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Stillleben - Kritik zum Film

Der österreichische Jungregisseur Sebastian Meise hat am Mittwoch auf dem 59. Internationalen Filmfestival in San Sebastian mit "Stillleben" sein Spielfilmdebüt gefeiert. Großen Jubel hat es seitens des Publikums in der nordspanischen Küstenstadt nicht gegeben. Das könnte allerdings weniger an der Qualität des Films liegen, der heuer auch als einziger österreichischer Spielfilmbeitrag bei der Viennale laufen wird, als viel mehr an seinen etwas anderen Blick auf das schwierige und bedrückende Thema Pädophilie. Alle Spielzeiten auf einen Blick


“Stillleben” handelt von einer Familie, die in sich zusammenbricht, als der erwachsene Sohn Bernhard entdeckt, dass sein Vater pädophile Gedanken gegenüber seiner ebenfalls bereits erwachsenen Schwester bei Prostituierten auslebt. Der Gedanke, der Vater könnte die Schwester in der Vergangenheit sexuell missbraucht haben, treibt Bernard dazu, der ganzen Familie das schockierende Geheimnis des Vaters zu enthüllen, obwohl dieser sich niemals an der Tochter vergriffen hat.

“Stillleben”-Regisseur Sebastian Meise: “Machen Gedanken schuldig?”

“Machen Gedanken schon schuldig? Die Frage danach, wo die Schuld beginnt, ist beim Thema der Pädophilie nicht irrelevant”, sagt Regisseur Sebastian Meise auf dem Festival von San Sebastian im Gespräch mit der APA. Jeder würde vermutlich sagen, dass ein pädophil veranlagter Mensch nicht in einem Kindergarten arbeiten dürfe. Das Risiko wäre zu hoch, auch wenn er noch so oft betonen würde, seine Neigungen unter Kontrolle halten zu können. “Doch wo zieht man die Grenze? Muss sich ein Pädophiler aus einer Gesellschaft, in der es ja auch viele Kinder gibt, gänzlich zurückziehen? Muss er sich einsperren lassen?” fragt sich der österreichische Filmemacher, der mit “Stillleben” die Wiener Filmakademie abschließt.

Da Pädophile wüssten, dass sie von uns in der Regel als tickende Zeitbombe angesehen werden, setzen sie alles daran, ihre Fantasien geheim zu halten und könnten damit vielleicht sogar zu einer noch größeren Gefahr werden, gibt Meise zu Bedenken. Vor allem bei dem Thema Pädophilie fand er faszinierend, wie der Grundsatz des freien Menschen beginnt, ins Wanken zu geraten. Der Vater werfe im Film hingegen die Frage auf, ob er überhaupt ein Vater sein darf, wenn er solche Gedanken hat? “Dabei stellt sich für die Familie und für den Vater nicht nur die Frage nach der möglichen Gefahr für das Kind, sondern auch nach der grundsätzlichen Fähigkeit des Vaters zu väterlicher Liebe”, so Meise.

So wie das dunkle Geheimnis des Vaters die Familie schockt, war auch Regisseur Sebastian Meise “entsetzt darüber, wie wenig ich selber über das Thema wusste und nie eine Differenzierung zwischen Pädophilie als sexuelle Neigung und dem eigentlichen Missbrauch gemacht habe”, verdeutlicht Meise die Motive, sein Filmdebüt ausgerechnet diesem Thema gewidmet zu haben. Er gibt zu, die Problematik – wie viele andere auch – für sich selbst irgendwie immer tabuisiert zu haben. Angestoßen wurde das Filmprojekt, mit dem der 35-jährige Kitzbühler nun in San Sebastian um den mit 90.000 Euro dotierten Preis für Nachwuchsregisseure wetteifert, durch Untersuchungen der Berliner Charite vor einigen Jahren. Ein Forschungsprojekt des Krankenhauses ergab, dass in Deutschland rund 300.000 Menschen pädophile Neigungen haben. Eine erschreckende Zahl, welche für Meise die Frage aufwarf, wie die Gesellschaft mit solchen Menschen umgehen muss.

“Ich denke, die Pädophilie ist ein zeitloses, globales und sich durch alle Gesellschaftsschichten ziehendes Problem. Doch erst durch die jüngsten, medial ausgeschlachteten Missbrauchsfälle in der Kirche haben den Wunsch geweckt, gesellschaftlich eine Lösung zu finden”, sagt Meise. Wie man aber tatsächlich mit den betroffenen Menschen umgehen soll, sei nach wie vor ungeklärt und auch die Unterscheidung zwischen Neigung und Tat bestehe für viele immer noch nicht. Trotz seiner eingehenden Auseinandersetzung durch den Film habe auch er noch keine persönliche Einstellung zum Thema finden können. Genau dies wollte er eigentlich auch im Film zeigen – das Problem vieler Menschen, sich zum Thema Pädophile zu positionieren.

“Wie verhält man sich gegenüber Pädophilen, die kein Verbrechen begangen haben? Sie sind rechtlich unschuldig, aber moralisch nicht.” Diese schwammigen Grenzen zwischen Missbrauch, Schuld und Pädophilie wollte er mit der Hilflosigkeit der Familienangehörigen zeigen. Er habe dabei die Geschichte bewusst im “Mikrokosmos” einer Familie spielen lassen. Denn während sich die Gesellschaft um das Tabu-Thema immer noch gerne drückt, sind die Mitglieder innerhalb der betroffenen Familien zur Auseinandersetzung gezwungen.

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