Stephansdom "verliert" Gerüst

Ein weiteres Kapitel in der scheinbar unendlichen Geschichte der Stephansdom-Renovierung steht kurz vor dem Abschluss: Nach zweijährigen Sanierungsarbeiten erstrahlt die Spitze des großen Turms, die etwa 47 Meter misst, nun in neuem Glanz.

Am heutigen Freitag werden die letzten Gerüstelemente am Südturm abgebaut, sagte Dombaumeister Wolfgang Zehetner. Jetzt erfolgt die Instandsetzung des untersten Abschnitts.

Die Kosten für die frisch renovierte Domspitze beliefen sich laut Zehetner auf knapp 2,5 Mio. Euro. Dabei wurde unter anderem die Oberfläche des Sandkalkgesteins gereinigt, neue Fugen gemacht oder Mörtelauftragungen getätigt. Teile des Gesteins mussten zudem ausgewechselt werden. Auch Kleinigkeiten wie ein Blitzschutz wurden installiert. Neben dem 1433 fertiggestellten Kirchensegment wurde auch die darauf befindliche Turmbekrönung saniert. Das 200 Kilogramm schwere, gänzlich vergoldete Kreuz samt Schmuckwerk war bereits Mitte Oktober per Hubschrauber an seinen angestammten Platz in 137 Metern Höhe geflogen worden.

“Der Südturm ist sowieso ein kritischer Bestandteil des Doms”, bekundete der Dombaumeister. Dessen Sanierung begann bereits 1997. Zuerst wurde der Bereich zwischen 60 und 90 Metern Höhe in Angriff genommen. Schäden an einem der zwölf sogenannten Fialtürme seien nach dem Zweiten Weltkrieg nur oberflächlich durch eine dünne Steinverkleidung behoben worden: “Darunter war das Material schon völlig mürbe – ein Sandhaufen sozusagen”, weshalb akute Absturzgefahr bestanden habe.

Die Arbeiten am Mittelteil der Südturms wurden vor rund zweieinhalb Jahren beendet. Dabei habe man sich entschlossen, sich gleich auch um das oberste Drittel zu kümmern. Während nun dort also die letzten Gerüstteile abmontiert werden, ist einstweilen der untere Teil des Südturm zur Baustelle avanciert. “Das wird uns noch die nächsten vier bis fünf Jahre beschäftigen”, so Zehetner. Dabei handelt es sich um den Abschnitt bis 60 Meter Höhe.

Dieser sei besonders aufwendig zu sanieren, da hier der Anteil des Originalbestands noch sehr groß ist. Durch Witterungseinflüsse verkrustete Oberflächenteile müssen mit einem speziellen Laser gereinigt werden. Außerdem gebe es hier aufwendigere Verzierungen. Gearbeitet wird seit einiger Zeit auch an der Westfassade des Touristenmagnets. Diese wird bis Mitte 2009 eingerüstet sein. Darüber hinaus gebe es laufend vereinzelte Stellen, die ausgebessert und gepflegt werden müssten, betonte der Dombaumeister. Auf einen gänzlich gerüstfreien Stephansdom wird man somit wohl noch länger warten müssen.

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