaut und Blickachsen zerstört.
Laut den Plänen, welche den Grünen vorlägen, solle zwischen Nordseite des Dom und erzbischöflichem Palais ein 30 Meter langer und acht Meter breiter Schacht als Abgang zur Dombauhütte entstehen, klagte Planungssprecherin Sabine Gretner. Dieser solle auch als unterirdischer Zugang zum Diözesanmuseum dienen. Hinter diesem Abgang sei ein 64 Quadratmeter großer und fünf Meter hoher Lift für Klein-Lkw und Personen geplant. Und schließlich solle auch noch ein Souvenirshop die bestehende Dombauhütte ersetzen, die sich derzeit an die Nordflanke der Kathedrale schmiegt.

Dafür müssten die derzeit bestehenden 24 Fiakerstellplätze auf sechs bis acht reduziert werden und dennoch werde die Möglichkeit des Durchgangs für Passanten massiv beschnitten, so die grüne Kritik. Dafür würden auch noch öffentliche Gelder eingesetzt, wobei sich die Gesamtkosten auf bis zu 12 Mio. Euro beliefen, von denen ein Teil durch die Republik und die Stadt getragen würden. “Im Zuge des Umbaus wird das alte Provisorium der Dombauhütte durch eine neue zeitgemäße Lösung ersetzt, die gemeinsam mit dem Domkapitel und der Stadt Wien verwirklicht werden soll”, beschied der Verein “Unser Stephansdom” dazu in einer Aussendung.

Hier bilde sich eine unheilige Allianz zwischen Kirche, Raiffeisen – dessen Generaldirektor Konrad Vorstand des Vereins ist – und Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (V), kritisierten die Grün-Mandatare. Letztere habe den Grünen untersagt, ein 1:1-Holzmodell am Areal aufzustellen, wobei man in der kommenden Woche einen erneuten Versuch unternehmen werde, um die Bauvolumina zu verdeutlichen.

“Wir glauben, dass der Herr Konrad akzeptieren muss, dass die Stadt Wien keine Raiffeisenfiliale ist”, so Gretner. Deshalb sei die öffentliche Diskussion über das Projekt vonnöten. Natürlich sei die Dombauhütte in ihrer derzeitigen Anlage nicht schön, konstatierte der grüne Bezirksobmann Rainer Fussenegger. Aber der geplante Aufzugsturm könne auch in den Höfen des erzbischöflichen Palais blicksicher verborgen werden, anstelle dafür Blickachsen zu zerstören. Die Grünen haben deshalb eine Onlinepetition gegen das Vorhaben gestartet.

“Wir sind noch in der Planungsphase”, wies die Generalsekretärin des Domvereins, Doris Feldbacher, gegenüber der APA Aussagen zu konkreten Zahlen von sich. “Die konkreten Ergebnisse und nächsten Schritte werden der Öffentlichkeit zum ehestmöglichen Zeitpunkt ausführlich bereit stehen”, wird Vereinsobmann Christian Konrad von ihr zitiert. Wie genau der Zeitplan aussehe, könne man derzeit aber wirklich noch nicht sagen, unterstrich Feldbacher. Zunächst müsse man die Erteilung der Baugenehmigung abwarten.

“Die nun geplante zeitgemäße Adaptierung des Platzes an der Nordseite wird das gesamte Erscheinungsbild des Doms aufwerten und völlig neue Perspektiven schaffen”, so Feldbacher in ihrer Aussendung. Bei der Gesamtkonzeption würden auch die Besucherströme optimal gesteuert: “All diese Arbeiten am Nordplatz des Stephansdoms, der auf eine jahrhundertelange Tradition der Weiterentwicklung zurückblicken kann, werden in großem Respekt vor der Geschichte und der Bedeutung des Doms geplant und durchgeführt.”

Auch zahlreiche prominente Vereinsmitglieder werden in der Aussendung als Apologeten des Vorhabens zitiert: “Jede Generation hat seit Bestehen des Doms ihren Anteil zu dessen Erhaltung geleistet. Jetzt sind wir an der Reihe, unseren Beitrag zur Weiterentwicklung von Österreichs größtem Wahrzeichen zu leisten”, bemühte Bürgermeister Michael Häupl (S) die historische Perspektive. Auch Dompfarrer Toni Faber springt dem Vorhaben zur Seite: “Der Stephansdom wurde immer weiterentwickelt und so wie ein Glaube nie zum Stillstand kommen darf, darf auch das wichtigste architektonische Zeichen des Landes und der Kirche nicht stillstehen.”

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