Starke Russen im Viertelfinale

Russland hat sich am Mittwochabend mit einem souveränen 2:0 (1:0) in Innsbruck als letzte Mannschaft für das Viertelfinale der EURO 2008 qualifiziert.   | Meinungen

Roman Pawljutschenko und der beim Comeback nach Sperre groß aufspielende Andrej Arschawin erzielten im mit 30.772 Zuschauern ausverkauften Tivoli-Stadion die Tore für die “Sbornaja”. Für deren Erfolgscoach Guus Hiddink kommt es damit am Samstagabend in Basel zu einem Duell mit seiner Heimat Niederlande, die nach souveränen Siegen über Weltmeister Italien (3:0), Vizeweltmeister Frankreich (4:1) und Rumänien (2:0) als EM-Topfavorit gilt.

Nicht nur unter den Tausenden russischen Fans im Stadion, sondern auch im größten Land der Welt war die Stimmung nach dem Premiere-Sieg über Schweden – bisher hatte nur die Sowjetunion Erfolge über die Blau-Gelben gefeiert – ausgelassen. Denn schließlich gelang es einem russischen Team erstmals nach dem Zerfall der Sowjetunion, in einem Fußball-Großereignis die Gruppenphase zu meistern.

Für Hiddink ist der Aufstieg dagegen “business as usual”, hat der 61-jährige Niederländer doch bisher mit all seinen Nationalteams stets die “K.o.-Phase” in Welt- und Europameisterschaften erreicht: Als Bondscoach seiner Heimat stand er mit “Oranje” im EM-Viertelfinale 1996 und WM-Halbfinale 1998, mit WM-Gastgeber Südkorea zog er 2002 ebenfalls sensationell ins Semifinale ein, und vor seinem Russland-Engagement gelang ihm mit Australien 2006 der Sprung ins Achtelfinale.

Für Schweden, WM- und EM-Dauergast im neuen Jahrtausend, kam dagegen erstmals seit der EURO 2000 bereits in der Gruppenphase das K.o. Langzeit-Coach Lars Lagerbäck, seit 2000 im Amt, wird trotzdem weitermachen. Der bald 60-Jährige hatte bereits vor der EURO in Österreich und der Schweiz seinen Kontrakt mit dem schwedischen Verband um zwei weitere Jahre verlängert, sein nächstes großes Ziel lautet nun die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika. Für seinen 36-jährigen Superstar Henrik Larsson war es dagegen das Abschiedsspiel im Teamdress.

Trainerfuchs Hiddink begann wie erwartet mit nur einer Umstellung im Vergleich zum 1:0-Sieg gegen Titelverteidiger Griechenland. Der nach seiner Sperre für die ersten beiden EM-Partien wieder einsatzberechtigte Spielmacher Arschawin kam anstelle von Dmitri Torbinski in die sehr offensiv eingestellte Startelf. Bei den Schweden gab es überhaupt keine Veränderung nach der 1:2-Niederlage gegen Gruppensieger Spanien, Lagerbäck setzte wieder auf eine eher vorsichtigere Variante, da den Skandinaviern bereits ein Remis zum Aufstieg gereicht hätte.

Zur Freude der Zuschauer, unter denen sich auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der schwedische Kronprinz Carl Philip, Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt, Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow, der russische Oligarch und Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch sowie Dick Advocaat, der niederländische Trainer von UEFA-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg, befanden, entwickelte sich eine interessante Partie, die von Beginn weg die unter Siegzwang stehenden Russen, die das jüngste EURO-2008-Team stellen, gegen die älteste Mannschaft des Turniers eindeutig dominierten. Vor allem Arschawin ließ gleich in der Anfangsphase seine Weltklasse aufblitzen und war ein ständiger Unruheherd für Schwedens Abwehr.

Der 27-Jährige hatte in der 13. Minute nach einer Anjukow-Flanke trotz seiner bescheidenen Körpergröße von 1,72 m die erste große Kopfball-Möglichkeit. Kurz danach erwischte er einen scharfen Pass zur Mitte schlecht (15.), wiederum 90 Sekunden später verzog er bei einem Weitschuss (17.), und in der 21. Minute überlistete er beinahe Schwedens-Schlussmann Isaksson mit einer gewollten Schussflanke. Nach dem folgenden Eckball feuerte der unermüdliche linke Außenverteidiger Juri Schirkow einen Gewalt-Volleyschuss ab, der nur um Zentimeter sein Ziel verfehlte (21.).

Das permanente Powerplay der Russen wurde in Minute 24 verdientermaßen belohnt: Nach einer blitzschnell vorgetragenen Attacke über rechts spielte Syrjanow auf Anjukow, dessen Ideal-Pass Torjäger Roman Pawljutschenko eiskalt zum 1:0 verwertete. Nur zwei Minuten später hatte Biljaletdinow schon die Riesenchance auf das 2:0, sein Schuss im Fallen ging aber daneben. Im Gegenzug folgte die erste Schweden-Möglichkeit, als ein Kopfball von “Oldie” Larsson an der Oberkante der Latte landete (27.).

Gleich im Anschluss waren aber wieder die Russen am Zug, diesmal hielt Isaksson den Schuss von Biljaletdinow (28.). In der 36. Minute donnerte ein Pawljutschenko-Schuss ans Lattenkreuz, den nachfolgenden Syrjanow-Kopfball wehrte der Schweden-Tormann in extremis zum Corner ab. Erst im Finish von Hälfte eins wachten die Schweden auf, doch bei Schüssen von Ljungberg (43.) und Elmander (46.) war der erneut starke “Sbornaja”-Schlussmann Akinfejew auf dem Posten.

Nach dem Wechsel versetzte Arschawin den “alten Schweden” endgültig den Todesstoß: Wieder ging es blitzschnell, diesmal über links. Schirkow spielte im Strafraum ideal für den Zenit-St.-Petersburg-Superstar auf, der im Rutschen das 2:0 besorgte. Danach spielten die Russen den historischen und hochverdienten Erfolg über die harmlosen Schweden sicher nach Hause.

Die Skandinavier waren mit diesem Resultat noch extrem gut bedient, denn in Minute 80 landete ein Syrjanow-Schuss noch an der Stange, und Pawljutschenko ließ zwei Sitzer aus (81. Kopf/Isaksson hält, 82./daneben). Die letzten guten Szenen gehörten wieder Arschawin, doch er fand in Isaksson, den mit Abstand besten Schwede an diesem Abend, seinen Meister (89.).

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