Spätere Schule: Grüne für Unterrichtsbeginn um 9

Jungen Morgenmuffeln wird der Vorschlag Freude bereiten: Pünktlich zum Beginn des neuen Schuljahres fordern die Wiener Grünen eine Verlegung des Unterrichtsbeginns von 8:00 auf 9:00 Uhr - zumindest ab der fünften Schulstufe.

Wissenschaftliche Erkenntnisse würden zeigen, dass bei Jugendlichen die Leistungskurve erst um diese Zeit ansteige, argumentierte Jugendsprecherin Claudia Smolik am Montag. Derzeit müssen Wiener Schüler – bis auf Ausnahmen – bereits um 8.00 Uhr in der Klasse sein.

Das derzeitige System orientiere sich weniger an den Bedürfnissen von Jugendlichen, sondern vielmehr an der “inneren Uhr” von Erwachsenen. Mit dem Einsetzen der Pubertät verschiebe sich der Zeitpunkt, an dem das Schlafhormon Melatonin ausgeschüttet wird, um zwei Stunden nach hinten, erklärte Smolik. Die Folge: Zwischen 6.30 und 7.00 Uhr sei der jugendliche Organismus auf dem absoluten Tiefpunkt.

Die grüne Forderung beschränkt sich vorerst auf Unter- und Oberstufe. Im Volksschulbereich wäre die Umsetzung um einiges schwieriger, räumte die Politikerin ein. Schließlich müsse im Falle einer Verschiebung des Unterrichtsbeginns trotzdem eine Betreuung ab 8.00 Uhr gewährleistet sein, da der Kinderalltag ansonsten nicht mit dem Arbeitsrhythmus der Eltern vereinbar sei.

Geht es nach der Oppositionspartei, sollen Schüler künftig nicht nur länger schlafen können, sondern zudem weniger Zeit mit Schulangelegenheiten verbringen müssen. Momentan betrage ihre “Wochenarbeitszeit” oftmals weit mehr als 40 Stunden, bei HTL zuweilen über 60 Stunden. “Zwei Drittel der Jugendlichen sind frustriert und haben Anzeichen von Stress, Burn-out und sind zum Teil gesundheitsgefährdet”, betonte Smolik. Ihr schwebt eine 35-Stunden-Woche vor, die Unterricht, Pausen sowie Zeit für Hausübungen und Lernen inkludieren soll. Nach diesem Modell würde der Schultag spätestens um 16.00 Uhr enden, danach sei Freizeit jedoch wirklich Freizeit.

Andreas Ehlers, Vorsitzender der Elternvereine an den öffentlichen Pflichtschulen Wiens, kann der “populistischen Forderung” wenig abgewinnen. Bis zum Eintritt in das Schulgebäude liege die Aufsichtspflicht bei den Eltern, die jedoch überwiegend lange vor 9.00 Uhr am Arbeitsplatz sein müssten, unterstrich er in einer Aussendung.

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