Städte und Gemeinden noch weit entfernt von Geschlechter-Gleichstellung

Von der Gleichstellung der Geschlechter ist man in vielen Bereichen noch weit entfernt
Von der Gleichstellung der Geschlechter ist man in vielen Bereichen noch weit entfernt ©Pixabay (Sujet)
Anlässlich des Frauentages werden Daten verglichen: Die heimischen Städte und Gemeinden sind noch weit weg von einer umfassenden Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen.

Das hat der erste vom Städtebund beauftragte Gleichstellungsindex ergeben. Das SORA-Institut hat dazu Daten aus allen 2.094 Gemeinden bzw. den Wiener Bezirken gesammelt. Ergebnis: Der Indexwert liegt insgesamt bei 51 von 100 Punkten. Defizite gibt es etwa in Bereichen wie Gewaltschutz und Repräsentation.

Analyse in Bereichen Politik, Gewaltschutz, Mobilität, Gesundheit und Pflege, Bildung und Kinderbetreuung

Untersucht wurden eine Reihe von Faktoren. Neben einer Analyse der Felder Politik und Gewaltschutz wurde etwa auch recherchiert, wie es um die Mobilität, den Bereich Gesundheit und Pflege, die Bildung oder die Kinderbetreuung bestellt ist. Der Wert 100 wurde auf diesen Gebieten vergeben, wenn nationale Ziele (zum Beispiel Kinderbetreuungsquoten) erreicht werden oder anteilsmäßige Gleichstellung etwa in politischen Gremien besteht. Laut Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger und Janine Heinz vom SORA-Institut gibt es deutliche regionale Unterschiede und auch Bereiche, in denen der Aufholbedarf höher ist als in anderen.

Frauen-Anteil in der Politik

Negativ sticht etwa der Repräsentations-Index - mit einem Wert von 35 - hervor. In den Gemeinderäten beträgt der Frauenanteil im Durchschnitt nur 24 Prozent. In 40 Kommunen ist dort überhaupt keine einzige Frau vertreten. Nur in zwölf Gemeinden und acht Wiener Bezirken gibt es einen Anteil von 50 Prozent. In 71 Prozent der Fälle ist der Bürgermeister und sein Stellvertreter männlich. Diese Doppelkombination in der weiblichen Variante gibt es gerade in 0,3 Prozent der Gemeinden.

Der Index in Sachen Gewaltschutz liegt bundesweit bei ebenfalls vergleichsweise niedrigen 42 Punkten. Hier fällt etwa ins Gewicht, dass es in 76 Prozent der Bezirke kein Frauenhaus gibt. Solche sind eher in den Landeshauptstädten zu finden. Dies, so wurde heute betont, stellt aber häufig eine Hürde für Frauen im ländlichen Raum dar, die generell weniger mobil sind als Männer. Mobilität, so hieß es, sei überhaupt ein wichtiger Faktor, um Gleichstellung zu befördern.

Kinderbetreuung: Nicht selten zuwenig Angebot

In 38 Prozent der Gemeinden gibt es auch kein Betreuungsangebot für Kids unter drei Jahren. Bei den älteren Kindern sei die Situation inzwischen aber deutlich besser, wurde betont. Angemerkt wurde, dass in Gemeinden ohne eigene Einrichtungen oft Kooperationen mit Nachbargemeinden bestünden. Die Teilzeitquote ist ebenfalls aussagekräftig: Sie liegt bei den Frauen bei 55 Prozent. Hingegen sind nur zehn Prozent der berufstätigen Männer nicht Vollzeit beschäftigt.

Frauen-Quoten: Urbane Regionen schneiden besser ab

Gezeigt hat sich laut den Initiatoren des Projekts, dass urbane Regionen besser abschneiden. Je mehr Einwohner es gibt, desto höher ist demnach die Gleichstellung. Aber es finden sich, so wurde ausdrücklich erwähnt, auch kleinere Gemeinden wie St. Lorenzen im Mürztal oder Vöcklamarkt im Spitzenfeld. Im Bundesländervergleich führt Wien vor Vorarlberg und Salzburg. Das Schlusslicht bildet Kärnten hinter Niederösterreich.

Man wolle aber nicht bessere gegen schlechtere Regionen stellen, wurde versichert. "Es geht nicht darum, jemanden an den Pranger zu stellen", beteuerte Weninger. Vielmehr wolle man generell Defizite aufzeigen - und das künftig auch über Zeiträume. Denn eine Weiterführung des Index sei geplant, hieß es. In der nächsten Ausgabe wird dann auch die Zeit der Corona-Pandemie umfasst sein. Diese ist in der erste Ausgabe noch nicht abgebildet, da die Zahlen aus der Zeit unmittelbar davor stammen.

(APA/Red)

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