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Strauss-Kahn verliert Rückhalt

Von der Hotelsuite in die Einzelzelle: Während IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wegen Sex-Vorwürfen seine erste Nacht im berüchtigten US-Gefängnis Rikers Island verbrachte, verliert der IWF-Chef in Europa an Rückhalt.
New Yorks Gefängnisinsel Rikers Island
Das wird Strauss-Kahn vorgeworfen
IWF-Chef bleibt in U-Haft
Strauss-Kahn bleibt in U-Haft
"Wusste von seiner Schwäche"
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Zimmermädchen identifizierte
Pressestimmen zur Affäre
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Strauss-Kahn festgenommen
In New York festgenommen
Strauss-Kahn vor Gericht

Finanzministerin Maria Fekter (V) legte ihm den Rücktritt nahe. “Im Hinblick auf die Situation, dass eine Kaution abgelehnt wurde, muss er sich selber überlegen, dass er ansonst der Institution Schaden zufügt”, sagte sie am Dienstag in Brüssel vor Beginn des Ecofin-Rates.

In Frankreich wird über mögliche Verteidigungsstrategien für den 62-Jährigen diskutiert. Die Pariser Tageszeitung “Le Figaro” zitierte am Dienstag einen US-Anwalt, der das völlige Abstreiten eines sexuellen Annäherungsversuchs an ein Zimmermädchen für die am wenigsten wahrscheinliche Option hält. “Er könnte dafür plädieren, dass sie sein Verhalten falsch interpretiert hat, dass er sie nur anmachen wollte und sie das falsch verstanden hat”, sagte der New Yorker Strafrechtsexperte Evan Barr dem Blatt. Auch könne StraussKahn behaupten, dass das Zimmermädchen ebenfalls interessiert gewesen sei.

Der Franzose, der als Nachfolger des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gehandelt wurde, soll am Samstag in einem New Yorker Hotel über eine Angestellte hergefallen sein und versucht haben, sie zu vergewaltigen. Eine Richterin hatte am Montag eine Freilassung StraussKahns auf Kaution abgelehnt.

Von Montag auf Dienstag musste der 62-Jährige daher seine erste Nacht in einem echten Gefängnis verbringen. Die US-Polizei brachte ihn am Montagabend (Ortszeit) in die New Yorker Haftanstalt Rikers Island. Das riesige Gebäude liegt auf einer Insel im East River.

Dort werde der Präsident des Internationalen Währungsfonds (IWF) zumindest bis zum nächsten Gerichtstermin am Freitag eine etwa dreieinhalb mal vier Meter große Einzelzelle bewohnen, sagte ein Sprecher der Gefängnisbehörde dem US-Sender CNN. Bisher war er in einer Polizeieinrichtung für Opfer von Sexualverbrechen im Stadtteil Harlem untergebracht.

StraussKahn werde keinen Kontakt zu anderen Gefangenen haben, da er als berühmte Persönlichkeit gesehen werde, sagte der Sprecher, der namentlich nicht genannt werden wollte. Auf Rikers Island sind weitere rund 14.000 Männer und Frauen inhaftiert, die eines Gewaltverbrechens oder anderer in New York City begangener Straftaten beschuldigt werden oder bereits dafür verurteilt wurden.

Hat Strauss-Kahn schon einmal eine Frau angegriffen?

Unterdessen prüft die New Yorker Justiz, ob der IWF-Chef möglicherweise schon einmal eine Frau angegriffen hat. Es gebe entsprechende Hinweise, hieß es am Montag von der Staatsanwaltschaft. Der frühere Fall soll sich zwar außerhalb der USA abgespielt haben, aber – zumindest in groben Zügen – dem aktuellen Vorwurf gleichen. “Einige Informationen beinhalten Hinweise, dass er tatsächlich schon einmal ähnlich gehandelt hat wie in dem Fall, der ihm jetzt zur Last gelegt wird”, sagte John McConnell von der Staatsanwaltschaft der “New York Times”.

Der frühere “Le Monde”-Chefredakteur Daniel Vernet hält die politische Karriere StraussKahns nach den Vergewaltigungsvorwürfen für beendet. Der Prozess in den USA könne mehrere Monate oder auch Jahre dauern, sagte der Publizist im Deutschlandfunk. “Es geht in diesem Fall nicht um Affäre, Seitensprung und so weiter, sondern es geht um kriminelle Taten.” Daher sei die Empörung und Überraschung in StraussKahns Heimat und anderswo so groß. Der Fall sei “ein Schlag für Frankreich”.

Vorwürfe gegen Strauss-Kahn von “außergewöhnlicher Schwere”

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy wollte sich am Dienstag nicht zu den Vorwürfen gegen den IWF-Chef äußern. “Ich gebe keinen Kommentar zu laufenden Rechtsverfahren ab”, sagte Van Rompuy bei einem China-Besuch vor Journalisten in Peking. Die spanische Finanzministerin Elena Salgado sagte in der belgischen Hauptstadt: “Die Solidarität, zumindest meine, gilt der Frau, die eine Aggression erlitten hat, wenn es so war.” Ihrer Ansicht nach seien die Vorwürfe gegen StraussKahn von “außergewöhnlicher Schwere”.

Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker hatte am späten Montagabend vor Vorverurteilungen gewarnt und Diskussionen um eine Nachfolge StraussKahns kritisiert. Sowohl die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Belgiens Finanzminister Didier Reynders hatten zuvor erklärt, der IWF-Chefposten solle wieder mit einem Europäer besetzt werden. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sagte am Montag während eines Aufenthaltes in den Niederlanden: “Ich will nicht spekulieren. Aber wenn eine Nachfolge notwendig wird, sollten die Länder der Europäischen Union einen Kandidaten aufstellen.”

StraussKahn werden sechs Straftaten zur Last gelegt. Allein für die schwerste Anschuldigung – sexuelle Belästigung ersten Grades – drohen ihm 25 Jahre Haft. Zudem werden ihm versuchte Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und Nötigung vorgeworfen. Das angebliche Opfer ist ein 32-jähriges Zimmermädchen eines New Yorker Hotels, in dem StraussKahn abgestiegen war.

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