Staatsoper: Abschiedsgala für Ioan Holender

Staatsoperndirektor Ioan Holender nimmt Abschied
Staatsoperndirektor Ioan Holender nimmt Abschied ©APA
Die "Musikalische Rückschau" auf die 19-jährige Direktionszeit von Ioan Holender in der Staatsoper begann mit der von Zubin Mehta dirigierten "Rienzi"-Ouvertüre und ging mit einer Arie aus "Macbeth" zu Ende.
Abschiedsgala für Ioan Holender in der Staatsoper

Die Liste der unentgeltlich auftretenden Künstler war beeindruckend lang: 52 Sängerinnen und Sänger und 12 Dirigenten. Holender begrüßte nach der Ouvertüre das Publikum “zum vermutlich längsten Abend der längsten Staatsopern-Direktion”. Immerhin würde in weitgehend chronologischer Folge an “lediglich” 40 der 93 Premieren seiner Direktion in Ausschnitte erinnert. Die musikalische Rückschau wurde von Einblendungen kurzer Video-Aufzeichnungen aus den Produktionen begleitet.

Auf und hinter der Bühne ging es zu wie bei einem großen, fröhlichen Familientreffen, nur, dass die aus allen Teilen der Welt angereisten Familienmitglieder, die einander ohne Unterlass herzten, küssten und umhalsten, Placido Domingo und Michael Schade, Leo Nucci und Anna Netrebko, Angelika Kirchschlager und Barbara Frittoli hießen. Ioan Holender, der in liebevollen Anmerkungen an diverse Karriereanfänge erinnerte, Sängerkrisen und die ständigen Kämpfe und Krämpfe um stimmliche Fitness erwähnte (Natalie Dessay und Stefania Bonfadelli wurden besonders umjubelt), aber auch immer wieder jener gedachte, die heute nicht mehr leben, hatte es geschafft, dass zumindest nach außen für einen langen Abend Karrierepläne, Gagenpoker und Opernintrigen beiseite geräumt blieben. Beinahe vollständig geschafft: Dass Elina Garanca, die zwei Tage zuvor noch in Eisenstadt ein Konzert gegeben hatte, erneut kurzfristig absagte, wurmte ihn sichtlich.

Doch auch so bleibt von diesem Abend mehr in Erinnerung als anderswo von ganzen Saisonen: Herrlich verspielte Mozart-Momente unter der Stabführung des künftigen Generalmusikdirektors Franz Welser-Möst und des scheidenden RSO-Chefs Bertrand de Billy, gesungen von Michael Schade, Barbara Frittoli und einer quirligen, blendend aufgelegten Angelika Kirchschlager, die auch ein Duett mit Schade aus der “Lustigen Witwe” geradezu halbszenisch auf die Bühne brachte; große Wagner-Minuten mit Siegfried Jerusalem, Johan Botha, Adrian Eröd und Waltraud Meier, deren Isoldes Liebestod für Gänsehaut sorgte; herrliche Arien von Soile Isokoski, Stefania Bonfadelli, Natalie Dessay, Violeta Urmana, Diana Damrau oder Krassimira Stoyanova und eine weder in Kleidwahl noch in Bühnenperformance Zurückhaltung kennende Anna Netrebko, die ihren “Manon”-Auftritt als musikalischen Flirt anlegte; umjubelte Auftritte von Publikumslieblingen wie Leo Nucci, Ferruccio Furlanetto oder Placido Domingo und immer wieder der Staatsopernchor, der mit dem Gefangenenchor aus “Nabucco” auch einen eigenen großen Auftritt absolvieren durfte.

Ein großer, ebenso würdiger wie denkwürdiger Abend. Und mancher mag sich gedacht haben: So schön kann Oper sein. Ganz ohne verwirrende Handlung, aufdringliche Regie und neumodisches Bühnenbild…

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