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Starfotograf Toscani: "Ich hasse künstlerische Fotografie"

Starfotograf Oliviero Toscani vor seinem Bild "Kissing Nun" in Wien
Starfotograf Oliviero Toscani vor seinem Bild "Kissing Nun" in Wien ©APA
"Ich hasse künstlerische Fotografie! Wenn etwas nicht gut genug ist, um veröffentlicht zu werden, kommt es in ein Museum." Mit pointierten Aussagen zum Thema "Was darf Fotografie?" empfing der italienische Starfotograf Oliviero Toscani am Donnerstagnachmittag Pressevertreter, bevor er im Kunsthaus Wien im Rahmen der Ausstellung "Kontroversen. Justiz, Ethik und Fotografie" (bis 20. Juni) an einer Podiumsdiskussion teilnahm.

“Diese Ausstellung ist sehr interessant”, streute Toscani, der in der 80er und 90er Jahren vor allem durch seine kontroversen Fotos für “Benetton”-Werbekampagnen für Aufregung sorgte, dem Kurator Andreas Hirsch Rosen. “Ich sehe zum ersten Mal eine Ausstellung, die nichts mit Ästhetik zu tun hat.” Seiner Ansicht nach könne man “in einem Gemälde nicht kontrovers sein. Seine Wahrheit wird nicht diskutiert.” Über Grenzen des Geschmacks, der Ethik und der Moral wolle er gar nicht einmal sprechen: “An dem Tag, an dem wir wirklich zivilisiert sind, können wir jedes Bild anschauen”, so der knappe Kommentar auf eine Frage aus dem Auditorium, die auf den von Toscani fotografierten sterbenden Aidskranken abzielte.

Fotografie sei das “einzige Medium, das Kraft auf den Betrachter ausübt”, so Toscani. Das könne zum Beispiel das Fernsehen nicht leisten. “Am nächsten Tag kann ich mich an die Bilder in den Nachrichten nicht mehr erinnern. Der Eindruck von einem Foto bleibt.” Ein einziges Foto könne dagegen “vernichtender sein als eine ganze Armee”, so der Fotograf.

Auch aktuelle Fragen wie (digitale) Bildmanipulation oder Urheberrecht lassen Toscani in gewissem Sinne kalt: “Manipulation gehört zur Realität. Solange das Bild stark ist, ist es mir egal. Man sieht das Bild trotzdem durch das Auge eines anderen.” Auch die Urheberrechts-Frage gehe ihm auf die Nerven: “Ich bin gegen privates Urheberrecht. Es sollte ein öffentliches Urheberrecht geben”, so Toscani vehement. Er selbst würde nicht aufs Geldverdienen achten: “Manchmal gebe ich meine Bilder auch gratis her, das kommt immer drauf an, wer etwas von mir will.” Um Originale kümmere er sich nicht. Auch das in der Ausstellung gezeigte Bild “Kissing Nun” sei eine Kopie. “Ich weiß nicht mal, wo das Original hin ist.”

Der vielfach geäußerte Vorwurf, er wolle nur provozieren, sei für ihn nicht negativ: “Provokation ist ein gutes Wort. Kunst muss provozieren. Sie provoziert Interesse, Aufmerksamkeit und vielleicht eine Veränderung von Ansichten.” Auch Paparazzi-Fotos wie etwa jenes in der Schau vorhandene letzte Bild von Prinzessin Diana verteidigt Toscani: “Paparazzi sind genauso Fotografen wie alle andern. Sie dokumentieren Realität in dem Moment, wo sie passiert.”

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