Strafvollzug: Psychiatrische Betreuung junger Häftlinge gefährdet

Die fachgerechte psychiatrische Versorgung jugendlicher Häftlinge in den Justizanstalten Wien-Josefstadt und Gerasdorf ist gefährdet. Das machte Max Friedrich, Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters am Wiener AKH, am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz publik.

Die beiden Ärztinnen, die bisher die Jugendlichen betreut haben, sind vom Justizministerium mit Jahresende 2007 gekündigt worden. Sie sollen nun auf Werkvertragsbasis weiterarbeiten.

“Das ist nicht akzeptabel. Jugendliche Häftlinge sind ein sensibles Krankengut. Die laufenden Verträge der beiden Psychiaterinnen aufzukündigen und als neue Lösung diesen ausgewiesenen Expertinnen einen Werkvertrag anzubieten, ist untragbar”, sagte Friedrich. Sollte das Ministerium an dieser Absicht festhalten, könnte zumindest Gerasdorf – dort sind ausschließlich Burschen und junge Männer bis zum 21. Lebensjahr untergebracht – die bisher dort tätige Fachkraft verlieren: Die Ärztin hat sich bereits anderweitig nach einer adäquaten beruflichen Tätigkeit umgesehen und ist auch fündig geworden. Auch die zweite Expertin, die an der renommierten Universität Stanford ihr Fachwissen erweitert hat, will unter diesen Bedingungen nicht weitermachen.

“Es kann nicht sein, dass man für den Strafvollzug in freier Wildbahn nach Jugendpsychiatern sucht und solche beschäftigt, die sich nebenbei als freie Mitarbeiter stundenweise um die Insassen kümmern”, betonte Friedrich. Er hält es außerdem für ausgeschlossen, dass solche überhaupt gefunden werden: “In Österreich fehlen 100 Kinder- und Jugendpsychiater. Es gibt am freien Markt keine Kräfte, die die komplexe Arbeit im Gefängnis leisten könnten.”

Bisher hatte das Justizministerium die Kosten für die zwei Assistenzärztinnen getragen, die sich 20 Stunden pro Woche der jugendlichen Gefangenen annahmen. Dem Vernehmen nach wurde das mit der Begründung eingestellt, dass es sich dabei um eine “Quersubvention” vom Justiz- zum Wissenschaftsministerium handle. Für Max Friedrich eine “sachlich nicht nachvollziehbare Sichtweise”, wie er darlegte.

Auch Harald Schopper, der ärztliche Leiter der Krankenabteilung in der Justizanstalt Wien-Josefstadt, zeigte sich von den jüngsten Entwicklungen wenig angetan. “Das trifft mich schwer”, stellte er fest. Die Betreuung der Jugendlichen – in der Justizanstalt Wien-Josefstadt gibt es für diese Gruppe seit der Auflösung des Jugendgerichtshofs eine eigene Abteilung – sei ein “wichtiger Auftrag, um die Rückfallhäufigkeit zu senken und Zukunftsperspektiven für die Betroffenen zu entwickeln”.

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