Österreich muss gegen Spanien Lehrgeld bezahlen

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Die österreichische Fußball-Nationalmannschaft hat das Länderspieljahr 2009 mit einem Debakel beendet. Die ÖFB-Auswahl musste sich am Mittwoch vor 32.000 Zuschauern im Happel-Stadion Spanien mit 1:5 (1:3) geschlagen geben.
"Junger Weg" bleibt steinig
ÖFB-Ergebnisse im Jahr 2009
Österreich - Spanien 1:5

Jantscher brachte die Truppe von Dietmar Constantini zwar in Führung (8.), dann aber zeigte der Europameister seine Klasse und fuhr dank Treffern von Fabregas (10.), Villa (20., 45.), Güiza (55.) und Pablo Hernandez (57.) einen ungefährdeten Erfolg ein.

Für die Österreicher reichte es in den neun Partien dieses Jahres zu drei Siegen, einem Remis und fünf Niederlagen. Die Spanier schraubten ihre Bilanz seit 2007 auf 40 Siege, 3 Remis und 1 Niederlage. Der Erfolg an der Stätte ihres EM-Triumphes, wo die Iberer von den österreichischen Fans mit einer großflächigen Choreographie empfangen wurden, zählte zur Kategorie der einfacheren Sorte.

Dabei erwischten die Österreicher einen Traumstart. In der 8. Minute setzte sich Wallner gegen zwei Verteidiger durch und spielte für Jantscher auf, dessen Direktschuss aus rund 15 Metern über Casillas ins Tor ging, weil Ramos entscheidend abfälschte. Der Hauch einer Sensation lag aber nur kurz über dem Prater und wurde schnell vom spanischen Offensivwirbel verblasen.

Leitgeb sprang in der 10. Minute der Ball vom Fuß, Silva schaltete schnell und spielte einen Idealpass auf Fabregas, der Gratzei (der Sturm-Goalie stand im Tor, weil Payer nach seiner Erkrankung noch nicht richtig fit war) keine Chance ließ. Danach zogen die Spanier, die mit Villa, Iniesta, Xavi oder Fabregas fast alle Stars ins der Anfangsformation aufboten, ihr berüchtigtes Kurzpassspiel auf und ließen Ball und Gegner laufen. Iniesta bediente in der 20. Minute Villa, Scharner rutschte daneben und der Valencia-Goalgetter war aus kurzer Distanz zur Stelle.

In der 22. Minute musste sich Gratzei bei einem Weitschuss von Iniesta strecken, fünf Minuten später brannten bei Pehlivan nach ständigem Im-Kreis-Laufen die Sicherungen durch: Der Rapidler fällte Busquets mit einer rüden Attacke an der Mittellinie, was ihm die Rote Karte durch den deutschen Schiedsrichter Meyer einbrachte.

Am Spielverlauf änderte sich dadurch erwartungsgemäß nichts. Die spanische Überlegenheit blieb erdrückend, bei Chancen von Villa (28.) und Silva (35.) entkamen die Österreicher einem höheren Rückstand. Kurz vor der Pause schlugen die Gäste dann doch noch einmal zu. Silva setzte Villa ein, diesmal kam Dragovic zu kurz, Gratzei war zu langsam am Boden und Villa erzielte seinen 35. Treffer im 54. Länderspiel.

In der Pause wurden neben dem Star-Stürmer unter anderem auch Iniesta, Xavi und Silva ausgewechselt, deren Ersatzmänner zeigten aber nicht weniger Klasse. In der 55. Minute vergaß Fuchs nach einer längeren Ballstafette auf Güiza, der den überraschten Gratzei vom Fünfer bezwang. Zwei Minuten später traf der ebenfalls eingewechselte Pablo Hernandez nach Vorlage von Navas zum 5:1 für den WM-Titelanwärter.

In der Folge ließen die Spanier Gnade walten, gefährlich wurde es nur noch bei einem von Dragovic abgefälschten Güiza-Schuss. Die Österreicher wiederum verzeichneten mit Ausnahme des Tores keine echte Einschussmöglichkeit. Damit setzte es für die ÖFB-Elf die höchste Heimniederlage in diesem Jahrtausend und die höchste Schlappe seit dem 0:5 im WM-Play-off im November 2001 in der Türkei.

Das Publikum ließ sich angesichts der eklatanten Überlegenheit der Gäste vom Debakel nicht die Laune verderben. Pfiffe für die eigene Mannschaft waren nicht zu hören, dafür schwappte des öfteren die Welle durchs Stadion.

Dietmar Constantini (ÖFB-Teamchef): “Es war ein Lehrspiel, auf der anderen Seite haben wir uns vier Tore selber gemacht. Wir haben gegen eine Klassemannschaft zu viele Fehler gemacht. In der zweiten Hälfte war mit einem Mann weniger nicht mehr zu machen. Dem Schiedsrichter kann ich keinen Vorwurf machen, international ist so ein Bodycheck aber keine Rote Karte. Wir waren um eine Klasse schwächer als die Spanier. Nach dem 1:5 hat es noch schlimmer ausgeschaut, aber das haben wir abwenden können. Wir haben gegen so eine Mannschaft wieder Stellungsfehler gemacht und phasenweise mit einem Mann weniger offensiv gespielt, das wird natürlich bestraft. Am Anfang war es o.k., mit einem Mann weniger hatten wir keine Chance.”

Jakob Jantscher (ÖFB-Torschütze): “Wir haben uns vorgenommen, aggressiv an den Mann zu gehen und haben auch gut begonnen. Wir haben aber postwendend das 1:1 bekommen und die Rote Karte ist den Spaniern zu Gute gekommen. Schlussendlich haben wir keine Chance gehabt. Über mein Tor habe ich mich leider nicht so lange freuen können, es war ein super Gefühl, aber das war es dann auch schon. Wir haben gewusst, das Spanien eine super Mannschaft ist, sie haben ihre Chancen eiskalt ausgenützt, wir haben verdient verloren.”

Christian Gratzei (ÖFB-Teamgoalie): “Spanien hat uns aufgezeigt, an was es uns fehlt. Das war einiges. Die Spanier spielen sehr einfach, nicht kompliziert, lassen den Ball gut laufen, spielen über die Flügel und sehr schnell. Sie sind Weltklasse-Fußballer.”

Paul Scharner (ÖFB-Teamkapitän): “Wir haben nur in den ersten paar Minuten halbwegs mitspielen können. Mit einem Mann weniger war es schwierig, reüssieren zu können. Sie haben fast 90 Minuten eine “Hösche” mit uns gespielt, wir waren chancenlos. Man sieht wie weit wir noch weg sind von der Weltspitze, wir haben die Bestätigung bekommen, was wir noch alles arbeiten müssen. Ich will das Match aber nicht überbewerten, Spanien ist eine Klasse für sich.”

Fußball-Testspiel
Österreich – Spanien 1:5 (1:3)
Ernst-Happel-Stadion, 32.000, SR Florian Meyer/GER

Torfolge: 1:0  (8.) Jantscher, 1:1 (10.) Fabregas, 1:2 (20.) Villa, 1:3 (45.) Villa, 1:4 (55.) Güiza, 1:5 (57.) Pablo Hernandez

Österreich: Gratzei – Garics, Dragovic, Scharner, Fuchs  – Hölzl (46. Patocka), Leitgeb (37. Baumgartlinger), Pehlivan, Jantscher (60. Kavlak)- Janko (62. Hoffer), Wallner (68. Alaba)
Spanien: Casillas (46. Reina) – Ramos, Albiol, Marchena, Arbeloa – Fabregas, Busquets (60. Iraola), Xavi (46. Pablo Hernandez) – Silva (46. Negredo), Villa (46. Güiza), Iniesta (46. Navas)

Gelbe Karten: Wallner bzw. Busquets, Fabregas
Rote Karte: Pehlivan (27./Foul)
Die Besten: Wallner bzw. Iniesta, Xavi, Villa, Fabregas, Güiza

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