SPÖ will Wien attraktiver machen: Bezirke und Grätzel sollen aufgewertet werden

Ludwig will die Bezirke und Grätzel aufwerten und Wien zur "Digi-City" machen.
Ludwig will die Bezirke und Grätzel aufwerten und Wien zur "Digi-City" machen. ©APA
Parteichef der Wiener SPÖ, Michael Ludwig, kündigte nach der zweitägigen "Zukunftsklausur" an, Wiens Bezirke und Grätzel attraktiver machen zu wollen. So soll eine Donaubühne, eine Sport- und Kulturmehrzweckhalle sowie ein "Supergreißler" geplant sein.
"Zukunftsklausur" startet
Pressekonferenz am 2. Tag

Die Wiener SPÖ will die Bezirke und Grätzel aufwerten und neue Sport- und Kultureinrichtungen schaffen. Konkret soll etwa eine Konzertbühne an der Donau im 22. Bezirk, eine Sport- und Kulturmehrzweckhalle sowie “Supergreißler” zwecks besserer Nahversorgung entstehen. Das kündigte Parteichef Michael Ludwig am Freitag nach der zweitägigen “Zukunftsklausur” an.

Wiener SPÖ kündigt Donaubühne, Mehrzweckhalle und “Supergreißler” an

Ludwig sprach von “intensiven Stunden” der Diskussion am Kahlenberg, bei der der rund 60-köpfige erweiterte Vorstand ein “sehr konstruktives, weitreichendes Portfolio” erarbeitet habe. Mehr als 100 Ideen seien behandelt worden, ein paar angedachte Projekte riss der Parteichef nach Ende des Tagung in einer Pressekonferenz an.

Grundsätzlich dürfte die Stoßrichtung mehr in Richtung kleinteiliger Vorhaben als groß angelegte Strategieänderungen gehen. Ludwig will etwa Bezirke und Grätzel aufwerten, um das “Heimatgefühl” der Bevölkerung zu stärken bzw. zu erhalten. Beitragen dazu sollen “Supergreißler” in Stadtteilen, die derzeit keine ausreichende Nahversorgung haben. Vor allem ältere Menschen sollen davon profitieren. Ludwig schweben Modelle vor, wo man nicht nur “Güter des täglichen Lebens” kaufen kann, sondern etwa auch Pakete aufgeben kann.

Mehr Sozialarbeit in den Wiener Bezirken

“Kleine Kommunikationszentren” sollen es werden. Kombinieren will man das mit der Belebung von Erdgeschoßzonen – etwa durch Geschäfte, Postpartner oder Arztpraxen. Ludwig kann sich auch vorstellen, in Zusammenarbeit mit dem AMS älteren Personen über 50 Jahre zu Jobs zu verhelfen.

Gleichzeitig ist geplant, mehr Sozialarbeit in die Bezirke zu bringen. Dort habe es in den vergangenen Jahre die Tendenz gegeben, Beratungsstellen mit dem Argument der schlankeren Verwaltung zu zentralisieren. Das soll sich künftig wieder ändern.

Zusätzlich will die SPÖ bestimmte Plätze herausputzen, um dort die Aufenthaltsqualität – Stichwort Verkehrsberuhigung, Stadtmöbel und mehr Grün – zu erhöhen. Hier sei man gerade dabei, geeignete Standorte zu definieren.

Novak: Wien soll “Digi-City Europas” werden

Der Stadtrand soll auch durch eine angedachte neue Bühne aufgewertet werden. Dem roten Parteivorsitzenden schwebt eine ans Donauufer gebaute Sommerbühne in der Donaustadt vor, bei dem die Bevölkerung in einen Kulturgenuss a la “Mozart an der Donau”, aber auch in puncto elektronischer Musik kommen soll. In Sachen genauer Standort, Finanzierung und Zeitrahmen blieb Ludwig dabei ebenfalls unkonkret – wie auch beim zweiten Bauvorhaben, das er realisieren will. Dabei handelt es sich um eine für Sport- und Kulturevents nutzbare Mehrzweckhalle. Sie soll sich an Vereine richten, die derzeit “nicht so im Fokus stehen”.

Landesparteisekretärin Barbara Novak ging schließlich auf das Bestreben ein, Wien zu “Digi-City Europas” zu machen. Ziel ist es, einen “Cyber Security Hub” einzurichten. “Welchen Medien und Technologien kann ich überhaupt vertrauen?”, formulierte Novak drängende Fragen. Im betreffenden Bereich tätige Start-ups und KIeinunternehmen sollen gefördert, einschlägige internationale Konferenzen nach Wien gebracht werden. In der Erwachsenenbildung soll die Thematik ebenfalls fokussiert werden, damit keiner hinter der Digitalisierung zurückbleiben muss. Damit will man der drohenden “Vertiefung gesellschaftlicher Unterschiede” entgegenwirken, ergänzte Ludwig.

“In der SPÖ konnte man schon immer über alles reden”

Grundsätzlich freute sich der Parteichef, der erstmals eine derartige Klausur leitete, über den neuen Zugang in der parteiinternen Debatte. “In der SPÖ Wien konnte man schon immer über alles reden. Diesmal musste man reden”, resümierte er.

Noch-Bürgermeister Michael Häupl habe sich übrigens ebenfalls an der Diskussion beteiligt, versicherte Ludwig. Der scheidende Stadtchef habe betont, dass er diesen neuen eingeschlagenen Weg unterstütze. Personalia seien beim zweitägigen Treffen kein Thema gewesen, so der rote Vorsitzende.

Opposition wenig begeistert von Zukunftsplänen

Bei den Wiener Oppositionsparteien lösen die Ergebnisse der “Zukunftsklausur” der Wiener SPÖ keine Begeisterung aus. Im Gegenteil: Von tatsächlicher Veränderung oder Neuorientierung scheint man “Lichtjahre” entfernt zu sein, konstatierte etwa Wiens FPÖ-Vizebürgermeister Dominik Nepp: “Die genannten Ziele des designierten Bürgermeisters Michael Ludwig sind nichts weiter als Wortwiederholungen.”

Der FPÖ-Politiker vermisste nicht zuletzt Personalentscheidungen. Anlassfälle, vor allem hinsichtlich personeller Konsequenzen, gäbe es zur Genüge, befand er in einer Aussendung: “Die jahrelange Misswirtschaft der Wiener Genossen hat nicht nur finanzielle Folgen für die Bundeshauptstadt. Fehlgeleitete Politikgestaltung unter der Verantwortung der zuständigen SPÖ-Stadträte haben enormen Schaden angerichtet, der nun von den Wienerinnen und Wienern ausgebadet werden muss.”

“Ludwig-SPÖ muss ins Tun kommen”

“Die heute präsentierten Ideen der SPÖ sind ein erster Schritt. Aber nun muss die Ludwig-SPÖ vom Ankündigen ins Tun kommen”, forderte der nicht amtsführende ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch. Dass der “SPÖ-Bürgermeisterkandidat” in seinen Ankündigungen ÖVP-Ideen aufgreife, sei durchaus positiv zu werten. Sei es die Mehrzweckhalle, das Kulturangebot jenseits der Donau oder der Digitalisierungsausbau: “Die ÖVP hat das schon mehrmals auf den Tisch gelegt, die SPÖ scheitert an der Umsetzung.”

Die Pläne der SPÖ seien wie der heutige Blick vom Kahlenberg im Nebel geblieben, kritisierte die Klubchefin der Wiener NEOS, Beate Meinl-Reisinger, in einer Pressemitteilung: “Wo sind die Antworten auf die drängenden Herausforderungen unserer Stadt? Gesundheit, Bildung, Integration, Steuergeld-Verschwendung und Schuldenberg – auf all das hat auch der nächste Bürgermeister Michael Ludwig offenbar keine Antworten.” Die Opposition beklagte zudem, dass Ludwig den “Skandal um das Krankenhaus Nord” nicht selbst angesprochen habe und – auf eine entsprechende Frage – eine mögliche Untersuchungskommission heruntergespielt habe.

(APA/Red)

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